Ingolstadt

Ein mitreißender Konzertabend

Audi-Bläserphilharmonie eröffnet DK-Aktion "Vorweihnacht der guten Herzen"

30.10.2016 | Stand 02.12.2020, 19:07 Uhr

10 000 Euro für gute Zwecke: Über den Erlös des Benefizkonzerts zugunsten der DK-Aktion "Vorweihnacht der guten Herzen" freuten sich (von links): Sergei Nakariakov (Solist des Abends), Christian Lombardi (Dirigent), Jörg Schlagbauer (IG-Metall-Vertrauenskörperleiter bei Audi), Hubert Waltl (Audi-Produktionsvorstand), Lydia Nißl (DK-Geschäftsführerin) und Günther Graf (Orchestermanager). - Foto: Sauer/Audi

Ingolstadt (DK) Die DK-Aktion "Vorweihnacht der guten Herzen" ist am Freitag mit dem Benefizkonzert der Audi-Bläserphilharmonie im Ingolstädter Stadttheater fulminant gestartet. Das Publikum erlebte einen Abend der symphonischen Blasmusik auf höchstem Niveau. Stolze 10 000 Euro kamen dabei für gute Zwecke zusammen.

Es gibt noch Momente selbst in gut geprobten Konzerten, da bleibt sogar den Orchestermusikern der Mund vor Staunen offen und das Publikum sucht irritiert und fasziniert nach Erklärungen für das Unerhörte. Dieses Unerhörte, dieses staunenswert überraschende Hörerlebnis ist in dem bravourösen Benefizkonzert der Audi-Bläserphilharmonie am Freitagabend im Festsaal des Stadttheaters in einer Zugabe versteckt. Das traditionelle Benefizkonzert zu Gunsten der Aktion "Vorweihnacht der guten Herzen" des DONAUKURIER steht diesmal unter dem Motto "Folklore". Klassische und moderne Komponisten aus allen Kontinenten haben viele Melodien ihrer jeweiligen Heimat zu opulenten Orchesterwerken erweitert und damit ein riesiges Repertoire geschaffen. Aus dem können sich die Amateurmusiker des Audi-Werksorchesters unter ihrem Dirigenten Christian Lombardi für ihre volkstümliche Reise rund um den Globus reichlich bedienen. Marlen Reichert ist dabei die reizvolle Moderatorin im petrolfarbenen Abendkleid, die das Publikum - unter ihnen Audi-Chef Rupert Stadler mit Frau und die Führungsriege des DONAUKURIER - charmant mit wohl formuliertem Fachwissen zu den ethnischen Regionen der Musik begleitet.

Stargast des Abends ist diesmal der Trompeter Sergei Nakariakov. Er betritt die Bühne, nachdem die Orchestermusiker ihr Publikum mit den "Symphonic Dances" von Yosuke Fukuda zu Folkloretänzen aus allen fünf Kontinenten geführt hatten, Sergei Rachmaninovs "Italian Polka" in einem Arrangement für Blasorchester von Elena Roussanova Lucas leidenschaftlich interpretierten und auch die "Greek Folk Song Suite" von Franco Cesarine in lebensfrische Töne verwandelten. Die Orchestermusiker erweisen sich dabei verblüffend wandlungsfähig und legen sich nicht nur auf Sirtakiklänge fest. Sie geben ihren Instrumenten den Klang des östlichen Mittelmeeres, in dem Klarinetten die Schleier zum Orient lüften und Querflöten den Zauber hellenischer Küstengebirge beschwören. Nach einer schwermütigen Schlussphase des zweiten Satzes führen sie ihr Publikum wieder zur unbeschwerten Heiterkeit, versprühen sorglose Lebensfreude und lassen die Sonne Griechenlands aus ihren Klängen scheinen.

Nach dem prasselnden Applaus sind sie bereits in Argentinien gelandet und natürlich ist hier der Tango viel mehr als nur Tanzmusik.

Lombardi und seine Musiker gehen diese leidenschaftlich-prickelnden Noten mit der vollen Dynamik ihres Bläserorchesters an. Ganz ohne das für diese Musik fast unverzichtbare Bandoneon, dafür aber werden sie mit der ganzen Macht aus Holz und Blech der erotischen Leidenschaft dieser orchestralen Tanzmelodien absolut gerecht.

Sergei Nakariakov wird danach als international renommierter Trompeter nicht ohne hohe Erwartungen empfangen. Seine Interpretation des Konzerts für Trompete und Orchester von Alexander Aratjunian in einem Arrangement von Guy M. Duker lässt dann auch keine Wünsche unerfüllt. Er gibt seiner Trompete einen weichen Klang, lässt sie fast schon als Singstimme wirken. Das Orchester führt die Melodie nach einem opulenten Auftakt mit faszinierender Klangharmonie zu den verschwiegenen, heimeligen Ecken der Partitur, die Nakariakov mit gedämpfter Trompete wie auf weichen Sohlen weiter neugierig durchstöbert. Er schafft sehnsuchtsvolle Klänge mit watteumhüllten Tönen, bevor er die Tür zur nächsten, lebhafter geprägten Etage der Komposition öffnet. Der Solist wandelt die Klänge seiner Trompete wie ein Chamäleon seine Farben, passt sie dem mentalen Hintergrund des Orchesters an und wird dafür vom Publikum mit nicht endendem Applaus zweimal auf die Bühne zurückgeholt.

Seine Zugabe scheint in den ersten Takten trotz erstklassigem Klang banal. "Mein Hut, der hat drei Löcher", ist das Grundthema, zu der plötzlich eine trompetengeblasene Begleitmelodie mitschwingt. Der Blick geht zwangsläufig in die Reihen der Audi-Trompeter. Begleitet da einer heimlich, ist das ein abgesprochener Scherz? Nein, die Musiker machen selber ganz große Augen und halten den Atem an. Sergei Nakariakov schafft die artistische Glanzleistung, auf seiner Trompete gleichzeitig zwei Stimmen zu spielen. Niemand im Festsaal kann sich diesem elektrisierenden Faszinosum kurz vor der Pause entziehen.

Zum erneuten Konzerteinstieg machen die Musiker Station in Bayern und fahren von der Amtsgerichtspolka über Zwifache bis zum Defiliermarsch ein üppiges konzertantes Buffet regionaler Spezialitäten auf. Ihre lustvolle Reise zu den Folkloreklängen der Welt führt sie weiter über die Cowboys Amerikas ins wundervoll klingende Korea und Japan, bevor das Konzert mit zauberhaft-fesselnden Klezmerklängen in jiddischer Tradition ausklingt.

Auch Christian Lombardi kann unter der Wucht und der anerkennenden Herzlichkeit, mit der das Publikum ihn und sein Orchester überschüttet, nur nachlegen. Drei schwungvolle Zugaben müssen reichen. Zurück bleiben glückliche Gesichter auf der Bühne wie im Publikum.