Ingolstadt

Freundschaftsdienst mit bösen Folgen

Internet-Abzocke per Facebook: Ingolstädterin sitzt Betrugsmasche auf und verliert 240 Euro

16.05.2014 | Stand 02.12.2020, 22:41 Uhr
Marion Hofer −Foto: Brandl

Ingolstadt (DK) Falsche Freunde gibt es nicht nur im richtigen Leben, sondern auch in der digitalen Welt. So in sozialen Netzwerken, die Millionen von Menschen nutzen. Nur, dass hier nicht die echten Freunde die „falschen“ sein können, sondern völlig Fremde. Alles klar? Natürlich nicht. Und genau deshalb fiel auch Marion Hofer aus Ingolstadt auf die Masche mit den „falschen“ echten Freunden herein.

 

Die Ingolstädterin kam am 3. Mai spätnachts von einer Geschäftsreise zurück und legte sich schlafen. „Im Laufe des Vormittags wurde ich durch die Nachricht eines sehr guten Freundes über Facebook geweckt. Er fragte mich nach meiner Telefonnummer“, erzählt Hofer. „Er schrieb, sein Handy sei kaputt, und er könne deshalb nicht mehr auf meine Nummer zugreifen.“ Da Hofer vor allem zu der Frau des Freundes ein „fast geschwisterliches Verhältnis“ pflegt, wie sie sagt, hegte sie kein Misstrauen und schickte – noch völlig schlaftrunken – ihre Nummer per privater Nachricht über das soziale Netzwerk. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich schon wenige Stunden danach herausstellen sollte.

Der vertraute Facebook-Freund war in Wirklichkeit ein Betrüger, der das Profil des guten Bekannten von Hofer gehackt hatte, um damit mindestens sieben Leute auf dessen Freundesliste – darunter auch die Ingolstädterin – um mehrere Geldbeträge in Höhe von jeweils 20 bis 30 Euro zu prellen. Der Unbekannte bat Hofer, auf ihr Handy per SMS eingehende Codes an ihn weiterzugeben. „Er sagte, die Codes kämen von Zong (dem Ableger des weit verbreiteten Internet-Bezahldienstes Paypal), und er brauche diese, um seine Online-Bestellung abzuschließen“, erzählt Hofer weiter. Sie tat dem „Bekannten“ den Gefallen – wenn auch mit gemischten Gefühlen. „Weil es sich ja um sensible Daten handelt“, sagt sie. Da sie aber selbst kein Zong-Konto besitzt, wog sie sich in Sicherheit. Ein Trugschluss. Als am selben Nachmittag die Frau des Freundes anrief, war der Schock bei Hofer groß: Sie erfuhr von dem Profil-Missbrauch, der mittlerweile entdeckt worden war, und erstattete – zusammen mit dem befreundeten Paar – Anzeige bei der Polizei. Ein Blick auf die Online-Abrechnung ihres Telefonanbieters sorgte dann für den nächsten Schrecken: Um knapp 240 Euro hatte der Betrüger mit seiner Masche Hofer erleichtert. Geld, das vermutlich für immer verloren ist. Mit Marion Hofers Handynummer hatte er sich bei dem Bezahlservice Zong angemeldet und dann nach Belieben kostenpflichtige Internetdienste nutzen können. Denn Zong schickte bei jeder Transaktion zur Identifizierung Codes auf ihr Handy – die sie dann aber wieder an den Betrüger weiterleitete.

„Der zuständige Kommissar konnte mir keinen Mut machen, dass man der Täter habhaft werde, geschweige denn, dass ich die Zahlung in irgendeiner Form stoppen könnte“, sagt Hofer. Eine letzte Hoffnung setzte sie in einen Anruf bei Paypal. Doch danach herrschte Ernüchterung bei ihr. Denn die Masche, deren Drahtzieher Medienberichten zufolge wohl in der Türkei sitzen, war dort bereits hinlänglich bekannt. Bis zu 180 neue Betrugsfälle würden bei der Firma täglich auflaufen, teilte man Hofer mit. Die Zahlungen stoppen könne man nicht mehr.

Für Hofer, die ihre beiden Facebook-Profile auch geschäftlich nutzt, hätte der Schaden größer sein können. „Man ärgert sich aber trotzdem“, räumt sie ein. Vor allem darüber, dass sie nicht doch sicherheitshalber den Bekannten angerufen hat. Jetzt wechselt sie alle zwei Tage ihr Passwort, damit nicht auch noch das eigene Profil zur Abzock-Falle für einige ihrer rund 3000 Facebook-Freunde umfunktioniert wird.