Trainerporträt

Fußballlehrer und Gentleman: Christian Krzyzanowski ist seit Jugend auf mit dem Sport auf dem grünen Rasen eng verbunden

04.03.2022 | Stand 02.05.2022, 3:36 Uhr
Der Rainer Chefcoach Christian Krzyzanowski (links) bejubelt mit seiner Mannschaft den 1:0-Sieg gegen Aubstadt. −Foto: G. Jung

Christian Krzyzanowski aus Neuburg war ein hochklassiger Fußballer und ist heute ein erstklassiger Trainer. Derzeit coacht er die erste Mannschaft des TSV 1896 Rain am Lech, die in der Regionalliga kickt und vom Abstieg bedroht ist. Seine Aufgabe versieht der 45-Jährige mit einer Mischung aus Kompetenz, Autorität und Einfühlungsvermögen. Kennzeichnend für ihn sind ferner die Konsequenz, mit der er seinen Weg geht, und eine gewisse Noblesse.

Neuburg/Rain - Es mag im Lauf seiner bisherigen sportlichen Karriere zu Enttäuschungen gekommen sein, zu bitteren Erfahrungen. Darüber verliert Christian Krzyzanowski kein Wort. Er schildert nur die positiven Aspekte. Das hört sich dann so an: "Beim MTV Ingolstadt in der Bayernliga, damals die 4. Liga, das war eine wunderschöne Zeit." Oft agierte der selbstständige Versicherungskaufmann zusammen mit seinem Bruder Peter. Beim VfR Neuburg wirkte Christian Krzyzanowski zunächst als Spielertrainer, während sein Bruder Abteilungsleiter war. "Da habe ich mit Freunden gespielt", sagt er. Das eine Jahr in Ehekirchen sei zwar sportlich nicht so erfolgreich gewesen. "Aber ich habe nette Leute kennengelernt. Vom Menschlichen her war das toll."

Als Trainer der JFG Neuburg stieg er mit der A-Jugend von der Bezirksoberliga in die Landesliga auf und hätte beinahe den Sprung in die Bayernliga geschafft. Im Relegationsspiel scheiterte seine Elf gegen die Würzburger Kickers. Den VfR führte der heute 45-Jährige von der Kreisliga zunächst in die Bezirksliga und dann in die Landesliga. "Ich hatte immer mit vielen Leuten zu tun, die motiviert waren und sich weiterentwickeln wollten", sagt er.

Hohe Erwartungen an sich selbst und die Mannschaft

Und genau darauf legt Christian Krzyzanowski Wert. Als Trainer bringt er sich zu 100 Prozent ein und verlangt im Gegenzug vollen Einsatz von seinem Team. Bereits als Spieler hat sich der Neuburger Gedanken über eine Karriere als Fußballlehrer gemacht. Er wollte früh wissen, nach welchen Kriterien der Coach seine Aufstellung macht, wie eine Spielbewertung abläuft und eignete sich als Kapitän, der stets im engen Austausch mit dem Trainer war, taktisches Grundwissen an. "Es hat mich einfach interessiert. Vor allem wollte ich mit dem Fußball auch nach meiner aktiven Zeit in Verbindung bleiben." Krzyzanowski machte die DFB-Elite-Jugend-Lizenz, die sich heute B-Lizenz nennt, und ist gerade dabei, die A-Lizenz zu erwerben. Aus diesem Grund darf er derzeit mit einer Ausnahmegenehmigung die Regionalliga trainieren. "Als Trainer steht für mich stets der Mensch im Vordergrund", erklärt er seine Sichtweise. Die Kommunikation sei ausschlaggebend. "Man darf an Lob nicht sparen, muss aber die Richtlinien vorgeben, innerhalb derer die Spieler sich bewegen können. Es ist stets eine Gratwanderung zwischen Empathie und autoritärem Stil." Und ein Fußballlehrer dürfe nie stehenbleiben, sondern müsse sich ständig weiter- und fortbilden.

Auch psychologisches Gespür sei unerlässlich. Ein neuer Trainer müsse die Führungsspieler auf seine Seite ziehen, die Multiplikatoren, die Einfluss auf die gesamte Mannschaft haben. Auch bei den Videoanalysen spielt taktische Lehre eine ebenso große Rolle wie das psychologische Moment. Christian Krzyzanowski schaut stets die letzten beiden Spiele des nächsten Gegners an und zeigt seinen Spielern die Schlüsselstellen. Ebenso führt er vier bis fünf Szenen des eigenen Spiels vor. "Oft die positiven", erklärt er - um die Mannschaft zu motivieren.

Nach dem Ende seines Engagements beim VfR Neuburg tat sich etwa ein Jahr nichts. Dann kam das Angebot aus Rain. Es war eine neue Herausforderung für den 45-Jährigen. Bisher hatte er stets in und mit Mannschaften gearbeitet, die ganz vorne mit dabei waren. Rain dagegen stand nach fünf Spieltagen mit leeren Händen da: keinen einzigen Punkt eingefahren und ein Torverhältnis von 1:15. "Das war zunächst meine schwierigste Zeit als Trainer", berichtet er. Da Englische Wochen anstanden, war an Aufbautraining erst mal nicht zu denken. Christian Krzyzanowski konzentrierte sich auf die Grundlagen wie Zweikampf, aber auch auf die positive Kommunikation der Spieler untereinander auf dem Platz. Vor allem ging es darum, die Defensive zu stabilisieren. Überdies führte der Trainer zahlreiche Einzelgespräche. "Ab Mitte Oktober waren wir wettbewerbsfähig", sagt der Coach. Die ersten beiden Spiele nach der Winterpause - gegen Greuther Fürth II und gegen Aubstadt - wurden gewonnen. "Ich habe das Potenzial der Mannschaft gesehen. Die Jungs wollten, und ich habe ihnen dabei geholfen", übt sich der Trainer in Bescheidenheit.

TSV Rain und sein Trainer werden sich trennen

Nun aber neigt sich die Zeit in Rain dem Ende entgegen. Der TSV und er werden sich zum Ende der Saison trennen - im Guten, wie Christian Krzyzanowski betont. Er wollte mehr Mitspracherecht zum Beispiel bei der Auswahl von Spielern haben; die Vereinsleitung hatte andere Ansichten. "Ich werde an Ergebnissen gemessen", erklärt er, "und um erfolgreich arbeiten zu können, müssen bestimmte Punkte erfüllt sein". Wie stets fällt auch hier sein Fazit freundlich aus: "Ich habe in Rain viele Freunde in allen Mannschaften gewonnen." So einfach steckt Christian Krzyzanowski die Sache freilich nicht weg. Er betont aber auch: "Ich bin Profi." Und er möchte einen positiven Eindruck hinterlassen. "Ich will hier erfolgreich abschließen", sagt er und meint damit den Klassenerhalt.

Was danach kommt? "Darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Jetzt widme ich mich erst einmal der A-Lizenz. Aber wenn ich etwas Neues anpacke, muss das Gesamtpaket passen."

DK