Eichstätt

Faszinierende Farbenpracht

Die Gemeinden im Landkreis versuchen immer mehr Blühwiesen anzulegen, um Insekten eine neue Heimat zu bieten

20.08.2020 | Stand 02.12.2020, 10:43 Uhr
  −Foto: Bauer

Eichstätt - Der Landkreis Eichstätt möchte sich künftig von seiner schönsten Seite zeigen und die Gemeinden im wahrsten Sinne aufblühen lassen.

 

Für dieses Projekt finden sich in den einzelnen Orten immer mehr Unterstützer. Das ist eine erste positive Bilanz nach einem Jahr Volksbegehren "Rettet die Bienen". Für Richard Mittl, Bürgermeister von Mörnsheim und Kreisvorsitzenden des Bayerischen Gemeindetags, war das Volksbegehren eine zusätzliche Motivation für die ökologische Idee, die es schon gegeben hat.

Denn diese Richtung verfolgt Mittl mit dem Gemeindetag schon seit zweieinhalb Jahren, also schon vor dem letztjährigen Volksbegehren. Mittl: "Ich habe bereits 2017/2018 den blühenden Landkreis auf den Schild der Gemeinden gehoben. Denn Blühflächen, gerade an Ortseingängen, sind auch eine Visitenkarte der Dörfer. " Zum Auftakt dieser Mission hatte Umweltpädagoge Johann Bauch Anfang 2018 die Bürgermeister über die Bedeutung kommunaler Blühflächen informiert. Insgesamt gesehen bewertet Mittl die ökologische Idee als "wichtige Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger".

Nach Ansicht des Kreisvorsitzenden sollten die Ideen rascher umgesetzt werden. Gerade die öffentliche Hand, Landkreis und Straßenbauamt, sollten den ökologisch bedeutsamen Schritt mitgehen und bei der Pflege der Straßenbegleitflächen behutsamer vorgehen. Während Gemeinden gerade auch entlang der Straßen aktiv geworden seien, würden die Ränder der Kreis- und Staatsstraßen, so seine Beobachtung, oftmals nach alter Gewohnheit nach wie vor gemulcht.

 

Hilfestellung bekommt der Kreisvorsitzende aktuell von Kerstin Schreyer. Sie ist Bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr. In dem Rundschreiben "Ökologische Aufwertung von Straßenbegleitflächen" schreibt sie den Bürgermeistern: "Der Erhalt der Artenvielfalt im Freistaat ist für die Staatsregierung ein Herzensanliegen. Hier kann auch der Straßenbau mit seinen Straßenbegleitflächen einen wichtigen Beitrag leisten. Zukünftig wollen wir entlang der etwa 20000 Kilometer Bundes- und Staatsstraßen noch vielfältigere Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen und diese vernetzen. " Mit dem Brief schickte Schreyer den Bürgermeistern das Konzept mit Anregungen, die Straßenränder im Bereich der Gemeinden ebenfalls ökologisch zu pflegen. Ihr Wunsch: "Bayern soll Heimat bleiben - auch für Bienen und Schmetterlinge. "

Ein Besuch in den Kommunen des Landkreises würde der Ministerin zeigen, wie viel die Gemeinden hier schon leisten. So könnte sie sich im Markt Mörnsheim aufs Rad setzen und mit dem Bürgermeister die Blühstreifen und Blühwiesen abfahren. Sie würde staunen: Im Rahmen des Naturschutzprojekts "Der Naturpark Altmühltal blüht auf" legte der Mörnsheimer Bauhof heuer sechs weitere Blühflächen an, darunter drei in Abstimmung mit dem Naturpark Altmühltal und mit dessen Beratung. Die LAG Altmühl Donau mit Managerin Lena Deffner begleitet das Leader-Kooperationsprogramm federführend. Eine Fläche an der Kreisstraße EI 3 des Marktes Mörnsheim ist straßenrandbegleitend. Der Standort Schule wurde aus Gründen der Umweltbildung gewählt. Hier wurden zum Vergleich drei unterschiedliche Saatmischungen verwendet. Eine größere Fläche am Radweg zwischen Mörnsheim und Mühlheim ist von den Passanten gut einsehbar.

Umweltpädagoge Johann Bauch von der Initiative "Eichstätt summt" stellt aktuell fest: "Auch in diesem Jahr findet man viele blühende Flächen, angelegt von Privatleuten, Gartenbauvereinen, Gemeinden, Straßenbauämtern, Landwirten und dem Naturpark. " Er rät bei der Neuanlage von Wiesenflächen Regiosaatgut zu verwenden, das "ökologischer und nachhaltiger" ist. Er weist darauf hin, dass Naturschutzbehörde, Naturschutzverbände, Gartenbauvereine und "Eichstätt summt" und der Naturpark Altmühltal gerne Information zur richtigen Saatgutauswahl und entsprechenden Pflege geben.

 

In einer naturparkweiten Aktion hat Christa Boretzki, die Betreuerin des Leader-Projekts "Der Naturpark Almühltal blüht auf", zusammen mit dem Biologen Martin Weiß 28 Gemeinden beraten, die Bauhofmitarbeiter geschult und sie beim Anlegen der Blühflächen begleitet. In vielen Gemeinden hat der ökologische Schub gefruchtet. "In diesem Jahr haben schon viele der neuen Flächen wunderschön mit Korn- und Mohnblumen geblüht. Mit der richtigen Pflege werden sich die Wiesen und Säume über die Jahre zu artenreichen blühenden Lebensinseln entwickeln", berichtet Christa Boretzki. Peter Riegg vom Landschaftspflegeverband Landkreis Eichstätt (LPV) informiert, dass der LPV den Mitgliedern, inzwischen 27 von 30 Gemeinden, über eine Kooperation geeignetes Saatgut kostenlos zur Verfügung gestellt hat: "Bisher wurde das Angebot sehr gut angenommen. Über weitere Anfragen freuen wir uns", sagt Riegg.

Der Kreisvorsitzende des Gemeindetags, Richard Mittl, will nicht nur kommunale Flächen veredeln, er will auch die Bürgerinnen und Bürger ins Boot holen. Im Rahmen des Projekts werden deswegen in den teilnehmenden Gemeinden Tütchen mit regionalem Saatgut kostenlos an die Bürgerinnen und Bürger abgegeben. Das rief vielerorts eine sehr gute Resonanz hervor.

"Die Marktgemeinde Titting startete bereits im Jahr 2018 als eine von zehn bayerischen Modellgemeinden auf dem ,Marktplatz der biologischen Vielfalt' mit der Erarbeitung einer langfristigen Biodiversitäts-Strategie", betont Tittings Bürgermeister Andreas Brigl. Ziele seien, ein nachhaltiges Bewirtschaftungskonzept für die kleinteiligen Kalkscherbenäcker mit den seltenen Ackerwildkräutern auf dem Tittinger Pfleimberg zu installieren, ein Pflegemodell zusammen mit den Landwirten für die zahlreichen Feldraine zu erarbeiten sowie in Kooperation mit allen Beteiligten einen langfristigen Management- und Rekultivierungsplan für die Steinbruchgebiete aufzustellen.

 

Im Rahmen des Biodiversitätsprojektes wurden laut Brigl bereits vor dem Volksbegehren Blüh- und Feuchtwiesen auf gemeindeeigenen Flächen angelegt, welche im Zuge des Leader-Projektes des Naturparks Altmühltal in diesem Jahr ausgeweitet wurden. Insgesamt hätten die einzelnen regionalen Biodiversitätsmaßnahmen und auch das Volksbegehren zu einem Nach- und Umdenken in der Bevölkerung geführt. Es gebe schon sehr viele gute Ansätze im Bereich des Arten- und Biotopschutzes. "Das Thema muss aber gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleiben, braucht langen Atem und manchmal auch Überzeugungskraft", so Brigl.

"Wir haben dieses Jahr im Frühjahr vier Blühflächen angelegt, aber auch schon in vorangegangenen Jahren vor dem Volksbegehren. Das Saatgut der heuer angelegten Flächen wurde vom Landschaftspflegeverband Eichstätt bereitgestellt, regionalspezifische, einheimische Arten", sagt Biologin Anne Fröhlich, Umweltbeauftragte der Gemeinde Pollenfeld. "Wir haben Infotafeln an den entsprechenden Flächen aufgestellt, denn viele Flächen brauchen Zeit sich zu entwickeln und zeigen häufig erst im zweiten oder dritten Standjahr ihre volle Pracht. Neben Neuansaaten, welche häufig kostenintensiv und in der Anfangsphase pflegeaufwendig sind, wurde die Pflege bestehender Flächen angepasst, um schon vorhandene Blühpflanzen zu fördern. "

Reduzierte Mahd und extensive Beweidung mit Ziegen und Schafen zeigten erste Ergebnisse. Auch wird vermehrter Aufwand für die Pflege bestehender alter Streuobstbestände betrieben, um schon bestehende Hotspots der Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern.

"Wir haben in Stammham mehrere Blühflächen, die meisten sind durch das Leader-Projekt ,Der Naturpark Altmühltal blüht auf' entstanden. Unsere Bauhofmitarbeiter wurden dafür extra geschult und sie pflegen die Anlagen", sagt Stammhams Bürgermeisterin Maria Weber. "Auch vor dem Volksbegehren hatte ich schon Anträge im Gemeinderat für Blühflächen gestellt. Das Leader-Projekt kam dann zur richtigen Zeit und wir konnten unser beschlossenes Vorhaben in gelenkten Bahnen umsetzen. " Zudem habe die Gemeinde Wiesenflächen, die nicht extra angesät wurden, sondern für die Biodiversität einfach länger stehen gelassen werden. "Einen sehr großen Anteil haben auch die Landwirte, die im Rahmen des Projekts ,Bayern blüht auf' Flächen zur Verfügung stellen", so Weber. "In der Bevölkerung muss ein Umdenken stattfinden. Vor allem die privaten Gärten sollten bienenfreundlicher gestaltet werden, da diese Flächen einen nicht unerheblichen Anteil ausmachen. Aber auch hier sieht man, dass viele wieder weg vom tristen, einheitsgrauen Steingarten hin zu einem bunten, blühenden, bienenfreundlichen Wohlfühlgarten gehen. "

"Im Markt Kipfenberg ist bis dato noch nicht allzu viel zu sehen", sagt der dortige Bürgermeister Christian Wagner. "Aber wir haben den Klinikpark Kipfenberg vom Landkreis Eichstätt gepachtet und heute wurden die Flächen, 2500 Quadratmeter, für die Blühwiesen hergerichtet. Die Aussaat findet Mitte September statt und wir freuen uns bereits auf das Ergebnis in der nächsten Vegetationsperiode. "

EK