Hilpoltstein
Fortbildung zu Fuß

22.07.2010 | Stand 03.12.2020, 3:50 Uhr |

"Glump und Grempl" nennt der Sammler und Hobbydichter Toni Brandl (am Grammofon) seine alten Gerätschaften, die er in einer ehemaligen Scheune in Lampersdorf ausstellt. - Foto: kx

Hilpoltstein (HK) Wandern bildet. Nicht nur Muskeln und Kondition, sondern auch den Geist. Und so lädt der "Arbeitskreis Heimat erleben – Wandern im Landkreis" zwei Mal im Jahr Lehrer zu einer Fortbildungsveranstaltung zu Fuß ein. Diesmal ging es nach Allersberg.

Ziel der Reihe ist es, die Heimat besser kennenzulernen und mögliche Unternehmungen mit der Schulkasse aufzuzeigen. Arbeitskreisbetreuer Gerhard Englisch und Thomas Gruber, Kulturreferent am Landratsamt, hatten ein interessantes Nachmittagsprogramm zusammengestellt, das diesmal nach Allersberg führte. Kreisarchivpfleger Robert Unterburger, ein Allersberger, ist mit der Geschichte des Ortes bestens vertraut. Mit fundierter Sachkenntnis stellte er in kurzweiliger Form historische Höhepunkte heraus.
 

Im Jahre 1254 wurde Allersberg erstmals urkundlich erwähnt. Das 1323 gewährte Befestigungsrecht erlaubte unter anderem den Bau des Torturms. Der Türmer war Schullehrer, Leichenbitter und Hochzeitslader zugleich. Mehrere Jahrhunderte lang herrschten die Herren von Wolfstein. Wechselvoll waren dann die weiteren Herrschaftsverhältnisse. Allersberg gehörte zu Eichstätt, dann zu Pfalz-Neuburg und zusammen mit Hilpoltstein und Heideck schließlich zu Nürnberg. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges brachte der "Allersberger Drahtzug" Wohlstand für die Gemeinde. Zunächst von Johann Georg Heckel eingeführt, wurde diese Kunst der Drahtherstellung durch den Mailänder Kaufmann Jacob Gilardi zur Weltgeltung gebracht. Während dieser Blütezeit bekam der Marktplatz sein barockes Aussehen. 1880 kam Allersberg zu Mittelfranken.

Nach Plänen des Eichstätter Hofbaumeisters Gabriel de Gabrieli erbaute der Fabrikant Giacomo (Jacob) Gilardi von 1723 bis 1728 das nach ihm benannte Gilardihaus im herrschaftlich-barocken Stil. Es war einst Sitz einer der ältesten leonischen Drahtwarenmanufakturen Deutschlands. Ein späterer Besitzer des Hauses war jüdischer Abstammung. Aus diesem Grund wurde in der Reichspogromnacht 1938 das Gebäude durch SA-Trupps stark zerstört. Wie schon zuvor wurde nach dem Wiederaufbau in einem Seitentrakt Weihnachtsdekoration hergestellt. Die Produktion endete im Jahre 2006.

Die Familien Gilardi und Heckel stifteten maßgeblich die Ausstattung der 1710 geweihten Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. In der Gruft ruhen die Gebeine der Stifter. Bemerkenswert ist das größte Deckenfresko in der Diözese Eichstätt, das 1950 von Alois Wünsche-Mitterecker geschaffen worden ist. Etliche Allersberger sind darauf porträtiert.

Ein Museum besonderer Art findet man beim "Brandl Toni" in Lampersdorf. Mit "Glump und Grempl" beschreibt der Sammler und Hobbydichter Toni Brandl seine in einer ehemaligen Scheune ausgestellten Gerätschaften vergangener Tage. Vor allem die landwirtschaftlichen Werkzeuge und Geräte erzählen von der Mühsal damaliger Arbeiten, aber auch vom Ideenreichtum ihrer Erfinder und Benutzer. "Als der Großvater die Großmutter nahm" steht auf der Polydor-Schellackplatte, die auf dem Grammofon liegt. Stolz dreht Brandl die Kurbel und etwas krächzend ertönt eine flotte Weise aus dem Schalltrichter. Ganz ohne Strom. Etwas wehmütig blickt der Hobbydichter in einem seiner Gedichte zurück: Pfarrer, Lehrer, Schulhaus, Wirtshaus, Dorfschmied, Wagner und Gmoidiener sind aus dem Dorf verschwunden, weil "die Alten nimmer kännä und die Jungen nimmer dännä".