Riedenburg

Eine Ausnahmegemeinde in vielen Bereichen

Bürgerliste besichtigt die ökologische Vorzeigekommune Furth bei Landshut

25.11.2012 | Stand 03.12.2020, 0:47 Uhr

Dem grünen Bürgermeister von Furth, Dieter Gewies (4.v.l.) hat die Bürgerliste der Großgemeinde Riedenburg einen Besuch abgestattet. Er führte sie durch die ökologische Vorzeigegemeinde. - Foto: privat

Riedenburg (DK) Nach Furth bei Landshut führte eine Informationstour der Bürgerliste Riedenburg (BGR). Furth ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmegemeinde. Die 3400-Seelen-Kommune ist die erste Modellgemeinde der Europäischen Kommission für erneuerbare Energien und die wohl am öftesten ausgezeichnete Gemeinde Bayerns für nachhaltige Entwicklung.

Impuls- und Ideengeber vor Ort ist der grüne Bürgermeister Dieter Gewies; ihn besuchte die Bürgerliste Mitte November.

Stadtoberhaupt zu werden war nicht sein Ziel, erzählte er den Riedenburgern. Der verheiratete Hauptschullehrer und Vater von vier Kindern wollte sich 1996 eigentlich nur im Gemeinderat einbringen und eine grüne Liste zusammentrommeln. Weil ihm das nicht gelang, kandidierte er mit vier Konkurrenten als Bürgermeister. Gewies und sein Kollege von der SPD galten als chancenlos. Am Ende ging Gewies mit 35 Prozent in die Stichwahl und gewann diese mit über 70 Prozent der Stimmen. Die zweite und dritte Wahl war jeweils weniger spannend; es gab keine Gegenkandidaten und zuletzt 93 Prozent Zustimmung.

In 16 Monaten wird er eine ökologische Vorzeigegemeinde übergeben, die sich zu 100 Prozent über erneuerbare Energien versorgt, deren Liegenschaften alle top saniert sind und die schuldenfrei ist.

Die Neuausrichtung hatte er bereits an seinem zweiten Amtstag eingeläutet. Da vergab er den Auftrag zum Bau des zentralen Hackschnitzelheizkraftwerks. Inzwischen gibt es zwei Biogasanlagen, 30 kleinere Hackschnitzelanlagen und unzählige Solarpaneelen. Trotzdem proklamiert der grüne Bürgermeister: „Das Wichtigste ist das Energiesparen.“ Vieles hat sich in seiner Amtszeit verändert: Vor zehn Jahren plante man neue Siedlungen in Furth noch mit einem zentralen Heizkraftwerk. Heute nicht mehr: „Wir raten Hausbauern zu einem Nullenergiehaus.“

Auch an vielen anderen Stellen ging Gewies neue Wege. „Mit Beginn meiner Amtszeit gab es für Familien garantierte Kinderbetreuungsplätze, auch für unter Dreijährige. Das wird auch von mehr als der Hälfte der Kinder genutzt“, erklärt Gewies. Entsprechend attraktiv ist Furth als Wohnstandort. Es gibt seit Jahren mehr Interessenten als aufgenommen werden können. Bauland gibt’s nur im Innenbereich und ausschließlich über die Gemeinde. Die reguliert den Zuzug über ein Einheimischen-Modell, Bauzwang und einen Kinderbonus. Furth bietet Krippengruppen, eröffnete einen der ersten integrativen Kindergärten, neben dem Regelkindergarten gibt es einen Waldkindergarten sowie einen Hort. Die kleine Gemeinde unterhält eine Grund- und Mittelschule und ist Standort eines Instituts der Ludwig-Maximilian-Universität. Furth hat eine Volkshochschule, ein Therapiezentrum für Kinder mit Einschränkung und sogar ein Gymnasium.

Neben dem Rathaus standen früher eine Brauerei und eine alte Scheune. Beide wurden abgerissen. Die Gemeinde kaufte das Areal und schuf Mietswohnungen und einen Platz der Begegnung, mit Bänken, Wasserlauf, Metzger, Bäcker und einem Restaurant. Seit Neuestem gibt es auch einen von der Gemeinde betriebenen Dorfladen. Hier ist ein Zentrum entstanden, das es früher nicht gab – selbstverständlich barrierefrei.

Auch Asylbewerber gibt es hier. Gewies ging auch hier seinen eigenen Weg: „Ich hab gesagt, wir helfen den Leuten, aber unter folgenden Bedingungen: Wir suchen sie uns aus, bringen sie dezentral unter und nehmen sie nur, wenn sie arbeiten dürfen. So ist es jetzt. Wir haben elf in einem Einfamilienhaus untergebracht. Die gehen ab dem ersten Tag in die Krippe, den Kindergarten und in die Schule. Alle bekommen Sprachunterricht, die Erwachsenen haben eine Arbeitserlaubnis. Dann sind sie beschäftigt und bekommen sogar noch ein paar Euro. Wir haben keine Sozialarbeiter, Nachbarn kümmern sich.“ Zur Riedenburger Situation sagt Gewies: „70 Asylbewerber sind für eure Ortsgröße zu viel, das ist eine falsche Entscheidung, das wird euch Probleme bringen.“