Ingolstadt
Einträgliche Beutezüge

Landgericht beleuchtet eine Ingolstädter Einbruchsserie – 36-Jähriger gesteht Beteiligung

08.07.2015 | Stand 02.12.2020, 21:05 Uhr |
Symbolbild Gericht −Foto: Sebastian Schanz

Ingolstadt (DK) Einbruchsserien gab es in der Stadt schon zur Genüge. Seit gestern steht ein 36-Jähriger vor dem Landgericht, der die Beteiligung an 14 einschlägigen Delikten und an mehreren EC-Karten-Betrügereien aus den Jahren 2013 und 2014 zugegeben hat.

Dem Mann drohen bis zu fünf Jahre Haft. Als das Verfahren gestern vor der 5. Strafkammer eröffnet wurde, sah es noch nach einem Indizienprozess aus: Etliche belastende Sachverhalte fanden sich in den Akten der Ermittler, viele Beutestücke aus den Einbrüchen waren beim Angeklagten sichergestellt worden. Doch ein Geständnis fehlte. Wenn sich die Richter bei der Beweisaufnahme mühsam Fall für Fall vorgearbeitet hätten, wäre womöglich genug hängengeblieben, um den mehrfach vorbestraften Mann (er hat bereits mehrere Jahre im Gefängnis verbracht) erneut bis zu acht Jahre hinter Gitter zu bringen.

Das muss ihm sein Anwalt wohl bei einigen längeren Beratungsgesprächen auf dem Gerichtsflur beigebracht haben, denn der in Ingolstadt aufgewachsene Migrant ließ sich schließlich auf einen Deal mit dem Gericht ein: In einer Absprache nach der Strafprozessordnung wurde dem Angeklagten eine Gefängnisstrafe von viereinhalb bis fünf Jahren für den Fall eines umfänglichen Geständnisses in Aussicht gestellt. Daraufhin hat er eine Beteiligung an den Einbrüchen eingeräumt. Für eine Reihe von EC-Karten-Abbuchungen will er alleine verantwortlich sein. Die Vereinbarung gilt aber nur für den Fall, dass die (nun verkürzte) Beweisaufnahme keine zusätzlichen belastenden Fakten an den Tag bringt. Das war zumindest gestern auch nicht der Fall.

Die Kammer hörte einige Ingolstädter an, in deren Häuser oder Wohnungen seinerzeit eingebrochen worden war. Viele hatten bei Entdeckung der Tat den Schock ihres Lebens bekommen. Staatsanwalt Michael Hauber fragte speziell auch in diese Richtung nach, um dem Angeklagten die Dimension der Vorfälle klarzumachen: Bekanntlich sind die psychologischen Langzeitwirkungen, unter denen viele Einbruchsopfer leiden, nicht zu vernachlässigen. Oft wirken Ängste noch lange nach.

Doch auch rein materiell ist der Schaden bei den angeklagten Fällen beträchtlich. Die Staatsanwaltschaft kommt auf eine Gesamtsumme von 113 000 Euro bei den Einbrüchen und auf nochmals 9000 Euro bei einer gesondert angeklagten EC-Karten-Betrugsserie. Bei der hatte der 36-Jährige – das hat er ja nun zugegeben – mit einer bei einer Patientin des Ingolstädter Klinikums gestohlenen Geldkarte Ende 2013 nach und nach Einzelbeträge von 500 oder 1000 Euro abgehoben. Das Bargeld soll vor allem für seine Spiel- und Wettleidenschaft draufgegangen sein. Allerdings will der ungelernte Mann (er hatte einst eine Automechanikerlehre abgebrochen) auch Unterhaltszahlungen davon bestritten haben.

Seine Beteiligung an den Einbrüchen hat nach Darstellung seines Anwalts so ausgesehen: Er habe nach Verbüßung seiner letzten Haftstrafe keinen Anschluss an seine junge Familie gefunden und auch finanzielle Probleme bekommen. Dann sei er mit einem Bulgaren in Kontakt gekommen, der Einbrüche in Ingolstadt geplant habe. Er habe diesem Mann, dessen Identität er nicht verraten will, dann bei den jetzt angeklagten Taten geholfen, indem er ihm sein Smartphone für die Ausspionierung von Objekten (per Navigationssystem und Kamera) zur Verfügung gestellt, Schmiere gestanden und auch Beutestücke daheim in seinem Keller gehortet habe.

Tatsächlich waren etliche Schmuckstücke, die den Wohnungseigentümern und Hausbesitzern gestohlen worden waren, in diesem Keller gefunden worden. Auch lagerten dort Schlüssel zu einigen der Häuser. Die Täter waren so perfide gewesen, die Objekte teils einige Zeit nach ihrem ersten Einbruch mit den gestohlenen Schlüsseln nochmals aufzusuchen und erst dann richtig Beute zu machen.

Leicht hatten es die Einbrecher auch mit einigen erbeuteten Kontokarten gehabt. So hatten sich die zugehörigen PIN-Nummern in einigen Fällen aus aufgefundenen Notizen oder Aktenblättern der Eigentümer ergeben. Die Täter konnten sich dann entsprechend einfach an Geldautomaten bedienen. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.