Rednitzhembach

Filigrane Filmplakate und große Sägewerke

Der Modellbahnclub Schwabach prämiert erstmals die schönsten Werke des Einsteiger-Kurses

15.05.2017 | Stand 02.12.2020, 18:08 Uhr

Mit viel Liebe zum Detail basteln die Mitglieder des Modellbahnclubs Schwabach an maßstabsgetreuen Landschaften. - Foto: Schmitt

Rednitzhembach (HK) Der Modellbahnclub Schwabach, den es seit Januar dieses Jahres gibt, ist aus einem Angebot der Volkshochschule Schwabach hervorgegangen. Wolfgang Speck aus Rednitzhembach bietet dort seit vier Jahren einen Einsteiger-Kurs für Eisenbahn-Modellbaufreunde an. Nun hat der Club die Ergebnisse erstmals ausgezeichnet.

Die Clubmitglieder haben als Jury die Dioramen von 15 Kursteilnehmern bewertet und dafür Preise vergeben. Sieger ist das Ehepaar Schwemmer aus Allersberg geworden. Die Plätze zwei und drei haben Heiko Deserno samt Sohn Luca und Günter Bierlein aus Schwabach belegt. Platz vier ging an Ralf Gnatzy aus Hilpoltstein.

Berge formen, Felsen schnitzen, Bachläufe nebst Wasserfällen anlegen, Rasen säen und Mauern oder Kopfsteinpflaster ritzen. Wolfgang Speck legt das Programm seiner Landschaftsbaukurse durchaus mit Anspruch an. Doch obwohl seine Schüler Anfänger in diesem Metier sind, können sie außergewöhnliche Ergebnisse präsentieren. Jedes der Modelle hat seinen ganz eigenen Charme. Ob Sägewerk, Straßentunnel, Almhütte oder Bahnübergang mit Bushaltestelle und Filmplakat der "Keuschen Susanne" aus dem Jahr 1926. Immer ist es den Teilnehmern gelungen, eine authentische Szenerie zu gestalten, die nur im jeweiligen Kopf entstanden ist.

Ein besonders gerne verwendetes Bauutensil sind die Kaffeestäbchen einer Fast-food-Kette. Mit den Mini-Holzlatten lassen sich Häuser bauen, Mauern abstützen und Zäune aufrichten. "Kreativität ist ganz wichtig", sagt Speck. Über sie verfügen seine Schützlinge augenscheinlich in herausragendem Maße. "Ziel war es, einen Einstieg in die Anlage mit einer großen Landschaft zu bieten." Alle Dioramen passen exakt zur Bahn des jeweiligen Bastlers. Bei den meisten kann das Spielfeld nun nach und nach mit weiteren Modulen ergänzt werden. So soll im Laufe der Zeit eine vollständige Bahnkulisse entstehen.

Etwas anders haben Sigrid und Konrad Schwemmer ihr Diorama angelegt. Die Bahnstation namens "Blumenthal" im Maßstab 1:160 passt sogar in ein Regal. "Nomen est omen" muss man in diesem Fall sagen, denn es handelt sich um eine Gärtnerei, die zwischen zwei Bergen angesiedelt ist. Die Liebe zum Detail ist enorm: Links krönt die Felsformation ein Gipfelkreuz. Rechts hat ein Windrad seinen Platz gefunden. Beides nach eigenen Vorstellungen entworfen und gebaut. Die Gärtnerei feiert erkennbar Jubiläum. 40 Jahre kann man dort schon Pflanzen kaufen. Im kleinen Biergarten nicht weit von den Beeten stoßen die Festgäste an. Auf der Volkstanzbühne drehen sich die Mitglieder des Trachtenvereins. Die Szenerie ist perfekt, aber noch nicht ganz fertig. Das Gleisoval führt dann von Blumenthal in einen Steinbruch, der allerdings erst noch gebaut werden muss.

"Es ist ein Virus." So begründen die Mitglieder des Modellbahnclubs Schwabach ihre Begeisterung für die Anlagen mit entsprechender Landschaft. Die meisten hat er schon in Kindertagen befallen. "Als Sechsjähriger habe ich schon meinem Vater und meinem Onkel zugesehen", sagt ein Mitglied. Mitbauen durfte er da allerdings noch nicht. "Geh weg, das ist nichts für dich", habe es geheißen, womit Neugier und Begeisterung zusätzlich angefacht worden waren.

Wolfgang Speck gibt seit fast 20 Jahren Kurse bei verschiedenen Volkshochschulen. Die vier Jahre in Schwabach sind nun mit der Gründung des Vereins gekrönt worden, der auch einen Stammtisch pflegt. Dort tauschen die Bahnbastler ihre Erfahrungen aus, geben sich Tipps, lassen sich anregen und entwickeln neue Ideen. "Für uns ist das toll", freut sich Schwabachs VHS-Leiter Steffen Chill, "weil es unser Spektrum perfekt erweitert." Die Mitglieder des Vereins und die Teilnehmer aus den Kursen kommen aus der gesamten Region. Hilpoltstein, Roth und Abenberg sind ebenso vertreten wie Schwabach, Zirndorf und Nürnberg.