Eichstätt
Erfolgreich gegen Kinderlähmung

Freude beim Rotaryclub Eichstätt-Altmühltal - Netzwerk kämpft schon lange gegen Polio

04.09.2020 | Stand 23.09.2023, 13:56 Uhr
Christian Weiß
Massenweise Schluckimpfungen vor Ort bei vielen eigenen Impftagen waren ein Garant für den Erfolg, in Afrika die Kinderlähmung auszurotten. −Foto: Rotary International

Eichstätt - Die Übertragung des wilden Poliovirus ist in allen 47 Ländern Afrikas offiziell gestoppt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 25. August bekanntgegeben hat.

Diese Nachricht war im Rotaryclub Eichstätt-Altmühltal in diesen Tagen ein echter Grund zur Freude.

Der weltweiten Ausrottung der Kinderlähmung hat Rotary nämlich seit einem Vierteljahrhundert oberste Priorität eingeräumt. Der Eichstätter Club beteiligte sich deshalb auch regelmäßig mit finanziellen Sonderbeiträgen am Programm "Polio Plus". Nach diesem Erfolg in Afrika sind nun fünf der sechs Regionen der Weltgesundheitsorganisation, in denen über 90 Prozent der Weltbevölkerung leben, jetzt frei von Kinderlähmung. In Afghanistan und Pakistan, der WHO-Region "Östliches Mittelmeer", ist die durch das Wildvirus verursachte Polio jedoch weiterhin häufig anzutreffen.

Die Tatsache, dass in Afrika nunmehr keine Polio mehr nachgewiesen werden kann, steht in krassem Gegensatz zur Situation im Jahr 1996, als dort 75000 Kinder von der Krankheit gelähmt wurden. Rotary, seine GPEI-Partner (Global Polio Eradication Initiative) und der südafrikanische Präsident Nelson Mandela starteten deshalb 1996 die Kampagne "Kick Polio Out of Afrika". Rotary-Mitglieder haben fast 890 Millionen Dollar zur Ausrottung der Kinderlähmung in der nach WHO-Einteilung "Afrikanischen Region", die den größten Teil des Kontinents umfasst, gespendet.

Die Spenden wurden in Rotary-PolioPlus-Grants investiert zur Finanzierung von Polio-Überwachungsmaßnahmen, Logistik, Aufklärungskampagnen und nationalen Impftagen. Über 9 Milliarden Schluckimpfungen wurden zur Verfügung gestellt, wodurch schätzungsweise 1,8 Millionen Lähmungsfälle in der ganzen Region verhindert werden konnten.

Außerdem wurden zusätzliche Hilfsmittel wie Seife und Gesundheitskits bereitgestellt, um Polio zu besiegen. Einen entscheidenden Erfolg hatten Gesundheitsfachkräfte, die von Dorf zu Dorf und von Tür zu Tür gingen, um Kinder mehrfach zu impfen und die örtlichen Gemeinschaften gesundheitlich zu beraten und zu unterstützen.

Noch 2012 entfielen die Hälfte aller weltweit registrierten Fälle von Polio-Wildvirus allein auf Nigeria. Durch harte Arbeit, weitere Innovationen und die Sicherstellung, dass kein Kind übersehen wird, haben Nigeria und die gesamte Afrikanische Region nun Polio besiegt.

Holger Knaak, derzeit deutscher Weltpräsident von Rotary, verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Rotarier zum Aufbau einer umfassenden Polio-Infrastruktur beigetragen haben, die auch für die Bekämpfung von Covid-19, des Ebola-Ausbruchs im Jahr 2014 sowie zum Schutz der Gemeinden vor Gelbfieber und Vogelgrippe genutzt wurde. Die Herausforderung der "Global Polio Eradication Initiative" besteht nun in der Ausrottung von Polio in den Ländern Afghanistan und Pakistan, in denen die Krankheit bisher nie gestoppt werden konnte.

Darüber hinaus muss die routinemäßige Durchimpfung in Afrika verstärkt werden. "Dies ist ein großer Schritt auf unserem Weg zu einer Welt ohne Polio. Aber der Kampf ist noch nicht zu Ende", sagt Präsident Knaack. "Wir brauchen weiterhin die Unterstützung unserer Mitglieder, Spender und Helfer-Helden aus dem Gesundheitswesen, um die Aufgabe zu Ende zu führen. "

Im Internet unter endpolio. org/de sind weitere Infos erhältlich, dort können auch alle spenden.

EK

Christian Weiß