Landshut
Haftstrafe für Kindesmissbrauch

72-jähriger Rentner aus dem Kreis Pfaffenhofen soll vier Jahre und vier Monate hinter Gitter

04.10.2018 | Stand 23.09.2023, 4:34 Uhr

Landshut/Pfaffenhofen (DK) Mit einem Schuldspruch endete gestern das Verfahren gegen einen 72-Jährigen aus dem Kreis Pfaffenhofen am Landgericht Landshut. Der als Schulbusfahrer tätige Mann hatte nach Überzeugung der Jugendkammer eine Zehnjährige wiederholt missbraucht. Das noch nicht rechtskräftige Urteil lautete auf vier Jahre und vier Monate Freiheitsentzug.

Damit folgte das Gericht weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die wegen schweren Missbrauchs eines Kindes und 22 weiteren Fällen des sexuellen Missbrauchs vier Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe gefordert hatte. Ein Teil der in der Anklageschrift genannten Vorfälle war letztlich wegfallen, um das Verfahren zu vereinfachen, zumal diese zusätzlichen zehn Vergehen keine Auswirkung auf das Strafmaß gehabt hätten.

Der Angeklagte aus einer Gemeinde bei Pfaffenhofen hatte ein Geständnis abgelegt und in seinem letzten Wort Reue für sein Verhalten gezeigt. Strafmildernd war der Umstand eingeflossen, dass der Rentner laut einer gutachterlichen Einschätzung wegen einer leichten Demenzerkrankung als vermindert schuldfähig anzusehen ist. Der 72-Jährige hatte bisher völlig unbescholten gelebt, in seinem Geständnis sprach er von großväterlichen Gefühlen gegenüber dem Kind, die außer Kontrolle geraten waren. Er hatte sich vor Gericht verpflichtet, 15.000 Euro Schmerzensgeld zu bezahlen.

Der Mann hatte laut Anklage ab September 2016 regelmäßig Kinder zur Schule nach Pfaffenhofen gebracht, um seine Rente aufzubessern. Dabei hatte er sein Opfer kennengelernt. Mit Zustimmung der Kindseltern kam es immer wieder zu Treffen mit der Zehnjährigen. Spätestens ab 1. Januar 2017 war es fast ein Jahr lang wiederholt zu sexuellen Übergriffen gekommen. Der Rentner verging sich nicht nur an dem Kind, wie er einräumte, sondern fertigte außerdem einige hundert Fotos und mehr als 80 Videos an, auf denen die Schülerin nackt und in "unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung" zu sehen ist, wie es in der Anklageschrift hieß.

Mit dem Urteil ist der Angeklagte relativ glimpflich weggekommen. "Es war sehr entscheidend, dass das Mädchen durch das Geständnis nicht vor Gericht erscheinen musste", erklärte Verteidiger Paul Vogel nach dem Prozess. Er werde seinem Mandanten raten, nicht in Revision zu gehen.

Der Fall zeigt auch, wie wichtig Zivilcourage ist, und die Bereitschaft zu handeln, statt wegzuschauen. Der letzte Übergriff hatte am 19. Dezember 2017 im Schulbus nahe der Pfaffenhofener Landkreisgrenze stattgefunden und über zwei Stunden gedauert. Ein Passant hatte Verdacht geschöpft, als er den Bus so lange auf freier Flur stehen sah, und hatte den Rentner bei seinem Tun überrascht. Seither sitzt der 72-Jährige in U-Haft.

Horst Richter