Ingolstadt
Entschleunigung in der Exerzierhalle

Beim Kunstmarkt "Licht im Dunkeln" zeigt der Circus Curioso Ausschnitte seines Programms "Zeit"

27.10.2019 | Stand 02.12.2020, 12:45 Uhr |
Erst die Show vom Circus Curioso, dann Upcycling: Aus alten Hüten formt Kunsthandwerkerin Petra Kunath schicke Huttaschen. −Foto: Eberl

Ingolstadt (DK) Kunsthandwerk vom Gefilzten über Grußkarten und Alpakaprodukten bis hin zu Gewürzmühlen und Aquarellen sowie als Schmankerl obendrauf ein Auszug aus dem Programm "Zeit" des Circus Curioso: All das gab es beim laut Veranstalter Sigi Gloeckl "etwas anderen Kunstmarkt" mit dem Titel "Licht im Dunkeln" am Wochenende in der Exerzierhalle im Klenzepark zu bestaunen.

Maria Bücherl und Ulrike Gentner lassen sich "inspirieren und motivieren", wie sie sagen, während sie an Duftseifen riechen. Und während Gentner meint, die "Sinne werden angeregt", ergänzt Bücherl: "Man entdeckt einfach was. " So hätten sie beispielsweise die Filzarbeiten sehr angesprochen. Die beiden Frauen verhehlen aber auch nicht, dass sie auch auf den Circus Curioso gespannt seien.

Der gibt am Samstag zweimal eine etwa 20-minütige Kostprobe seines Programms "Zeit", das die mit Profis verstärkte Laientheatergruppe vom 14. bis 17. November im Kulturzentrum Halle 9 am Hauptbahnhof viermal spielt.

Für diese Zeit wird es in der Exerzierhalle ganz dunkel. Nach und nach gehen die bereits an die Weihnachtszeit erinnernden Lichterketten an den Ständen aus. Die Darsteller des Circus sind lediglich in blaues Licht getaucht - und erstrahlen selbst in dem Licht, das ihre prunkvollen, selbst entworfenen Kostüme von sich geben.

"Entschleunigung" ist angesagt, begründet der Initiator und Chef des Circus, Giuseppe Cota, die langsamen und fließenden Bewegungen der Darsteller, darunter auch Anna Winter, die "Meisterin der Lüfte", am Vertikaltuch. Denn mit viel "Zeit" soll in dem Stück der Hektik, dem Bösen, also der "Unzeit", der Garaus gemacht werden, wie Max Foerster, an diesem Abend Moderator, aber sonst in der Rolle der "Unzeit", erläutert.

Vielleicht passten die Ausschnitte aus "Zeit" gerade deshalb so gut in den Kunstmarkt, weil man sich auch dafür Zeit nehmen - also entschleunigen - sollte, um dessen Motto "Kommen - Sehen - Staunen" (vor allem letzteres) auch verinnerlichen zu können. So zeigt etwa Anja Schachtner aus Mailing, was sich aus alten Büchern, von denen sie irgendwann zu viele zu Hause hatte, alles machen lässt. "Kirimoto" nennt sie ihre Schneidekunst. Der Name kommt aber nicht aus Japan, wie sich vielleicht vermuten lässt, sondern ist eine Wortschöpfung von Schachtner, die sie sich hat patentieren lassen. Mit "Kirimoto" schneidet sie etwa Namen in Bücher oder auch ganze Gesichter wie das von König Ludwig II. Und weil sie sich auch von den jeweiligen Buchtiteln inspirieren lässt, ist in das Buch "Auf Pirsch" ein Hirsch geschnitten.

Petra Kunath aus Friedberg bei Augsburg wiederum, die seit über 30 Jahren Trachten sammelt, hat nicht nur Accessoires für die Tracht wie etwa Scharivaris im Angebot, sondern macht Upcycling mit alten Hüten. Aus ihnen formt sie Huttaschen, eine Erfindung, auf die sie seit gut fünf Jahren ein Patent hat.

Und Ulrike Hagedorn-Hubert aus Dachau bietet unter anderem mit Glückskäfern bemalte und mit positiven Aussagen beschriftete Steine an. Das ist für die junge Frau, bei der als Kind Leukämie diagnostiziert wurde und die nach eigener Aussage dem Tod dreimal von der Schippe gesprungen ist, nicht nur eine Einnahmequelle, sondern sie will damit auch anderen Menschen Mut machen in schwierigen Situationen.

Neben diesen drei Ausstellern zeigten aber noch rund 40 andere eine breite Palette an kunsthandwerklichen Gegenständen, sodass die Premiere von "Licht im Dunkeln" durchaus als Erfolg bezeichnet werden kann.

Apropos Premiere: Bei der ersten Vorstellung von "Zeit" des Circus Curioso am Donnerstag, 14. November, in der Halle 9 wird die Künstlerin Laura Alvarez Keller aus Barcelona während der Show Livebilder malen. Der Erlös aus deren Verkauf wird dann wie auch zwei Euro von jeder für die Premierenvorstellung verkauften Karte an das Elisabeth-Hospiz Ingolstadt gespendet.

Karten für "Zeit" gibt es unter www. circus-curioso. de, beim DONAUKURIER-Ticketservice und bei den CTS-Vorverkaufsstellen.