Pfaffenhofen

"Es wird noch einiges auf uns zukommen"

Kleiderkammer Pfaffenhofen sammelt Geld- und Sachspenden für Flüchtlinge aus der Ukraine

08.03.2022 | Stand 13.03.2022, 3:34 Uhr
Fast fertig: Täglich können ab sofort in der Kunsthalle Pfaffenhofen Spenden für Ukraineflüchtlinge abgegeben werden. Markus Käser (von links), Tanja Eifertinger und Reinhard Kienberger bereiten die Tische für die eingehenden Hilfsmittel vor. −Foto: Diaw

Pfaffenhofen - Das Schicksal der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine schockiert derzeit weltweit und mobilisiert unzählige Helfer, auch in Pfaffenhofen.

 

Daher koordiniert die Pfaffenhofener Kleiderkammer aufgrund der großen Not der Menschen aus dem Kriegsgebiet Geld- und Sachspenden - und sammelt ab sofort in der Pfaffenhofener Kunsthalle Hilfsmittel, die dringend benötigt werden.

Die Pfaffenhofener Kinderärztin Olga Brix und ihre Mitstreiter Reinhard Kienberger, Matthias Gigl, Christian Müller und Ronny Münch haben vor Kurzem einen Hilfstransport an die polnisch-ukrainische Grenze gesteuert - und auf dem Rückweg 15 Geflüchtete mit nach Pfaffenhofen gebracht. Dabei soll es aber nicht bleiben, erzählt Kienberger. Die schrecklichen Eindrücke von der Grenzregion nehmen den Pfaffenhofener Unternehmer auch nach seiner Rückkehr immer noch sehr mit. "Daher haben wir Markus Käser mit ins Boot geholt. Wir brauchen einen Verein, der die Sammelaktion organisiert", sagt er. Das übernimmt nun die Kleiderkammer Pfaffenhofen unter Federführung der Vorsitzenden Tanja Eifertinger. Der neue Kunstverein Pfaffenhofen stellt zudem die Kunsthalle zur Verfügung. "Derzeit finden keine Ausstellungen statt - und die Halle ist groß, sauber und barrierefrei", meint Dorle Kopetzky, die beim Kunstverein für die Pressearbeit zuständig ist. Hier haben beispielsweise auch die dringend benötigten Matratzen ausreichend Platz.

Die Organisatoren betonen allerdings, dass nicht alle Sachspenden gebraucht werden, die in der Regel häufig angeliefert werden. Sie haben daher eine Bedarfsliste erstellt, die online abrufbar ist und immer wieder aktualisiert wird. "Die Menschen brauchen auf jeden Fall warme Kleidung, es ist unglaublich kalt dort", beschreibt Kienberger die Verhältnisse in Osteuropa. Viele Frauen mit Kindern und Babys sind unter den Leidtragenden, daher würden dringend Windeln und Hygieneartikel benötigt. Powerbanks zum Aufladen von Handys, aber auch Handys selbst, um mit den Angehörigen in der Ukraine in Kontakt zu bleiben, sind zudem gefragte Güter.

Aber besonders sind die Helfer auf Geldspenden angewiesen. "Wir werden einiges, was gebraucht wird, zukaufen müssen", so Käser. Dafür hat der Verein Lebendige Innenstadt Pfaffenhofen auch in den Geschäften der Innenstadt Spendenboxen aufgestellt. "Damit kaufen wir gezielt Medikamente und Lebensmittel. Und alles, was sonst noch benötigt wird", zählt Kienberger weiter auf. Die Güter würden mit dem Bus ins Grenzgebiet gebracht und in der Ukraine von lokalen Hilfsorganisationen verteilt. "Auf dem Rückweg sollen weitere Geflüchtete mit zurück nach Pfaffenhofen gebracht werden. " Kienberger betont, dass die Spenden auch für jene Ukrainer, die im Landkreis untergebracht werden, wichtig sind. Sie gehen nicht nur ins Grenzgebiet. "Nach unserer letzten Fahrt, stellten wir fest, dass viele nur noch das besaßen, was sie am Leib trugen. " Daher müsse auch hier Wechselkleidung und vieles mehr zur Verfügung gestellt werden. "Unterwäsche ist etwas, das sonst natürlich nie gespendet wird. Aber gerade solche Dinge werden jetzt dringend benötigt, wenn die Menschen hier ankommen", weiß Eifertinger.

Kienberger ist davon überzeugt, dass die Sammelaktion ein Erfolg wird. Schon jetzt sei die Resonanz überwältigend. "Es melden sich unheimlich viele, die mithelfen, spenden, dolmetschen oder fahren möchten", freut sich der Pfaffenhofener Unternehmer. Viele Hände sind gefragt. Nicht nur jetzt. Auch längerfristig. "Das ist erst der Anfang und es wird noch einiges auf uns zukommen", äußert sich Käser überzeugt.

Die Spenden müssen angenommen, Kisten gepackt und auf Englisch und Kyrillisch beschriftet werden. Um gleich Zugriff zu haben, wenn sie benötigt werden. Kienberger hat einiges gelernt: "Die Kisten dürfen nicht zu groß und schwer, müssen aber korrekt sortiert und beschriftet sein. "

Hilfsmittel und Spenden für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine können ab sofort in der Kunsthalle des Neuen Pfaffenhofener Kunstvereins am Ambergerweg abgegeben werden. Die Sammelzeiten sind bis zum 18. März an Werktagen von 17 bis 20 Uhr, am Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Benötigt werden warme Decken, Schlafsäcke, Bettwäsche, Geschirr, Baby- und Hygieneartikel, Lebensmittel mit langer Haltbarkeit, Medikamente, Verbandsmaterial, Elektronik wie Powerbanks, aufgeladene Smartphones, Taschenlampen, Batterien, aber auch Kerzen und Streichhölzer und warme Unterwäsche. Die Bedarfsliste wird ständig aktualisiert und ist online unter www. paf-spendet. de zu finden.

Besonders angewiesen sind die Helfer auf Geldspenden mit denen gezielt benötigte Ware, Medikamente und andere Dinge gekauft werden können.

Wer Geld spenden möchte, kann dies auf das Konto der Kleiderkammer bei der Sparkasse Pfaffenhofen, Iban DE80 721516500009281262 mit dem Verwendungszweck "Ukrainehilfe Pfaffenhofen" überweisen.

dws

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