Neuburg

Ein Tausendsassa

Der langjährige Geschäftsführer des Bauernverbandes Fritz Müller feiert heute seinen 75. Geburtstag

03.02.2020 | Stand 02.12.2020, 12:03 Uhr
Von seinem Garten aus hat Fritz Müller die Silhouette der Oberen Stadt in Neuburg vor seinen Augen. Heute wird der gebürtige Schwabe 75 Jahre alt. −Foto: Schneider

Neuburg - Mit Milch fang an, mit Milch hör auf.

. . So ähnlich könnte man den bekannten Sinnspruch auf Fritz Müller umdichten: Der langjährige Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Kreis Neuburg-Schrobenhausen feiert heute seinen 75. Geburtstag. Und die Milch hat seinem beruflichen Werdegang praktisch so etwas wie einen Rahmen gegeben.

Mit dem Weidinger Milchkrieg hatte seine Karriere beim Bauernverband seinerzeit, 1971 in Traunstein, begonnen. "Ich war damals an der Gründung der ersten Milcherzeugergemeinschaft in Bayern beteiligt", erinnert sich der Jubilar und grinst verschmitzt. Damals, mit 26 Jahren. Nicht wissend, dass ihn das Thema bis zum Ende seiner beruflichen Tätigkeit nicht loslassen wird: 2008, zwei Jahre vor seinem Ausscheiden beim BBV, kam es zum berühmten Milchboykott.

Da war Fritz Müller schon fast 40 Jahre in Neuburg, denn die Gebietsreform anno 1972 hat ihn vom Chiemsee direkt an die Donau befördert - an die Spitze einer neu zu formenden Einheit, nämlich der gemeinsamen Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbandes. Gebildet aus den Altlandkreisen Neuburg und Schrobenhausen. Da habe es gegolten, den "Südstaatler" nicht zu isolieren. "Mei, die Mentalität ist schon recht unterschiedlich", merkt Müller an - schiebt aber recht flott nach, dass das Donaumoos wohl immer noch als Trenner zwischen Nord und Süd wahrgenommen werde. Dennoch: "Gesellschaftlich ist das alles überwunden, politisch noch nicht. " Als "Nicht-Eingeborener" sei ihm das immer aufgefallen.

Müller muss es wissen, saß er selbst doch 24 Jahre lang für die CSU im Kreistag, dort auch zeitweise im Fraktionsvorstand, und war im Beirat des Planungsverbands der Region 10 in Ingolstadt. Aus dieser Zeit rührt auch die Bekanntschaft mit dem heutigen Bundesinnenminister Horst Seehofer. Bis heute lässt Fritz Müller die Politik aber nicht los: Er ist, mittlerweile 45 Jahre mit schwarzem Parteibuch, Kreisvorsitzender der Senioren-Union. Die Untergruppierung der Christsozialen hat erst vergangenes Jahr, im Beisein Seehofers, ihr 20-Jähriges gefeiert. Immer an seiner Seite: seine Frau Elfriede, die er einst im schwäbischen Bergheim, nahe seines Heimatortes Oberbechingen (Kreis Dillingen), kennengelernt hatte.

Was seine Arbeit für die Bauern anbelangt, zählt Müller viele, viele Schwerpunkte auf, die ihm in den vier Jahrzehnten begegnet sind. Da ging es in den 1970er-Jahren um den Beginn des großflächigen Kiesabbaus am Rand des Mooses, um die Planfeststellungen der B16 bei Burgheim samt Flurbereinigung oder auch das Hochwasserproblem in Straß-Moos. Später waren es die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten, die Agrarsteuerreform oder auch der Bau der B16 zwischen Neuburg und Ingolstadt, das den Geschäftsführer beschäftigte. Und zum Ende hin, in den 2000ern, war es wieder das Hochwasserproblem und der Beginn der Polderdiskussion, der Ethylen-Pipelinebau zwischen Münchsmünster und Ludwigshafen am Rhein und das Donaumoosentwicklungskonzept, das die Arbeit Müllers prägten. Drei Kreis-Obmänner im Bauernverband hat Müller erlebt - Kaspar Heinrich, Michael Schmidl und heute Ludwig Bayer. Und dazu kommen drei Kreisbäuerinnen: Luise Burkhard, Gertraud Hüßner und Mathilde Ahle.

Aber auf der Liste mit Fritz Müllers beruflichem und privatem Engagement stehen nicht nur die Aspekte CSU und Bauernverband. Der zweifache Familienvater und mittlerweile dreifache Opa, der mit seiner Frau Elfriede seit 1986 im eigenen Häuschen in Neuburg-Laisacker wohnt, hat sich in der "neuen Heimat" damals recht schnell einen Namen gemacht - wohl auch der beruflichen Tätigkeit geschuldet. Schließlich war der Bauernstand einst zahlenmäßig noch um einiges größer als er heute ist. Seit über 13 Jahren ist er zertifizierter Gästeführer, war acht Jahre lang auch Vorsitzender des Vereins Gästeführer Neuburg-Schrobenhausen und sechs Jahre lang stellvertretender Vorsitzender des Neuburger Volkstheaters sowie kaufmännischer Leiter bei den Freilichtaufführungen.

Anfang der 1990er-Jahre stand Müller zum ersten Mal auf den "Brettern, die die Welt bedeuten" - "teilweise schon mit recht anspruchsvollen Rollen", erinnert sich der aus Schwaben stammende gelernte Landwirt. Da hieß es nämlich bisweilen nicht nur Texte lernen, sondern auch noch singen. Beim "Jedermann" stand er auf der Bühne, unter anderem als Blasi-Vetter. "D'Artagnans Tochter" war dann gleich mit einem mehrmonatigen Training von Fechtszenen verbunden. "Da gab's schon mal blaue Flecken", meint er und lacht. Und bei Theo Berger stand Fritz Müller mehrmals mit dem aus Neuburg stammenden Schauspieler Winfried Frey auf der Bühne, ebenso wie mit Hermann Giefer und Conny Glogger.

Das Theaterspielen, wenngleich es ihm unwahrscheinlichen Spaß gemacht hat und er unter anderem zahlreiche Werbetouren in verschiedene Städte und Tourneen des Volkstheaters begleitet hat, hat Müller aufgegeben. Ein anderes Hobby hat er aber gefunden: Nicht nur, dass er gerne draußen in der Natur ist und sich entsprechend auch um die eine oder andere Arbeit im Garten kümmert. Müller bereichert inzwischen den Kirchenchor in Bittenbrunn mit seiner Tenorstimme. Gefeiert wird übrigens heute daheim - im Kreis der Familie. Und vermutlich mit einer recht großen Gratulantenschar.

DK

Marco Schneider