ICE-Werk

Harrlach stemmt sich gegen ICE-Werk

Kundegebung mit rund 160 Teilnehmern und Protestzug - Vor allem Bannwaldrodung stößt auf Widerstand

25.07.2021 | Stand 29.07.2021, 3:33 Uhr
Von Traktoren begleitet ist der Protestzug von der Harrlacher Ortsmitte zum Schreckhäusl.Die meisten Teilnehmer tragen Transparente und Banner. −Foto: Schmitt

Harrlach - Harrlach kämpft weiter gegen das ICE-Werk. Zu einem Protestmarsch samt Kundgebung einige hundert Meter außerhalb der Ortschaft an der Straße nach Pyrbaum sind am Samstag rund 160 Menschen aus dem Rother Ortsteil und seiner Umgebung gekommen. Dabei gab es einen echten Schulterschluss zwischen Harrlachern, Politik, Landwirtschaft, Umweltschützern und dem ehemaligen Leiter des Forstamts Allersberg, Manfred Kinzler. Für den käme die Rodung von mindestens 32 Hektar Bannwald zwischen Harrlach und Bahngleis "einem Verbrechen gleich".

Sämtliche weiteren Redner lehnten die großflächige Beseitigung des Bannwalds ebenfalls ab, waren aber nicht gegen das ICE-Werk in der Region. Hauptbotschaft: Man brauche es für die Verkehrswende. Die Bahn solle aber kleiner planen, dann könnte die Instandhaltungswerkstatt näher an Nürnberg eventuell auf eigenen Flächen des Verkehrskonzerns errichtet werden.

Grüne und Bund Naturschutz haben dafür sogar schon ein eigenes Gutachten erstellen lassen, das dieses Vorgehen als möglich darstellt. Ein weiteres Argument gegen Harrlach war die Tatsache, dass die bundesweit anderen neun Ausbesserungswerke allesamt in großen Städten liegen. Zugleich ist mehrmals betont worden, dass man keinesfalls das St.-Florians-Prinzip zur Grundlage des Protests machen wolle. Vielmehr würden sich alle Bürgerinitiativen der neun Standorte solidarisch zusammenschließen und gemeinsam vorgehen.

Roths Bürgermeister Ralph Edelhäußer warf der Bahn vor, Flächen in Nürnberg verkauft zu haben und das Werk nun deshalb auf dem Land ansiedeln zu müssen. "Dabei machen sie unsere Heimat kaputt", wurde der CSU-Bundestagskandidat ziemlich deutlich und verlangte auch im übrigen "Eingriffe, so gering wie möglich". Felix Erbe ist Stadtratsmitglied in Hilpoltstein und Bundestagskandidat der Grünen. "Wir sind Bahn- und Waldpartei", erklärte er, "deshalb haben wir beim Klimaschutz den Blick auch auf die Natur gerichtet." Erbe war überzeugt, dass das Werk auch kleiner dimensioniert werden kann. "Wenn sich diese Einsicht bei der Bahn durchsetzt, kann sie sich neu auf die Suche nach Flächen machen, damit das Werk nicht mitten im Wald angesiedelt werden muss."

Felix Locke, Bundestagskandidat der Freien Wähler, wurde ähnlich deutlich wie Manfred Kienzler. "Dieser Standort hier ist völliger Schwachsinn", sagte der stellvertretende Generalsekretär der Freien Wähler in Bayern und rief die Bahn auf, "kleiner zu bauen, damit eigene Flächen in Frage kommen, oder fangt komplett bei Null an". Das Rother Stadtratsmitglied Richard Radle ergriff als Geschäftsführer des Bund Naturschutz im Landkreis Roth das Wort und verwies auf das Gutachten. "Es belegt, dass es sehr viel kleiner geht", zitierte Radle das Papier. Dann kommen seiner Darstellung zufolge auch andere Standorte in Frage. "Denn hier Harrlach würden dem Bau 500000 Quadratmeter Wald und Feld zum Opfer fallen", rechnete Richard Radle vor.

Thomas Schmidt stellte sich ebenfalls vollends an die Seite der Harrlacher. "Wir müssen gegen diesen Wahnsinns-Flächenverbrauch zusammenhalten, weil Äcker und Wälder betroffen wären", rief der Obmann des Bauernverbands im Kreis Roth den Harrlachern zu. "Deshalb freue ich mich, dass der Widerstand hier so aktiv und breit ist", stellte Schmidt fest. "Bannwald ist zu schützen", stehe im Bayerischen Waldgesetz, fügte Manfred Kienzler hinzu. "Ein intakter Wald darf vor allem mit Blick auf den Klimaschutz nicht niedergemacht werden", so der Forstexperte.

Der Protestzug von der Harrlacher Ortsmitte zum so genannten Schreckhäusl ist von einer beachtlichen Batterie an Traktoren begleitet worden. Die Teilnehmer trugen Transparente und Banner mit einschlägigen Forderungen. Immer wieder ertönten Schlachtrufe gegen das ICE-Werk.

Zum Auftakt der Kundgebung trat eine Gruppe Kinder und Jugendlicher aus Harrlach ans Mikrofon, die eine klare Botschaft formulierte. "Unser geliebtes Dorf soll Zukunft haben, deshalb wollen wir keine schlaflosen Nächte und zerstörte Natur", lautete ihr Hauptargument. "Das Werk würde Bäume vernichten und Tiere vertreiben", so der Harrlacher Nachwuchs.

Den Schluss bildete ein Chor aus Harrlacher Frauen und Kindern. Sie sangen zur Melodie von Michael Jacksons "Heal The World" einen eigenen Text. "Hört Harrlach", so die Aufforderung in Richtung Bahn. Schließlich brachten die Harrlacher Kinder noch Waldschutzforderungen per Plakaten an den Bäumen entlang der Straße an.

HK

Robert Schmitt