Flughafenerweiterung hatte nur einen Befürworter

19.11.2009 | Stand 03.12.2020, 4:29 Uhr

Die Podiumsdiskussion zum Thema dritte Startbahn leitete Peter Kveten vom Bayerischen Rundfunk (ganz links). Es diskutierten Herbert Patig (2.v.l.), der Landtagsabgeordnete Christian Magerl (Mitte), MdL Manfred Pointner (2.v.r.) und Rudolf Strehle (ganz rechts). - Foto: Eibisch

Pfaffenhofen (em) Eine moderierte Podiumsdiskussion zum Thema "Dritte Startbahn – Segen oder Fluch? – Wirtschaft contra Lebensqualität", erlebten knapp 80 Zuhörer im Hofbergsaal. Veranstaltet wurde dieser Abend von der Landkreis-SPD.

Das Podium war mit Fachleuten besetzt. Neben dem Regionalbeauftragten (Ombudsmann) der Flughafengesellschaft München, Rudolf Strehle, diskutierten der Vorsitzende des Bund Naturschutz Freising und Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie im bayerischen Landtag, MdL Christian Magerl (Die Grünen), der ehemalige Freisinger Landrat, Vorsitzende der Fluglärmkommission und Mitglied des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen im bayerischen Landtag, MdL Manfred Pointner (FW), und der Sprecher der Bürger-Initiative Pfaffenhofen und Umgebung gegen die 3. Startbahn, Herbert Patig, knapp zwei Stunden über die Auswirkungen der geplanten dritten Startbahn.

Rudolf Strehle war an diesem Abend der einzige Befürworter der dritten Starbahn, er stellte sie als wichtige Voraussetzung für das weitere Wachsen des Flughafens dar. Mehrmals wies er darauf hin, dass die "Flughafengesellschaft nur das ermöglicht, was die Leute wollen: Mobilität." Doch bereits heute könne der Flughafen Nachfragen der Fluggesellschaften nach Zeitfenstern (Slots) für Start- und Landemöglichkeit nicht vollständig erfüllen. Zum Thema Fluglärm stellte Strehle fest, dass sich an der jetzigen Situation nichts ändern werde, "gleichgültig, ob die dritte Bahn gebaut wird oder nicht."

Auch als Jobmotor stellte er den Flughafen hin: "Derzeit haben wir etwa 30 000 Beschäftigte, mit einer dritten Startbahn wären es etwa 42 000. Und jeder Job am Flughafen zieht einen weiteren in der Region nach sich, denn internationale Firmen siedeln sich gern an internationalen Standorten an."

Als engagierter Gegner der dritten Startbahn trat Manfred Pointner als ehemaligen Freisinger Landrat auf. "Ich bin kein Gegner des Flughafens," betonte er, "damit habe ich mich arrangiert. Aber ich bin vehement gegen die geplante dritte Startbahn." Die Flugzeuge würden laut Pointner dann in 50 Metern Höhe über Pulling, Schwaig, Attaching und Hallbergmoos fliegen. Pointner: "In Pulling würden stündlich bis zu 90 Flugzeuge über einen Ort mit Kindergarten und Schulen hinwegfliegen. Auch Freising würde betroffen sein." Bei der Verwirklichung der dritten Bahn wären dann "bis zu 120 Bewegungen pro Stunde möglich." Zur Arbeitsplatzsituation sagte Pointner, dass die Arbeitslosenzahl in Freising auch schon vor der Flughafeneröffnung gering gewesen sei und bei etwa drei Prozent gelegen habe. Seine Ausführungen gipfelten in der Aussage, dass die dritte Bahn doch nur gebaut würde, "damit Polen und Ukrainer in München besser umsteigen könnten."

"Ich habe meine Doktorarbeit über die Vogelwelt im Erdinger Moos geschrieben," erklärte Christian Magerl und wies darauf hin, dass bereits 1700 Hektar vom Flughafen beansprucht werden. Mit der dritten Starbahn würden "weitere 1000 Hektar Vogelschutzgebiet vernichtet werden." Er ging bei seinem Diskussionsbeitrag besonders auf die Umweltverschmutzung ein: "Neben den erhebliche Abgasen produziert der Flughafen auch eine beträchtliche Menge an Feinstaub." Dann stellte er fest, dass die viel befahrende Autobahn A 9 die Umwelt am Boden belaste und dazu dann noch mehr Belastung durch die dritte Startbahn kommen würde. Das Gutachten zur dritten Startbahn sei schon fünfeinhalb Jahre als. Darin werde noch von einem Ölpreis von 40 Doller je Fass ausgegangen, derzeit müssten aber 80 Dollar gezahlt werden. Magerl ist sehr gespannt, wie das Gutachten, das gerade überarbeitet wird, in Zukunft aussehen wird – zumal sich auch die Weltwirtschaftssituation erheblich geändert habe.

Der Sprecher der "Bürger-Initiative Pfaffenhofen und Umgebung gegen die 3. Startbahn", Herbert Patig, sagte in einem kurzen Statement, dass "wir nicht gegen den Flughafen sind – wir sind gegen die Erweiterung: Wir wollen weiteren Lärm und weitere Umweltverschmutzung verhindern."