Hilpoltstein

Endstation gegen Timo Boll

Hilpoltsteiner Trio geht bei deutschen Tischtennis-Meisterschaften leer aus Dickhardt scheitert am späteren Champion

05.03.2017 | Stand 02.12.2020, 18:33 Uhr

Faire Gratulation an Deutschlands Tischtennis-Ikone: Hilpoltsteins Dennis Dickhardt ist gegen Timo Boll im Viertelfinale ohne jede Chance und unterliegt 0:4. Der 29-jährige Pilot kann trotzdem zufrieden mit seinem Turnier sein. Alexander Flemming (rechts) scheidet dagegen bereits in der ersten Runde aus, Nico Christ schafft es immerhin bis ins Achtelfinale. - Fotos: Thomas

Hilpoltstein (HK) Das Hilpoltsteiner Trio ist bei der 85. Auflage der deutschen Tischtennis-Meisterschaften lediglich schmückendes Beiwerk gewesen. Erstmals seit Jahren gingen Alexander Flemming, Nico Christ und Dennis Dickhardt bei den nationalen Titelkämpfen gar komplett leer aus.

Für die Glanzpunkte des Turniers sorgten Kristin Silbereisen und Timo Boll, der seinen nationalen Rekord auf nunmehr elf Einzelerfolge ausbaute. Natürlich stellten die Stars alle in den Schatten, nicht zuletzt die drei Akteure des Zweitligisten TV Hilpoltstein. Dennoch gehören auch Alexander Flemming, Nico Christ und Dennis Dickhardt längst zum Inventar deutscher Tischtennis-Meisterschaften.

Ganz sicher zählen die Schwarz-Gelben in Deutschland nicht zur ersten Reihe und die Chancen, auf das Treppchen zu kommen, schienen angesichts des hochkarätigen Feldes überschaubar: Doch dann hagelte es Absagen: Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken), Bastian Steger (SV Werder Bremen), Titelverteidiger Patrick Baum, vor allem aber Dimitrij Ovtcharov (aktuelle Nummer 6 der Weltrangliste) zogen zurück. So waren neben Timo Boll (Nummer 12) mit Ruwen Filus, Steffen Mengel, Benedikt Duda und Ricardo Walther nur noch wenige Akteure aus der nationalen Elite am Start. Bei den Frauen wurden mit Petrissa Solja, Sabine Winter und Abwehr-Ass Han Ying drei prominente Zugpferde schmerzlich vermisst.

Damit setzte sich in Bamberg ein unerfreulicher Trend fort: Starke Felder sind bei nationalen Titelkämpfen keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eher die Ausnahme. Das mag auch die überschaubare Publikumsresonanz erklären. Es gab nämlich beträchtliche Lücken in der Bamberger brose Arena. Dabei hatten die Verantwortlichen im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt und in der Halbzeitpause des Basketball-Bundesligamatches Brose Bamberg gegen die MHP Riesen Ludwigsburg unter dem Motto "Tischtennis meets Basketball" einen Schaukampf inszeniert. Freilich lockte am Sonntag im nahen Fürth, wo sich im ewigen Derby das "Kleeblatt" und der "Ruhmreiche" zum 262. Mal gegenüber standen, auch eine schier übermächtige Konkurrenz-Veranstaltung.

Doch an derartige Begleitumstände verschwendet Alexander Flemming normalerweise keine Gedanken. Das Hilpoltsteiner Aushängeschild - an Position sechs gesetzt - hatte sich akribisch auf das Turnier vorbereitet und wollte in die sich auf tuende Lücke stoßen. Doch es lief einfach nichts zusammen. Bereits im ersten Einzel musste Flemming die Segel streichen. Beim 0:4 gegen den Kölner Gianluca Walther wurde er unsanft aus allen Medaillenträumen gerissen.

Das war's, denn zuvor hatte er bereits im Doppel eine bittere Erstrunden-Niederlage kassiert. Ein Wettbewerb, in dem Flemming mit seinem langjährigen Partner Jörg Schlichter (TTC Zugbrücke Grenzau) schon ganz oben stand, ebenso wie Mannschaftskollege Nico Christ mit Bastian Steger. Dieses Mal wollten es die beiden Hilpoltsteiner gemeinsam versuchen. Doch der "Partnertausch" brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Was im Verein schon seit geraumer Zeit nicht mehr funktioniert, setzte sich auch in Bamberg fort. Das Hilpoltsteiner Duo unterlag direkt in seinem ersten Spiel gegen Hermann Mühlbach und Erik Schreyer mit 2:3.

Christ machte es wenigstens im Einzel besser, wo er immerhin eine Runde überstand (4:2 gegen Fan Bo Meng) und sich erst Bergneustadts Benedikt Duda beugen musste. Am weitesten kam Dennis Dickhardt. Für den Piloten begann das Turnier bereits am Freitag mit den Gruppenspielen der Einzel-Qualifikation. Und das recht erfolgreich. Mit drei Siegen navigierte er locker ins Hauptfeld. Dort setzte er sich völlig überraschend sogar mit 4:2 gegen den Saarbücker Jungnationalspieler Dennis Klein durch. Endstation war im Viertelfinale ein gewisser Timo Boll. Gegen Deutschlands Ausnahmespieler hatte er nicht den Hauch einer Chance und unterlag glatt mit 0:4. Es war Dickhardts erste Pflichtspielniederlage überhaupt in diesem Jahr. Boll dagegen unterstrich auch danach seine Ausnahmestellung bei diesem Turnier: Er schaltete auch Ricardo Walther (4:1) und Ruwen Filus (4:0) aus und machte damit seinen elften Titel perfekt.