Wolnzach

Gehöfte und ein Hopfenhof

Münchner Büro De la Ossa gewinnt Architektenwettbewerb "Glandergassleiten": Großer Besucherandrang

17.11.2019 | Stand 02.12.2020, 12:36 Uhr
Großer Andrang: Zahlreiche Besucher interessierten sich für die 13 eingegangenen Entwürfe. −Foto: Trouboukis

Wolnzach (WZ) Etwas Neues, eine Weichenstellung. Ein Baugebiet zum Leben, das dem demografischen Wandel Rechnung trägt. Nachbarschaftliches Miteinander, die hügelige Topographie der Landschaft und der Baustil der Umgebung sind nur drei von vielen Kriterien, die den Architektenwettbewerb zum Baugebiet Glandergassleiten entschieden haben. Der erste Preis geht an das Architekturbüro De la Ossa aus München. Die Preisverleihung am Freitagabend zeigte das große Interesse an diesem Gebiet: Über 100 Besucher, darunter viele junge Paare, wollten erleben, was es bringen kann.

Rund 100 Bauplätze, neuer Wohnraum für knapp 500 Menschen am nordöstlichen Ortsrand von Wolnzach an der Glandergasse. "Wolnzach braucht dieses Baugebiet", eröffnete der Wolnzacher Bürgermeister Jens Machold am Freitagabend im Hopfenmuseum den Abschluss des Architektenwettbewerbs. Wie Recht er damit hatte, zeigte das Interesse an diesem Abend: Bereits lange vor Beginn waren Interessierte gekommen, um die ausgestellten Arbeiten zu studieren.


13 Entwürfe hatte das Preisgericht genau vor einer Woche bewertet. Einen ganzen Tag lang studierten die Sach- und Fachjuroren die Arbeiten, fast zwölf Stunden lang. Am Ende waren sich alle einig, hatten alle exakt die gleichen drei Arbeiten an die exakt gleichen Positionen im Ranking gestellt. Wen sie wohin bewertet hatten, erfuhren sie übrigens erst nach Festlegung der Reihung, erst dann wurden die Siegel nämlich geöffnet.

Isek-Fachplanerin Barbara Hummel war von Wolnzach begeistert. Vom Interesse der Menschen, von der, wie sie es nannte, "absolut harmonischen Zusammenarbeit" im Preisgericht, in dem übrigens Vertreter der Gemeinderatsfraktionen maßgeblich mitwirkten - und sich am Ende alle einig waren. "Wolnzach hat unglaublich viel vorwärts bewegt", lobte Hummel generell die Arbeit im Isek-Prozess, im sehr engagierten Isek-Beirat, in der Mitwirkung der Bevölkerung, die sich auch am Interesse an diesem Abend einmal mehr manifestierte.

"Es ist nicht damit getan, Häuser auf einer Fläche zu verteilen", erklärte Konrad Deffner - der Stadtplaner und Professor der Technischen Hochschule Deggendorf war der Vorsitzende des Preisgerichts - worauf es beim Wettbewerb generell ankam. "Es geht darum, den Räumen Struktur zu geben."

Besonders gut gelungen sei das beim Siegerentwurf des Münchner Architekturbüros De la Ossa in Kooperation mit Liebald und Aufermann Landschaftsarchitekten. Man habe "Einheiten in überschaubarer Größe" geplant, Gehöfte, die das Wir-Gefühl stärken sollen, eine klare Erschließungsachse, die keine klassische Straße, sondern ein "Shared Space", also ein geteilter Raum für Fußgänger, Radfahrer und Autos sein soll, um die Dominanz des motorisierten Verkehrs aufzubrechen. "Autos möglichst raus aus dem öffentlichen Raum", nennt der Fachmann das.

Der zweite Platz geht an das Büro H2R Architekten und Stadtplaner Hans-Peter Hebensperger-Hüther mit Fischer Landschaftsarchitekten aus München, der dritte Preis an AKFU Architekten und Stadtplaner mit HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten, ebenfalls aus München. Nicht nur die Sieger, sondern alle Entwürfe hätten interessante Impulse für Wolnzach gebracht, so Isek-Fachplanerin Barbara Hummel. Im Fokus dabei: das Miteinander. Hummel formulierte das für jeden verständlich so: "Die Zeiten, in denen man isoliert hinter der Thujenhecke hinwurschtelte, sind vorbei."

Karin Trouboukis