Pfaffenhofen

Ein Fünftel des Lohns fürs Bier

20.05.2010 | Stand 03.12.2020, 4:00 Uhr

Archäologische Ausgrabungen auf dem Siglbräu-Gelände in Pfaffenhofen: Die Fundamente im Vordergrund sind die bisher ältesten hier entdeckten Funde. Es handelt sich um Reste eines Holzhauses aus dem frühen 15. Jahrhundert. - Foto: Asbeck

Pfaffenhofen (kx) Kaum ist das Sigl- und Franzbräuareal in Pfaffenhofen abgerissen, sind die Archäologen dabei, vor dem endgültigen Baubeginn für ein Geschäfts- und Bürogebäude die historisch interessanten Reste zu dokumentieren. Spuren eines Sudhauses aus dem Spätmittelalter sind aufgetaucht.

Voll im Zeitplan und im Kostenrahmen bewegen sich die Archäologen bei ihren Ausgrabungen. Bevor nun am Siglbräuareal 25 bis 30 Prozent des Geländes unterkellert werden, dokumentiert unter Leitung von Grabungsleiter Markus Arnolds das Archäologenteam die dort noch vorhandenen Relikte aus früheren Zeiten.

Vier Abschnitte wurden freigelegt, wie Erich Claasen, Leiter der Ingolstädter Abteilung des Landesamts für Denkmalpflege erläuterte. Der älteste Grabungsbefund stammt laut Claasen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit wurden Fundamentreste mit einer Schwellbalken-Konstruktion von einem Holzgebäude aus dieser Zeit entdeckt.

Etwa in der Mitte des Areals sind die Archäologen auf eine Mulde mit einem grünlichen Belag gestoßen – möglicherweise der Standort eines Sudkessels aus Kupfer. Mauerreste dahinter zeigen dunkle Verfärbungen, die auf eine Feuerstelle hindeuten. Damit wären hier "ziemlich sicher", so Arnolds, die Reste eines Brauhauses gefunden worden, das so in urkundlichen Quellen erstmals im Jahr 1522 erwähnt wird. Die Frühphase des Brauhauses wäre damit in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zu datieren. "Ein Fünftel des damaligen Durchschnittseinkommens in Bayern wurde fürs Bier ausgegeben", weiß Markus Arnolds.

Im hinteren Teil Richtung Löwenstraße wurden Teile eines Gewölbekellers freigelegt. Diese Reste stammen laut Grabungsleiter Markus Arnolds wahrscheinlich aus der Zeit vor dem Brand von 1813. Verfüllt sind diese Keller und Gewölbe mit dem typischen Schutt aus dem 20. Jahrhundert. Bislang haben die Archäologen aber noch niemanden gefunden, der sich an diese Keller erinnern kann.

Nach dem großen Brand am Hauptplatz, bei dem Ende Juni 1813 fünf Gebäude (darunter drei Brauereien, drei Stadel und einige Nebengebäude) durch einen Blitzschlag in Flammen aufgingen, wurde noch ein weiterer Keller (im vorderen Bereich hin zur Ingolstädter Straße) angelegt. Auch dieser bisher unbekannte Keller wurde jetzt freigelegt, vermessen und dokumentiert. Mit den Zeichnungen sind die Archäologen schon fertig, diese Woche werden noch weitere Fotos von allen Fundstellen gemacht.

Erich Claasen leitet im Anschluss an die dokumentarische Arbeit der Archäologen die wissenschaftliche Auswertung aller Funde aus Pfaffenhofen – vom Siglbräu wie auch vom oberen Hauptplatz. Auch an der Scheyerer Straße werden mit dem ehemaligen Stadttor dort noch weitere Funde erwartet – diese Arbeiten werden "aus Kapazitätsgründen", wie es hieß, aber nicht von ADV erledigt.