Neuburg/Schrobenhausen

EU-Millionen für den ländlichen Raum

Leader-Region arbeitet an einer Strategie für die neue Förderperiode - Bürger sollen sich bei Befragung einbringen

18.02.2022 | Stand 22.02.2022, 3:35 Uhr
Vier von vielen: Das Wisentgehege beim Haus im Moos, das Infozentrum bei den Mauerner Höhlen, die Lebensräume in Oberhausen und die Wurfscheibenarena in Brunnen sind allesamt mit EU-Mitteln finanziert. −Foto: DK-Archiv

Neuburg/Schrobenhausen - Die Millionen aus Brüssel fließen - und das soll auch in den nächsten Jahren so bleiben. Daher feilen die Verantwortlichen der Lokalen Aktionsgruppe Altbayerisches Donaumoos längst an der Entwicklungsstrategie für die neue Periode des EU-Förderprogramms Leader.

Der Zeitplan steht, doch bis zum fertigen Antrag Mitte des Jahres muss noch viel passieren. "Wir hoffen natürlich auf einen Zuschlag", sagt Leader-Manager Klaus Rössler, der mit seinem Team bereits mitten in der Vorbereitung steckt. Denn für die neue Lokale Entwicklungsstrategie, die als Grundpfeiler für die gesamte Förderperiode dient und sämtliche Ziele der Leader-Region definiert, sind zahlreiche Schritte zu beachten. Kein Wunder: Immerhin geht es bei dem Förderprogramm um Millionen.

Leader, das ist eine Abkürzung für eine französische Bezeichnung. Auf Deutsch lässt sie sich am besten mit "Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft" übersetzen. Im Kreis Neuburg-Schrobenhausen, der gemeinsam mit dem Markt Hohenwart im Nachbarlandkreis Pfaffenhofen die Förderregion "Altbayerisches Donaumoos" bildet, sind dadurch viele Projekte möglich gewesen.

Wanderwege, Badesee und vieles mehr

Diese umfassen neben Rad- und Wanderwegen beispielsweise die Besucherplattform beim Wisentgehege im Haus im Moos, das Mehrgenerationenhaus in Klingsmoos, den Burgheimer Naturweiher und bald auch die geplante Tiny-House-Siedlung in Hütting. Rössler zufolge hat das Förderprogramm der Europäischen Union in der laufenden Periode bereits eine Wertschöpfung von gut vier Millionen Euro in der Region generiert. Mehr als die Hälfte dieser Summe sind Fördermittel. "Und ich gehe davon aus, dass wir in dieser Periode noch auf fünf Millionen Euro kommen werden", betont Rössler.

Diese stolze Summe hat auch mit der unüblichen Dauer zu tun. Denn eigentlich hätte die aktuelle Phase bereits 2020 nach den ursprünglich geplanten sechs Jahren enden sollen. Wegen der Pandemie erfolgte jedoch eine Verlängerung bis Ende dieses Jahres. Eine Folge davon sind auch die vielen Projekte, die derzeit noch laufen (siehe eigenen Bericht). Gleichzeitig sind bis Ende des Jahres weitere Anträge möglich, bis 2024 muss allerdings alles aus der laufenden Periode abgeschlossen sein.

Parallel laufen die Planungen an der neuen Förderphase, die von 2023 bis Ende 2027 dauern soll. Zu den Vorbereitungen für die hiesige Entwicklungsstrategie gehört neben einer Evaluierung und einer Expertenrunde, die alles unter die Lupe nehmen wird, auch die Meinung der Bürger - auf die Rössler und Co. besonderen Wert legen. "Anhand der Ergebnisse lassen sich weitere Schwerpunkte erkennen", erklärt der Burgheimer, der seit 2014 die Leader-Geschäftsstelle leitet. Immerhin sei bei Leader das Grundprinzip prägend, dass Entscheidungen und Ideen immer von unten nach oben erfolgen. Rössler spricht vom Bottom-up-Verfahren. Er hofft daher auf eine große Resonanz bei der Umfrage, die bereits im Internet unter www.altbayerisches-donaumoos.de ausfüllbar ist. Die Dauer: fünf bis zehn Minuten, so der Fachmann.

Resilienz und Pflege stehen im Mittelpunkt

Voraussichtlich im April oder Mai sollen alle Erkenntnisse in einen Abschlussworkshop fließen. Dabei wird Rössler zufolge die Stimmigkeit des gesamten Pakets im Fokus stehen. Gleichzeitig verschweigt er nicht, dass der Rahmen noch relativ offen ist. Klar ist bisher nur, dass die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit des ländlichen Raums, im Fokus stehen soll. Dazu passt auch ein neuer Arbeitskreis, der sich diesem Thema und der Zusammenarbeit der Kommunen widmet. Maximilian Vogl, Mitarbeiter in der Leader-Geschäftsstelle, hat sich zudem in seiner Abschlussarbeit damit befasst. Weiterer Schwerpunkt könnte in den nächsten Jahren der Pflegebereich werden. "Wir wollen hier unterstützen, vernetzen und auch moderne Techniken mit reinbringen", erklärt Rössler.

Das letzte Wort über das neue Entwicklungskonzept wird dann im Juni die Mitgliederversammlung haben. Dieser gehören die Vertreter der 19 Städte und Gemeinden der Leader-Region sowie des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen an.

Jede Menge Ideen und Projekte laufen noch

Obwohl die aktuelle Leader-Förderperiode bald vorbei ist, laufen in der Region "Altbayerisches Donaumoos" noch zahlreiche Projekte. Auf einige davon macht Leader-Manager Klaus Rössler besonders aufmerksam.

Dazu zählt vor allem die Initiative "Gelebtes Bürgerengagement". Davon sollen Vereine, Verbände und Gruppierungen profitieren, in Form einer Nach-Corona-Anschubfinanzierung für neue Projekte. Zwischen 500 und 2500 Euro sind als Zuschuss möglich; dieser kann bis zu 90 Prozent der Gesamtkosten abdecken. "Das läuft, bis das Geld aus ist", sagt Rössler.

Beim Fotowettbewerb mit dem Titel "AugenBLICKE unsere Heimat" hoffen er und sein Team auf weitere Einsendungen, auch mit Bildern von Aktivitäten. "Es ist schon viel eingegangen", so Rössler, der sich aber bisher überwiegend über Naturaufnahmen freuen kann. Bis 28. Februar können sich Hobbyfotografen an der Aktion beteiligen. Diese läuft in Kooperation mit dem Fotoclub Schrobenhausen.

"Ortskundig" heißt ein Gemeinschaftsprojekt mit den Lokalen Aktionsgruppen Pfaffenhofen, Altmühl Donau und Monheimer Alb sowie den Bistümern Augsburg und Eichstätt. Dabei geht es darum, unter www.ortskundig.de reizvolle und spannende Orte in der Umgebung zu beschreiben - und dadurch Tipps für Urlauber und Einheimische zu geben. "Das ist ein bürgergetragenes Projekt und dauerhaft", erklärt Rössler. Rund 300 Orte sind schon enthalten.

DK

Stefan Janda