Mühlhausen
Ein Kunstwerk mit Abstand

Fünf Bildhauer schaffen am Ludwig-Donau-Main-Kanal bei Mühlhausen eine Skulptur zur Corona-Pandemie

12.08.2020 | Stand 23.09.2023, 13:29 Uhr |
Franz-Xaver Meyer
An der Schleuse 25 des alten Ludwig-Donau-Main-Kanals ist jetzt die fast drei Meter hohe Skulptur enthüllt worden. −Foto: Meyer

Mühlhausen - Etwas Einmaliges haben fünf Künstler aus der Umgebung geschaffen.

Sie meißelten ihre Inspirationen zur Corona-Pandemie in Stein und schufen innerhalb einer Woche an der Schleuse 25 des alten Ludwig-Donau-Main-Kanals eine fast drei Meter hohe Skulptur, die nun in Anwesenheit eines Corona-bedingt kleinen Publikums enthüllt wurde.

Eigentlich hätte heuer das Jubiläum "Zehn Jahre Bildhauer-Symposium" mit vielen Künstlern stattfinden sollen, das jetzt um ein Jahr verschoben wurde. Das Ergebnis von einem Jahrzehnt Arbeit mit Stein ist in langer Skulpturenpfad, der sich am Kanal entlang schlängelt. Alle Steine stammen aus einer aufgelassenen Schleuse im Gemeindebereich von Mühlhausen . Das Motto des diesjährigen Bildhauertreffens lautete "Auf Abstand 1,5".

Das Natursteinwerk Alois Regnet aus Unteremmendorf holte einen großen Block aus Mühlhausen ab und zersägte diesen in kleinere Teile. Fünf waren für die Bildhauer Michael Königer, Stefan Fürbacher, Günter Schinn, Michael Lynderup und Oskar Reihmeier vorgesehen. Die einzelnen Skulpturen wurden aufeinandergesetzt und - dem Motto gemäß - mit 15 Zentimeter großen Quadern auf Abstand gehalten. Jeder Bildhauer hatte einen Tag zur Verfügung, um seine Idee zu Corona zu verwirklichen.

Stefan Fürbacher entwickelte eine Sanduhr, in die er Hölzer einsteckte, mit denen die Zeit symbolisch angezapft wird. "Corona hat die Zeit verändert. Sie läuft nicht so, wie wir es gerne hätten", erklärte er sein Werk. Michael Lynderup setzte die Pandemie um, indem er die Spaltung der Gesellschaft mit einem Riss in den Stein trieb. Oskar Reithmeier wurde von der Angst inspiriert. Seine Figurenreliefs laufen in unterschiedliche Richtungen. Sie wissen nicht, wie es weiter geht.

Michael Königer ritzte einen Totenschädel mit nachdenklichen Inschriften in den Stein. "Ich hoffe, dass die Pandemie die Menschen zurechtstutzt", erläuterte er. Günter Schinn, dessen Werk ganz oben aufgesetzt worden ist, trieb mit Pressluft einen senkrechten Krater in den Stein als Ausdruck dafür, wie Corona die Menschen zerrissen hat. Das rund 550 Kilogramm schwere Kunstwerk wird am Rathausplatz in Mühlhausen als Mahnmal für spätere Generationen aufgestellt.

HK

Franz-Xaver Meyer