Ingolstadt

Gegen die Einsamkeit

Die Telefonseelsorge bringt mit #keinerbleibtallein Menschen zusammen - Ehrenamtliche gesucht

30.11.2018 | Stand 02.12.2020, 15:07 Uhr
Hans Iberl ist der Leiter der Ingolstädter Telefonseelsorge. −Foto: Kaczynski

Ingolstadt (DK) Bundesweit gibt es 104 Stellen der Telefonseelsorge, die Gespräche für Menschen in Krisen anbietet. Die Ingolstädter Dependance der Organisation hat gerade ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. In der Vorweihnachtszeit hat sie sich dem bundesweiten Projekt #keinerbleibtallein angeschlossen, das zu mehr Gemeinsamkeit an den Feiertagen aufruft.

Ursprünglich als Anlaufstelle zur Suizidprävention gegründet, hilft die Telefonseelsorge inzwischen in allen problematischen Lebenssituationen - und das täglich rund um die Uhr. Die Ratsuchenden werden dabei von geschulten ehrenamtlichen Mitarbeitern kompetent betreut, Anonymität ist gewährleistet.

"Ängste, Depressionen, Beziehungsprobleme, familiäre Krisen bis hin zu Suizidgedanken sind die Bereiche, um die es in den Gesprächen geht", erzählt Hans Iberl, Leiter der Telefonseelsorge Ingolstadt, die neben dem Telefonkontakt auch einen Chat anbietet. "Zu zwei Dritteln wird er von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt. Insgesamt sind die dort behandelten Probleme gravierender - vermutlich, weil die Hemmschwelle, sich schriftlich mitzuteilen, geringer ist. Ernsthafte Beziehungsthemen oder Suizid kommen hier öfter zur Sprache", erklärt Iberl. "Deshalb nehmen wir den Umgang mit dem Chat auch verstärkt in unsere Ausbildung auf. " Auffällig sei bei beiden Kontaktmöglichkeiten, dass die Menschen immer mehr über Einsamkeit klagen: "Das hat sich in den letzten Jahren doch deutlich verstärkt. "

Und genau dagegen will die Organisation nun etwas tun. Unter dem Hashtag #keinerbleibtallein haben sich Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, die Evangelische Kirche in Deutschland, der Verein KeinerBleibtAllein e. V. , der die Aktion im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat, und eben die Telefonseelsorge zusammengeschlossen, um bundesweit einsame Menschen in der Weihnachtszeit miteinander in Kontakt zu bringen. Und wie funktioniert diese Aktion nun? Wer Gemeinschaft sucht oder anbietet, kann sich über die Social Media Plattformen Twitter oder Facebook bei der Initiative melden, die dann beide Seiten zusammenbringt - eine schöne Idee gerade für die dunkle Jahreszeit.

"Ich wünsche mir, dass Menschen, die an Weihnachten alleine sind, den Mut finden, über dieses Projekt miteinander in Kontakt zu treten und doch noch Gesellschaft für die Feiertage finden", meint der Leiter der Telefonseelsorge, der auch die wachsende Zahl an gescheiterten Beziehungen und Singlehaushalten dafür verantwortlich macht, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft alleine und ohne Anschluss zurückbleiben. Gerade in der "staaden Zeit" empfänden sie diese Einsamkeit dann noch extremer, und die Sehnsucht nach Gemeinschaft wachse. Um ihnen und anderen Hilfesuchenden zur Seite stehen zu können, sucht die Telefonseelsorge Ingolstadt weitere Ehrenamtliche zur Unterstützung: "Wir haben eine relativ hohe Fluktuation, weil immer wieder Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Gründen ausscheiden", so Hans Iberl. "Daher bieten wir jedes Jahr einen Ausbildungskurs an. "

Das Bewerbungsverfahren beginnt in der Adventszeit, der eigentliche Lehrgang für rund 15 Teilnehmer startet im September 2019 und dauert ein Jahr. Volljährigkeit ist Voraussetzung. "Man sollte eine stabile Persönlichkeit und eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen", erläutert Iberl. "Selbsterfahrung, Lebensreflexion, Techniken der Gesprächsführung und Kenntnisse über Bereiche, die oft thematisiert werden, gehören zu den Inhalten, die vermittelt werden. "

Nach der Ausbildung wird man mit circa 12 Wochenstunden zum Dienst am Telefon eingesetzt, den derzeit insgesamt 63 Ehrenamtliche ausführen. Einmal im Monat findet für alle Mitarbeiter eine Supervision in der Gruppe statt, bei der die oft bedrückenden Fälle besprochen werden können. "Das Reden darüber, was einen belastet, entlastet", meint Hans Iberl. "Das ist nicht nur bei unseren Ehrenamtlichen so, sondern auch bei den Menschen, die uns um Hilfe bitten. " Daher bestätigen auch viele Anrufer nach dem Gespräch, dass es ihnen wieder besser geht und bedanken sich fürs Zuhören. Ein Dankeschön, das die Ingolstädter Telefonseelsorge mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern für ihren unermüdlichen Einsatz mehr als verdient hat.

Kontakt für die Ausbildung zum Telefonseelsorger unter Telefon (0841) 910001 oder E-Mail: ts. ingostadt@bistum-eichstaett. de