Ausstellung in Neuburg

Farbexplosion zum Anfassen

Der Erdinger Künstler Martin Widl stellt im Rathausfletz aus

02.05.2022 | Stand 06.05.2022, 3:35 Uhr
Josef Heumann
Impulsiv, eruptiv, farbmächtig und rätselhaft geben sich die oft großformatig leuchtintensiven Arbeiten des Erdinger Malers Martin Widl (rechts). −Foto: Heumann

Neuburg - Eine Explosion von Farbe erwartet den Besucher bis 22. Mai in der Städtischen Galerie im Rathausfletz.

Der Erdinger Martin Widl stellt aus. "Informell" und "experimentell" nennt er seine zumeist großformatigen Arbeiten. Die gewähren - Asche, Sand und andere Materialien treten zu zumeist dick aufgetragener Acrylfarbe - auch einen haptischen Eindruck. Wo gemeinhin in jedem Museum die Alarmglocken schrillen - diesmal gilt ganz ausdrücklich: Anfassen erlaubt, im Zweifelsfall schützt eine dicke Schellackschicht.

Es sind Bilder voller eruptiver Kraft, selten leise, doch auf andere Weise sublim. Was sich nicht unverwandt einem Schüttbild zeigt, welches absichtlich den Vorgang der Prozessbildung ein Stück weit dem Zufall überlässt, beschäftigt Martin Widl gerade dieses Prozesshafte, die Schichtung, das Aufbrechen auch, das, so sagt er, für ihn stets ein Wagnis bleibt.

Experiment bedeutet für ihn Malerei, Zitat des Malers, "das Risiko anzunehmen, in neue Räume und räumliche Distanz einzudringen. " "Informell", der zweite Begriff im Ausstellungs-Titel, will sagen, dass sich Martin Widls Malerei keiner Regel und erst recht keinem Kunstdiktat unterwirft. Das Werk Emil Schumachers sei der entscheidende Impuls fürs eigene kreative Schaffen gewesen. Durchaus anders aber als bei Schumacher fehlt Widls Arbeiten so ziemlich jedes gestische, oft bis ins Lineare hinein reichende Element, gemeinsam beiden ist eine so spontan anmutende, doch sehr intellektuell vermittelte Spontaneität.

Schließlich der dritte Begriff, "großformatig", was für viele Formate Widls gilt, für Maria Breuer vom Aichacher Kunstverein, die auf der Vernissage die Einführung hielt, Herausforderung und große Freiheit zugleich. Wie sehr Widls Arbeiten eine Auseinandersetzung mit der Natur sind, so bewegen sie sich doch außerhalb realistischer Wahrnehmung, resultieren, so mutmaßt Breuer, einer "Zwiesprache mit sich selbst. " Und wie sehr wiederholt große Kunstreisen zu entscheidenden Impulsgebern für den in Kursen sich aus- und fortbildenden Autodidakten werden, so wenig konkret begegnen sie anschießend in den Arbeiten, sie dienen vielmehr als kreative Energiespender, Breuer spricht denn von "Traumlandschaften", immer wieder auf der Suche nach Ausdruck.

Kurz und gut, für den gerne den Kunstbürgermeister gebenden Johann Habermeyer begegnet in Martin Widl eine "rundum künstlerische Persönlichkeit. " Für ihn haben die Bilder einen magischen Zauber. In der Tat, wer's gegenständlich mag, bleibt wohl besser gleich daheim. Wer sich aber auf den Zauber einlassen will, ist es so wie bei jeder Zauberei: spannendes Faszinosum oder großer Bluff. Das muss dann jeder für sich entscheiden.

DK

Josef Heumann