Ingolstadt

Finale furioso

Schäffler haben stimmungsvollen letzten Auftritt am MTV-Tennisheim - Nun ist sieben Jahre Ruhe

05.03.2019 | Stand 02.12.2020, 14:30 Uhr
Bisweilen ging die Ordnung etwas verloren: Beim letzten Schäfflertanz der Session 2019 vor dem MTV-Tennisheim in der Fohlenweide herrschte gestern Nachmittag ausgelassene Stimmung. Und letztlich wurde da und dort auch mal eine Träne verdrückt - 130 Auftritte in acht Wochen haben zusammengeschweißt. −Foto: Heimerl

Ingolstadt (DK) 129 Auftritte lang blieb es trocken - ausgerechnet zum gestrigen Finale vor dem vereinseigenen Tennisheim in der Fohlenweide ging es den Schäfflern des MTV nass ein. Da war es nur stimmig, dass manchem Tänzer in den letzten Minuten der Session 2019 auch die Augen feucht wurden - der Abschied für sieben Jahre fiel vielen sichtlich schwer.

Das Schäfflerjahr 2019 ist Geschichte. Rechtzeitig vor dem Aschermittwoch sind Fass und Hämmer, Buchsbaumkränze und Reifen wieder eingepackt worden. Zuvor wurden die Insignien der Zunft und die Beine der Tänzer aber nochmals mächtig strapaziert: In einem rund halbstündigen Reigen, in den sich letztlich auch manche Umstehende einreihten, gab es nur eine Melodie: "Oba heid is koid" - eine Energieleistung auch der Mailinger Blaskapelle, die die MTV-Schäffler nun über acht Wochen hinweg begleitet hat und auch zum Schlussakt bravourös aufspielte.

Das Publikum unter den Regenschirmen, teils allerdings vorsichtshalber im warmen Vereinsheim geblieben und durch die Fensterscheiben vom tanzenden Volk getrennt, war begeistert: Das Schäfflertanz-Finale, quasi ein Heimspiel auf Vereinsgelände, hielt, was man sich davon versprochen hatte: Stimmungsvolle Unterhaltung und auch manch menschliche Szene. Bei den herzlichen Dankesworten der Verantwortlichen blieb jedenfalls kein Zweifel, dass hier eine eingeschworene Gemeinschaft am Werk war. Reinhard Büchl jr., Leiter der Gilde, brachte es in seinen Abschiedsworten auf den Punkt: "Die letzten acht Wochen haben uns zusammengeschweißt!"

Spontane Umarmungen und Tanzeinladungen an Zuschauer und passive oder vormals aktive Mitglieder und Verantwortliche wie Ex-Abteilungsleiter Franz Hiermeier oder den früheren Vortänzer Hans Hagn sen. (Sohn Hans und Enkel Max haben es diesmal gerichtet) brachten gestern die ansonsten so exakte Ordnung der rotberockten "Handwerker" zeitweise etwas durcheinander - alles egal und im Grunde ja erwünscht bei diesem furiosen Finale, bei dem sich auch mancher Tänzer im positiven Sinne Luft machte vom Stress der letzten Wochen.

Dankgesänge gab es für den Busfahrer, der die Truppe seit Anfang Januar sicher durch den Auftrittsreigen gebracht hat, für die Mailinger Musikanten als treue Begleiter durch die Session und für einige Kollegen, die bei der nächsten Tanzrunde in sieben Jahren aus Altersgründen nicht mehr aktiv dabei sein wollen. Auch Mitorganisator Hiermeier will aufhören: Wenn es ihm vergönnt ist, will er 2026 nur noch als Zuschauer dabei sein.

Bernd Heimerl