Pfaffenhofen

Entwicklungshilfe in Coronazeiten

Die Philippinen kämpfen zusätzlich zur Pandemie mit Naturkatastrophen - Verein Maninoy unterstützt

18.03.2021 | Stand 22.03.2021, 3:33 Uhr
Clarita Dietrich (oben links) vom Pfaffenhofener Verein Maninoy reiste in November nach Manila um weitere Corona-Hilfsaktionen zu koordinieren. Der Taifun Vamco, der zuvor gewütet hatte, setzte viele Stadtteile unter Wasser und ließ die Pandemie erst einmal in den Hintergrund rücken. −Foto: Privat

Pfaffenhofen - Der Pfaffenhofener Mario Dietrich leistet seit 19 Jahren Entwicklungshilfe auf den Philippinen. 2008 gründete er in Pfaffenhofen den gemeinnützigen Verein Maninoy. Auf vier philippinischen Inseln und in der 23 Millionen Einwohner zählenden Metropole Manila unterstützt Maninoy Wiederaufforstungen von Bergregenwäldern, renoviert Partnerschulen, hilft nach Naturkatastrophen, veranstaltet Zirkusprojekte und fördert die Schulausbildung von fast 70 Kindern und Jugendlichen. Allein 25 Paten aus dem Landkreis Pfaffenhofen unterstützen ein Patenkind aus dem tropischen Land und sorgen dafür, dass es in die Schule gehen kann. Der Eine-Welt-Laden Pfaffenhofen und die Montessori-Schule in Pfaffenhofen waren von Anfang an dabei und greifen Maninoy seither unter die Arme.

Das erst vor wenigen Jahren ins Leben gerufene Projekt der Schulpartnerschaften, bei dem mittlerweile 19 Schulen in verschiedenen Landesteilen unterstützt werden, sollte im vergangenen Jahr besondere Aufmerksamkeit erhalten, erzählt Dietrich. Marode Dächer und kaputte Schulbänke sollten repariert werden, denn für Maninoy und dessen Initiator ist klar: "Durch Bildung haben Menschen aus armen Ländern die größte Chance auf ein besseres Leben. Voraussetzung dafür ist aber eine gute Bildungsinfrastruktur und Bildungsqualität. Genau hier setzen die Schulpartnerschaften an."

Seit April 2020, so der Pfaffenhofener, liegt das Projekt aber auf Eis. Die Coronapandemie hat auch vor den Philippinen nicht Halt gemacht - und so mussten die Schulen vergangenen Frühling geschlossen werden. Am Homeschooling können die Schüler erst seit Herbst teilnehmen, so Dietrich. Dies läuft auf den Philippinen zwar online, für einen ordentlichen Unterricht braucht es aber ein Notebook oder zumindest ein Tablet. "Da die meisten Schüler aus armen Familien höchstens ein Smartphone besitzen, kann der Unterricht nur über den kleinen Bildschirm übertragen werden", erklärt der Vereinsvorsitzende. "Erschwerend kommt hinzu, dass sich ärmere Familien keine gute Internetverbindung leisten können." Regelmäßig sei diese überlastet, breche zusammen und beende den Unterricht vorübergehend. "Das ist sehr anstrengend für die Kinder", schildert Dietrich. Arme Familien sind auf den Philippinen meistens sehr groß und leben auf engstem Raum. Die Kinder haben daher kein eigenes Zimmer, in dem sie dem Unterricht in Ruhe folgen können, so Dietrich weiter. "In ihrer Not suchen sie sich irgendeine Ecke in ihrer einfachen Hütte oder setzen sich auf die Stufen an der Haustür", erklärt Dietrich weiter. Dort versuchen sie, dem Unterricht zu folgen und sich nicht von vorbeifahrenden Motorrädern oder Bussen stören zu lassen. Unter diesen Bedingungen ist es quasi unmöglich, wirklich zu lernen. Die Kinder werden ständig abgelenkt, selbst wenn sie sich konzentrieren wollen, ist das äußerst schwierig.

Dietrich berichtet, dass viele Filipinos, die im Tourismus, in der Gastronomie, im Transportwesen oder in Betrieben, die diese Branchen beliefern, gearbeitet haben, seit Monaten arbeitslos sind. Staatliche Unterstützung gibt es so gut wie keine und die Rücklagen der Menschen sind schon längst aufgebraucht. Familien, die vom Einkommen der Eltern leben konnten und für die Kinder, bei denen der Schulbesuch möglich war, haben alles verloren und fangen von ganz unten an. "Anstatt am Online-Unterricht teilzunehmen, müssen die Kinder sich am Broterwerb beteiligen und helfen, dass die Familie durchkommt", schildert der Vorsitzende die dramatische Lage.

Maninoy hat vor einem Jahr begonnen, Hilfsaktionen für diese Familien durchzuführen und den Bedürftigsten mit Nahrungspaketen unter die Arme zu greifen. In acht Aktionen wurden mittlerweile über 700 Familien erreicht. Aber nicht nur Corona macht es den Menschen auf den Philippinen schwer, so Dietrich. Regelmäßig werden die Inseln von Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder Taifunen heimgesucht. Erst im November erreichte der schwere Taifun Vamco auch die Medien in Deutschland. "Mit über 200 km/h fegte er über die Hauptstadt Manila und setzte weite Landstriche unter Wasser", sagt Dietrich.

Genau zu diesem Zeitpunkt reiste seine Ehefrau Clarita auf die Philippinen, um weitere Corona-Hilfsaktionen zu koordinieren. Durch die katastrophale Situation, die der Taifun hinterlassen hatte, trat Corona dort aber erst einmal in den Hintergrund. Clarita Dietrich organisierte im November und Dezember drei Hilfslieferungen und brachte Nahrungsmittelpakete in die überschwemmten Stadtteile zu den Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten. Mittlerweile ist sie wieder nach Deutschland zu ihrer Familie zurückgekehrt und plant schon die nächste Hilfsaktion.

Diesmal sollen arbeitslosen Bauern in der Bergregion der Insel Negros geholfen werden. Die Familien sollen entwaldete Berghänge mit Mahagoni und Obstbäumen bepflanzen. Mango, Sternfruchtbäume, Kakao und Kaffee. Die Erträge aus der Ernte verschafft den Menschen ein zusätzliches Einkommen und schützt gleichzeitig ihre Umwelt.

Die Dietrichs freuen sich über Spenden oder über Bürger, die eine Patenschaft für ein philippinisches Kind übernehmen möchte. Informationen dazu gibt es auf der Webseite www.maninoy.de oder man schreibt einfach eine E-Mail an Mario Dietrich unter mani noy@email.de.

PK