Pfaffenhofen

Für manchen Einzelhändler ist die Kassenbonpflicht ein Ärgernis - andere finden sie gut

23.02.2022 | Stand 28.02.2022, 3:34 Uhr
Simone Diaw
Ihre Quittung, bitte: Seit 2020 muss für jeden Kauf ein Beleg erstellt werden, wie hier in der Bäckerei Bergmeister. −Foto: Diaw

Pfaffenhofen - Die Meisten nehmen ihn gar nicht erst mit, sondern lassen ihn auf der Ladentheke liegen: den Kassenbon. Seit dem 1. Januar 2020 gibt es die Bonpflicht in Deutschland. Eingeführt wurde sie, um Steuersündern das Leben schwerzumachen. Seither muss an elektronischen Kassen für jede einzelne Breze eine Quittung ausgestellt werden. Von Anfang an stand die Einführung der Belegpflicht in der Kritik. Sowohl Einzelhändler als auch Kunden protestierten gegen die vermeintliche Papierverschwendung. Vor allem Bäcker, die oftmals nur Centbeträge für eine Semmel berechnen, kritisierten die Vorgabe. Einzelhändler im Landkreis haben aber unterschiedliche Meinungen zu dem Thema.

"Wir mussten die Bons säckeweise entsorgen", beschwert sich Mathias Breitner von der gleichnamigen Bäckerei. "Da entstehen Müllberge", ist er überzeugt. Denn die meisten Kunden ließen den Beleg im Geschäft. "Wir haben anfangs mal eine Strichliste geführt, wie viele Leute den Bon mitnehmen", erzählt der Bäckermeister. Acht von zehn Kunden wollten ihn nicht. Die Verkäuferinnen im Betrieb legten den Kassenzettel nicht mehr automatisch dem Kunden hin. "Wir fragen vorher", meint Breitner. Gerne hätte er seine Läden durch das Finanzamt von der Bonpflicht befreien lassen. "Aber da besteht keine Chance", bedauert der Bäckermeister. Er weiß aber auch, dass Einige die Belege nicht mehr automatisch ausdrucken, da diese nicht kontrolliert würden.

Digitaler Kassenbon zur Müllvermeidung

Einen gedruckten Beleg bekommt der Kunde in der Bäckerei Bergmeister sowieso nur auf ausdrücklichen Wunsch. Die Pfaffenhofener Bäckerei bietet nämlich einen digitalen Kassenbon auf einem Bildschirm am Tresen an, der dann per QR-Code mit dem Smartphone eingescannt werden kann. "Der sieht dann aus wie ein ganz normaler, gedruckter Bon", beschreibt Hans Bergmeister seine Investition, "und wir vermeiden damit enorm viel Müll". Trotzdem gingen die Nachfragen nach dem Beleg - sowohl für die gedruckte als auch die digitale Variante - gegen null. "Bestenfalls Kunden, die für ihre Kollegen eine Brotzeit mitbringen, verlangen eine Quittung", weiß Bergmeister.

Trotzdem würde er sich wieder für die digitale Kassenbon-Variante entscheiden, obwohl für die Nutzung der Geräte Gebühren anfallen. "Zum einen sparen wir damit Müll ein, zum anderen sind die Kosten für das Thermopapier für die Kassenbons inzwischen höher als die Gebühren für die Geräte zum Einscannen." Bergmeister hält den bürokratischen Aufwand der Belegpflicht für die Einzelhändler für zu hoch. "Bei einem durchschnittlichen Umsatz von zwei bis fünf Euro, wie er in Backstuben anfällt, ist die Bonpflicht zur Vermeidung von Steuerbetrug überflüssig", findet der Bäckermeister. "Da gibt es ganz andere Branchen."

Das Naturkostgeschäft Mandala in Pfaffenhofen ist nach der Einführung der Belegpflicht auf recyceltes Bonpapier umgestiegen, das man im Papier- statt im Restmüll entsorgen kann. "Ich finde es schlimm, dass man inzwischen überall diese problematischen Quittungen aus Thermopapier herumfliegen sieht, daher die Umstellung", erzählt Ruth Rothbucher von Mandala. Aber auch im Biomarkt hat sich das Müllaufkommen erhöht. "Früher war die Papiertonne nie ganz voll. Seit der Bonpflicht ist sie das ", sagt Rothbucher.

Die Müllproblematik fällt für Christian Pöppel von der Altstadtbäckerei in Vohburg weniger ins Gewicht. "Natürlich bin ich auch nicht begeistert, dass wir jeden Bon ausdrucken müssen. Denn die Wenigsten wollen ihn haben." Im Vergleich zu dem Papiermüll, der sonst noch in der Bäckerei anfalle, wie beispielsweise Papierhandtücher oder Verpackungen, wären die Quittungen aber nicht so problematisch, findet er. "Viel schlimmer sind die Unmengen an Kaffeebechern." Nach Pöppels Erfahrung würden viele Kunden die Pappbecher den Mehrwegbechern vorziehen. "Solange nicht alle Einzelhändler dasselbe Mehrwegverfahren nutzen, wo man den Becher auch in einem anderen Geschäft abgeben oder tauschen kann, wird es nicht funktionieren", ist er überzeugt.

Mit Beleg keine Probleme beim Reklamieren

Für eine gute Sache hält dagegen Herbert Waldinger von der gleichnamigen Metzgerei in Pfaffenhofen die Kassenbonpflicht. "Ist der Kunde nicht zufrieden, kann er mit der Rechnung reklamieren", fasst Waldinger kurz und bündig zusammen. Es komme in der Metzgerei zwar nicht so häufig vor, aber es könne durchaus mal sein, dass eine Verpackung beschädigt sei. "Mit einer Rechnung gibt es keine Diskussionen", findet er.

Für die Kunden der Metzgerei Waldinger sei die Kassenbonpflicht sowieso keine große Umstellung gewesen, sagt der Geschäftsführer. "Wir haben schon immer die Kassenzettel ausgedruckt und wenn der Kunde sie nicht will, schmeißen wir sie weg." Er ist überzeugt davon, dass es in naher Zukunft aufgrund der Digitalisierung keine Kassenbons in Papierform mehr geben wird. Schon heute kann man mit dem Smartphone bezahlen und bekommt den Beleg aufs Handy. Derzeit fragen die Verkäuferinnen im Laden aber die Kunden meist, ob sie den Kassenzettel mitnehmen wollen, aber Waldinger rät den Mitarbeiterinnen, die Quittung mit der Ware einzupacken - falls es Reklamationen gibt.

PK

Simone Diaw