Nürnberg

Endlich mal Grund zum Feiern

SPD-Chef Gabriel gratuliert den Nürnberger Sozialdemokraten zum 150-jährigen Bestehen

26.09.2016 | Stand 02.12.2020, 19:15 Uhr

Genossen feiern Geburtstag: SPD-Chef Sigmar Gabriel mit seinen Nürnberger Parteifreunden Thorsten Brehm und Ulrich Maly (von links) beim Festakt. - Foto: Pelke

Nürnberg (DK) Bescheiden sind sie in Nürnberg. Da macht die SPD keine Ausnahme. Die Franken haben Understatement wahrscheinlich im Blut. Dabei könnten sich die Nürnberger Sozis selbstbewusst auf die Schulter klopfen. Seit dem Krieg hat die SPD in der alten Arbeitsstadt fast immer den Oberbürgermeister gestellt. Nur ein einziges Mal konnte die CSU den wichtigsten Posten in der Stadt ergattern. Nach einer Amtszeit vertrieb Ulrich Maly den Konservativen 2002 allerdings schon wieder aus dem Rathaus.

Gestern kam SPD-Chef Sigmar Gabriel nach Nürnberg, um den dortigen Genossen zum 150-jährigen Bestehen zu gratulieren. Die Sozialdemokraten in der Frankenmetropole könnten stolz auf ihre langjährige Geschichte sein und daher selbstbewusst in die Zukunft blicken, sagte er in seiner Festrede. Die SPD in Nürnberg habe sich seit ihren Anfängen vom Rand der Gesellschaft bis in die heutige Mitte bewegt. In Franken hätte die SPD schnell begriffen, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Errungenschaften keine Gegensätze seien. "Wir brauchen ökonomischen Erfolg für sozialen Fortschritt", sagte Gabriel.

Von Erfolgen wie in Nürnberg kann der SPD-Chef und Vize-Kanzler nur träumen. Zuletzt kamen die fränkischen Sozialdemokraten mit Maly an der Spitze auf satte 68 Prozent. Seitdem Maly den ersten und letzten CSU-OB in der Frankenmetropole aus dem Rathaus gefegt hat, ist dem promovierten Volkswirt mit der Igelfrisur das Kunststück gelungen, bei jeder Wahl das Ergebnis zu verbessern. "Obwohl wir mit einer ganz jungen Mannschaft angetreten sind", betont der neue Nürnberger SPD-Vorsitzende, Thorsten Brehm, der selbst erst 32 Jahre alt ist. In der Rathausfraktion gibt es seit der letzten Wahl 14 neue Mitglieder. Die Mehrheit der 31 SPD-Ratsmitglieder sind Frauen. Besonders die Verjüngungskur hätten die Wähler in der Frankenmetropole honoriert, ist sich Brehm sicher.

Eine Volkspartei sei die SPD in Nürnberg allerdings nur noch bedingt. Die fränkischen Genossen kämpfen seit Jahren mit einem Mitgliederschwund. Rund 2500 Mitglieder habe die Partei im Stadtgebiet noch. Nicht die Austritte, sondern die vielen Sterbefälle seien für den Mitgliederrückgang verantwortlich. Das sagt viel über den Altersaufbau der Partei aus.

Nach seinem fulminanten Ergebnis bei der letzten Wahl haben manche Maly bereits in Berlin oder München gesehen. Maly winkte ab, bevor die Rufe aus den eigenen Reihen zu laut wurden. Maly ist ein Berufspolitiker par excellence. Der 56-Jährige stammt aus einem eingefleischten SPD-Haushalt. Nach seiner Dissertation zum Thema "Wirtschaft und Umwelt in der Stadtentwicklungspolitik" wurde er erst SPD-Geschäftsführer und später als Kämmerer berufsmäßiges SPD-Ratsmitglied in seiner Heimatstadt.

Das wichtigste Aushängeschild der fränkischen Genossen ist der amtierende Oberbürgermeister im Jahr des 150. Geburtstages trotzdem, sagt Brehm. Malys Vision für die Stadt sei der gesellschaftliche Zusammenhalt. Dass die Frankenmetropole, die knapp 10 000 Flüchtlinge aufgenommen hat, nicht auseinandertreibt. Mit einem großen Befreiungsschlag ist dieses Ziel nicht zu erreichen. Dafür fehlt in erster Linie das Geld. Auch wenn zuletzt die Steuereinnahmen wieder gestiegen sind, werden die Aufgaben nicht kleiner. Die Arbeitslosenquote ist mit knapp sieben Prozent im bayernweiten Vergleich relativ hoch. Die SPD will den Spagat schaffen, in Zukunft zu investieren, ohne das Soziale zu vernachlässigen.

Zum runden Geburtstag sind die Genossen optimistisch, dass dies mit Blick auf die lange Geschichte der Partei gelingen kann. "Die Nürnberger SPD hat sich schon immer durch ihre Erneuerungs- und Integrationskraft ausgezeichnet", sagt Brehm. Die Berliner Sparpolitik mit dem Ziel eines ausgeglichenen Haushalts mache diese Aufgabe für die Partei in Nürnberg nicht einfacher. Auch deshalb, sagt Brehm, sei er aufgeschlossen gegenüber einem rot-rot-grünen Bündnis an der Spree. Natürlich mit einem SPD-Kanzler an der Spitze. Der könnte am Ende vielleicht Gabriel heißen.