München

"Ein Schnitt" soll an Olympia-Attentat erinnern

Jury einigt sich auf Entwurf aus der Oberpfalz – Gedenkstätte in München soll rund um die Uhr zugänglich sein

22.09.2014 | Stand 02.12.2020, 22:12 Uhr

München (dpa/gpd) Ein tiefer Einschnitt in den Münchner Olympiapark soll künftig an die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 erinnern. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) präsentierte gestern den Gewinner-Entwurf eines Architektenwettbewerbs für eine Gedenkstätte.

Das Büro Brückner und Brückner aus dem oberpfälzischen Tirschenreuth bekam den Zuschlag für die Idee, einen Schnitt durch einen Hügel im Park zu ziehen. Unter der Kuppe soll dann ein Erinnerungsort entstehen, der den elf israelischen Sportlern ein Gesicht gibt, die bei dem brutalen Überfall palästinensischer Terroristen des „Schwarzen September“ auf die israelische Olympia-Mannschaft ums Leben kamen.

„Ein Schnitt“ heißt der Entwurf, der Einschnitt in die Parklandschaft symbolisiere die schreckliche Tat, sagte die Jury-Vorsitzende Barbara Holzer. Es werde nichts hinzugefügt, sondern etwas weggenommen – wie auch bei dem Anschlag, der die elf Sportler, einen bayerischen Polizisten und fünf der Terroristen das Leben kostete. Die entstehende Leere werde anschließend durch die Ausstellung gefüllt. Die Jury-Entscheidung sei einstimmig gewesen. Insgesamt hatten sechs Büros Entwürfe eingereicht, die alle noch bis zum 5. Oktober im Jüdischen Museum präsentiert werden.

„Es war ein traumatisches Ereignis für uns alle“, sagte Spaenle über den Anschlag vor 42 Jahren. Die Olympischen Spiele hätten dadurch ihre Unschuld verloren. Für Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Stadt München, geht es beim Bau des Gedenkortes in erster Linie darum, „den Opfern ein Gesicht zu geben, an die Fakten zu erinnern und die Vor- und Nachgeschichte aufzubereiten“. Der israelische Generalkonsul Dan Shaham sieht in der Schaffung des Gedenkortes für Israelis die Möglichkeit, an einem „würdigen Platz sehen, lernen und verstehen“ zu können.

Der Gedenkort im Olympiapark soll rund um die Uhr geöffnet sein. „Wir haben uns gegen eine museale Lösung entschieden“, betonte Spaenle in diesem Zusammenhang. Der Erinnerungsort soll also immer zugänglich sein. Die Sicherheit – unter anderem vor Vandalen – sei Teil des Gesamtkonzeptes, auch Vertreter der Polizei hätten in der Jury gesessen.

Auf rund 1,7 Millionen Euro werden die Kosten für den Erinnerungspavillon geschätzt. Die Summe trägt der Freistaat Bayern als Bauherr nicht alleine. Neben der Bundesrepublik Deutschland, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOK), der Foundation for Global Sports Development und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) beteiligt sich auch die Stadt München mit 350 000 Euro. Im Herbst 2016 soll der Bau fertig sein.