Dietfurt

"Fische haben keine Überlebenschance"

Lothar Steimann, Vorsitzender der Sportangler Dietfurt, übt deutliche Kritik am Kanal

10.05.2017 | Stand 02.12.2020, 18:09 Uhr

Foto: Andreas Müller

Dietfurt (DK) Lothar Steimann ist ein eingefleischter Kanalgegner. Auch 25 Jahre nach der Eröffnung hat er immer noch keinen Frieden mit der Wasserstraße gemacht. Anlässlich des Jubiläums macht der Vorsitzende der Dietfurter Sportangler seinem Ärger Luft.

"Stellen Sie sich vor: Sie haben ein Haus gemietet und der Vermieter sagt zu Ihnen, dass Sie die Haustüre nicht benutzen dürfen. Wie kommen Sie da hinein" Mit diesem Beispiel veranschaulicht Steimann die Situation der Sportangler in Dietfurt. Das Verbot, die Betriebswege entlang des Kanals zu befahren, ist Problem Nummer eins auf seiner Liste.

Der Verein zahle eine "beträchtliche Pacht" für das Fischrecht im Kanal, allerdings seien die Wege auch für die Angler gesperrt. Auf großen weißen Schildern mit signalroter Umrandung steht: "Betriebsgelände der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes - Benutzen und Betreten strompolizeilich verboten."

Für Steimann ergibt das auch nach 25 Jahren noch keinen Sinn. "Ich bin Pächter der Fischwasser, darf aber nicht auf den Wegen fahren", beschwert er sich. Steimann, der seit 33 Jahren an der Spitze des Dietfurter Anglervereins steht, stellt eines klar: "Der Verein trägt die Kosten für die Fischrechte gerne, allerdings wollen wir dafür ein angemessenes Nutzungsrecht bekommen."

"Seit Jahren kämpfen wir dafür, einen freien Zugang zu den Betriebswegen zu bekommen", klagt Steimann. Ältere Mitglieder, die schwer zu Fuß seien, hätten kaum die Möglichkeit, heranzufahren. Allerdings dürfen laut Steimann Fahrradfahrer, Freizeitkapitäne und Segway-Fahrer den Weg durchaus benutzen. "Die Fischerei wird sehr zurückgedrängt", fasst Steimann die Situation aus seiner Perspektive zusammen.

Dabei nehme der Verein seine Aufgaben sehr ernst: Fischereiaufseher inspizieren in regelmäßigen Abständen die Gewässer. Durch diese wichtigen Kontrollen würden Verschmutzungen beispielsweise durch Öl erkannt und an die entsprechende Behörde weitergeleitet, so Steimann. Aber: Für solche Kontrollen sei es wichtig, dass man an die jeweiligen Gewässer heranfahren dürfe.

Kritikpunkt Nummer zwei ist nach Ansicht von Steimann der Zustand vieler ökologischer Ausgleichsflächen. Sie wurden im Zuge des Kanalbaus geschaffen. "Das sind keine angemessenen Lebensräume", sagt Steimann, der gerade vor einer solchen steht. Das Wasser hat eine grüne Färbung. Die Ufer werden von Sträuchern zugewuchert. "Es tut einem weh, wenn man das sieht", bedauert Steimann. "Die Wasserflächen sind viel zu flach. Es hätte einfach tiefer ausgehoben werden müssen - die Bagger waren ja da." Der Wasserstand im Winter sei so niedrig, dass die Fische erfrieren würden. Das Ganze hat einen weiteren gewaltigen Haken: Selbst wenn die Ausgleichsflächen so angelegt worden wären, dass sich die Fische dort wohlfühlen, dürfen die Angler dort ihrem Sport nicht nachgehen. Denn: Es sind ökologische Flächen und damit tabu für die Angler. "Dabei betreiben wir eine ganz natürliche Bestandsabfischung und einen intensiven Gewässer- und Naturschutz", betont Steimann. Für ihn gibt es keinen Widerspruch zwischen Ökologie und der Fischerei. "Wir haben das Fischereirecht verloren und was wir verloren haben, möchten wir ersetzt bekommen", fordert er. Schließlich habe die Altmühl für die Angler einen höheren Nutzungswert gehabt, als es jetzt der Fall ist.

"Wir müssen mit dem Kanal leben", ist Steimann klar. "Aber wir müssen den Fischen die Möglichkeit geben, dort heimisch zu werden." Allerdings seien die Flachwasserzonen entlang der Wasserstraße wenig dazu geeignet, dass sich diese zurückziehen können. Aber: "Hier kann sich kein Fisch aufhalten,", sagt Steimann. Die Bereiche seien versandet und würden einer extremen Wasserschwankung unterliegen. Durch Schleusenvorgänge sinke das Wasser auf 45 Zentimeter, hat der Fachmann beobachtet. "Fische haben hier keine Überlebenschance", sagt Steimann. Und somit auch keine Chance zur Fortpflanzung. Seit 25 Jahren kämpft Lothar Steimann unermüdlich, aber letztlich erfolglos. "Ich kämpfe immer gegen Windmühlenflügel", lautet sein Fazit.

Guido Zander, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts in Nürnberg, will die Kritik von Steimann so nicht stehen lassen. Zu Vorwurf Nummer eins, den gesperrten Betriebswegen, bestätigt er im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Benutzung grundsätzlich nicht zulässig sei. Die Wege seien zum Erhalt der Wasserstraße geschaffen worden. Freizeitsportler wie Radler und Wanderer dürften sie jederzeit benutzen. Dabei gebe es auch für Autos durchaus die Möglichkeit, eine Einzelerlaubnis zu bekommen. Fischereiaufseher hätten in der Regel so eine Genehmigung. "Wir wollen den motorisierten Verkehr natürlich begrenzt halten", sagt Zander, gerade im Altmühltal sei die Freizeitfunktion wichtig. Außerdem gebe es an Fischwassern keine Parkmöglichkeiten.

Was die Qualität der Ausgleichsflächen betrifft, verweist Zander auf den Landschaftsplan, den ersten seiner Art, der in den 1970er Jahren erstellt wurde, um Eingriffen gezielt entgegenwirken zu können. Da könne es durchaus auch einmal der Fall sein, dass die Verlandung einer Fläche gewollt sei, auch wenn das die Fischer anders sehen. Das müsse man von Fall zu Fall prüfen.

"Wir sind immer gesprächsbereit", sagt Zander. Und verweist auf die jüngst geschaffenen Laichstationen für Zander hin, die mit Unterstützung des Betreibers der Wasserstraße entstanden seien.