Pfaffenhofen

Ein Wellblechdach für die Filipinos

Mit seinem Verein unterstützt der Ilmmünsterer Mario Dietrich Taifun-Opfer auf den Philippinen

22.11.2013 | Stand 02.12.2020, 23:24 Uhr

 

Pfaffenhofen (PK) In Deutschland ist der Taifun Haiyan, der auf den Philippinen schwere Verwüstungen angerichtet hat, schon nicht mehr Thema des Alltags. Für den Ilmmünsterer Mario Dietrich allerdings schon: Er reiste in den Inselstaat und unterstützt mit seinem Verein Maninoy die Katastrophenopfer.

Normalerweise erwarten Mario Dietrich paradiesische Strände, wenn er wie jedes Jahr im Herbst in den philippinischen Inselstaat reist. Diesmal ist alles anders: „Ich habe vom Taifun erstmals in den Nachrichten gehört. Da war mir schon klar, dass es einer der stärksten Taifune überhaupt werden würde.“ Damit sollte er Recht behalten. Kaum in der Hauptstadt Manila gelandet, erfährt er, dass Haiyan Teile des Urlaubslandes regelrecht verwüstet hat. Statt Sonnenuntergang und Palmen nun abgedeckte Hütten und umgeknickte Bäume.

Doch Dietrich ist kein Urlauber, der einfach nach Hause fahren und vergessen kann: Mit seinem Verein Maninoy unterstützt der Ilmmünsterer seit zehn Jahren die Menschen in der ehemaligen spanischen Kolonie, deren Leben oft von Armut geprägt ist. So gibt es zum Beispiel Projekte für Patenschaften, die philippinischen Kindern eine Schulbildung ermöglichen. Jeden Herbst, wenn sein Garten- und Landschaftsbaugeschäft in Pfaffenhofen winterbedingt schließt, fliegt der 39-Jährige auf die Philippinen, um den Mithelfern vor Ort unter die Arme zu greifen.

Als der Gartenbauingenieur dieses Jahr in Manila ankommt, hat der Taifun die Philippinen bereits schwer getroffen. Auch vor der zentral gelegenen Insel Leyte hat der Wirbelsturm nicht haltgemacht. Einige der Patenfamilien von Maninoy wohnen in Balagtas, einem abgelegenen Ort auf Leyte mit 3000 Einwohnern. „Es sind Todesfälle in den Patenfamilien zu beklagen. Mindestens 500 Häuser sind zerstört, die Bewohner obdachlos“, beschreibt Dietrich die Situation in Balagtas. „Es gibt Trinkwasser, aber die Nahrungsmittelversorgung ist schlecht. Der Preis für Reis hat sich um 30 Prozent erhöht.“

Die großen Hilfsorganisationen sind nur in den am schwersten getroffenen Katastrophengebieten aktiv. „Mein Cousin Michael, der zweite Vorstand des Vereins, schlug deshalb vor, eine Spendenaktion zu beginnen, um den Betroffenen in Balagtas zu helfen. Damit kam alles ins Rollen“, erklärt Dietrich. Seither ging alles ganz schnell. „Zuerst haben wir die Spendenaktion auf der Homepage bekanntgemacht. Außerdem haben wir versucht, Menschen aus Balagtas zu erreichen.“ Die Kommunikation mit den betroffenen Gebieten gestaltet sich schwierig: „Kein Internet, kein Strom, aber zumindest wurden umgefallene Handymasten wieder aufgestellt, so dass wir ab und zu telefonieren können.“

Sich selbst ein Bild von den Zerstörungen in Balagtas zu machen, ist für Dietrich aufgrund der Kriminalität momentan nicht möglich. Deshalb ist er mit Töchterchen Claris auf der sicheren Nachbarinsel von Leyte geblieben. „Meine Frau Clarita, selbst Filipina aus Leyte, hat mit Bekannten telefoniert. Die haben mir davon abgeraten, nach Balagtas zu fahren, da es für Ausländer zu gefährlich wäre.“ Die Helferteams werden ständig Opfer von Plünderern, die selbst durch den Taifun in Not gekommen sind. „Aus Hunger überschreiten sie Grenzen und überfallen die Helfer“, schildert Dietrich. Für die Maninoy-Hilfsaktion ist es deshalb von Vorteil, dass der Verein auch einheimische Mitglieder hat: „Die erregen nicht so viel Aufsehen wie ausländische Reisende.“ So ist nur Clarita mit zwei Helfern nach Balagtas gereist, während ihr Mann von der Nachbarinsel aus die Fäden zieht. Trotzdem fühlt er sich untätig: „Ich werde nach Leyte fahren, sobald sich die Kriminalitätssituation beruhigt hat.“

Inzwischen hat er mit Maninoy 6195 Euro gesammelt. „Die ersten 1000 Euro haben wir für Reis verwendet, der vom Nothilfeteam an 500 Familien verteilt wurde“, berichtet Dietrich. Er hofft aber auf internationale Hilfe, denn Maninoy kann mit seinem vergleichsweise kleinen Spendenbudget nicht viel ausrichten. „Wir werden das Geld gerecht an die Menschen in Balagtas verteilen, und wenn es nur für Nägel reicht, dann ist es eben so. Lieber wäre es mir, den Menschen Wellblechdächer besorgen zu können.“

Wer Mario Dietrich und seine Hilfsaktion unterstützen möchte, findet auf der Homepage www.maninoy.de das Spendenkonto des Vereins. Dietrich verspricht, „dass die Spendengelder bei Maninoy gut aufgehoben sind und ohne große Bürokratie am Krisenort ankommen“. Die Spendengelder werden für die Beschaffung dringend notwendiger Grundnahrungsmittel und von Baumaterial verwendet. Bis Balagtas wieder aufgebaut ist, wird es noch eine Weile dauern. Mario Dietrich rechnet damit, dass in vier Monaten jeder wieder eine Bleibe hat. „Wie die allerdings aussieht, ist eine andere Frage.“