Kinding

Energiebündel nimmt Fahrt auf

17.05.2011 | Stand 03.12.2020, 2:49 Uhr

Diskutierten über die Möglichkeiten und Chancen einer Energieerzeugung vor Ort (von links): Rita Böhm (Bürgermeisterin von Kinding), Werner Emmer ( Energiebündel Roth-Schwacbach); Wolfgang Brandl (Stadtwerke Eichstätt), Diskussionleiter Johann Beck (Bund Naturschutz), Anton Knapp (Landrat von Eichstätt) und Richard Mittl (Bürgermeister von Mörnsheim). - Foto: hr

Kinding (DK) Das Interesse war riesig. Zu der Informationsveranstaltung des "Energiebündel" waren am Montagabend mehr als 100 Interessierte nach Kinding gekommen. Und ein erster Schritt wurde auch bereits getan: Am 9. Juni soll ein Verein gegründet werden.

"Der 16. Mai und Kinding könnten markante Daten für den Landkreis Eichstätt werden," erklärte Johann Beck, Vorsitzender der Kreisgruppe Eichstätt des Bund Naturschutz (BN), zu Beginn der knapp zweistündigen Diskussionsveranstaltung, die ein Kreis von Idealisten unter Leitung von Hans-Ulrich Dickmann initiiert hatte. "Ehrgeizig, aber erreichbar" nannte Beck das Ziel, das sich das Energiebündel gesetzt habe: Bis 2031 soll der Landkreis Eichstätt seine Energie selbst erzeugen können. Nicht der Landkreis als Gebietskörperschaft, so Beck weiter, sondern alle seine Bürgerinnen und Bürger, seine Kommunen, seine Firmen, Verbände und Institutionen sollen an diesem Ziel mitwirken.

Dabei sei der Kreis, seien die Kommunen schon jetzt kein "Weißer Fleck", was die Erzeugung und Versorgung von und mit regenerativen Energien betreffe. Es gelte, so Beck, "das Tempo des Ausbaus zu erhöhen". Eines aber, so Beck, dürfe bei allen Ideen zum Ausbau nicht vergessen werden: das Energiesparen.

Dass in vielen Kommunen bereits gehandelt werde, zeigten die Redebeiträge von Landrat Anton Knapp (energetische Sanierung der Landratsamtsgebäude, Kooperation zwischen Uni, Kirche, Stadtwerke und Landkreis beim Biomasseheizwerk, Photovoltaik auf kreiseigenen Einrichtungen), Stadtwerkechef Wolfgang Brandl (Photovoltaik, Biomasseheizwerk, Beheizung des Freibads, Wasserkraft) oder von Mörnsheims Bürgermeister und stellvertretendem Vorsitzenden des Bayerischen Gemeindetags im Kreis, Richard Mittl (Photovoltaik, Windkraft, Bürgerenergiegesellschaft und Bürgerkraftwerk Mörnsheim). Sie alle zeigten sich zudem sehr aufgeschlossen den neuen Ideen gegenüber.

Denn, so brachte es Eichstätts Stadtwerkechef Wolfgang Brandl auf den Punkt: "Die Energiewende und der Ausstieg aus der Atomkraft sind nach Fukushima unumkehrbar." Diese "fundamentalistische Wende" , so Brandl, eröffne "neue Möglichkeiten" für die Stadtwerke und für die Energieerzeugung, die Energieeffizienz und die Netze. "Regionale und kommunale Initiativen werden an Bedeutung gewinnen", prophezeite der Eichstätter, dessen Stadtwerke – ebenso wie die Gemeinde Kipfenberg – als einziger kommunaler Versorger im Kreis noch ein Stromnetz besitzt.

Landrat Knapp mahnte, dass es im Bestreben, die "Energieversorgung so dezentral wie nur möglich zu gestalten", darum gehen müsse, die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot zu holen. Sie müssten in eigene oder Gemeinschaftsanlagen investieren und im Landkreis oder in ihrer Gemeinde verlässliche Partner finden. Er jedenfalls, so Knapp, freue sich auf ein "reelles Zusammenarbeiten aller Kräfte unter einem Dach des Energiebündels".

Auch Brandl und Beck wiesen auf "verlässliche Rahmenbedingungen" hin, die seitens der Politik geschaffen werden müssten. Nur dann seien Bürger ebenso wie Institutionen oder Unternehmen bereit, in erneuerbare Energien zu investieren.

Zuvor hatten Werner Emmer und Hermann Lorenz vom Energiebündel Roth-Schwabach die Strategie ihres dort vor gut einem Jahr gegründeten Energiebündels vorgestellt, das zwischenzeitlich auf einer breiten, von allen politischen und gesellschaftlichen Kräften gemeinsam getragenen Basis steht. Sinn des Energiebündels sei es, ein Netzwerk aufzubauen, zu informieren, beratend tätig zu sein und Ideen zu entwickeln. Wichtig sei, bei allen Bestrebungen betriebswirtschaftliche Aspekte nicht aus den Augen zu lassen. Die bisherigen Aktivitäten in den Kommunen und im privaten Bereich sollten als "Humus" für einen Ausbau der erneuerbaren Energien genutzt werden, so Emmer.

Dass Energieerzeugung vor Ort möglich sei, davon zeigte er sich überzeugt: "Wir als Bürger können die für eine Energiewende benötigte Finanzkraft stemmen." Denn: Allein im Landkreis Roth-Schwabach zahle jeder Bürger vom Baby bis zum Greis im Schnitt 1100 Euro im Jahr für den Einkauf von Energie.