Pfaffenhofen

Ein Dank an die Helfer

15 Jahre Pfaffenhofener Tafel: Stadt und Landkreis ehren die Freiwilligen

20.03.2018 | Stand 02.12.2020, 16:40 Uhr

Die neue Tafel-Vorsitzende Petra Eidenberger (links) und Pfarrer Jürgen Arlt (rechts) ehren die Verantwortlichen der ersten Stunde: den damaligen Pfaffenhofener Pfarrer Helmut Gottschling, die Zweite Vorsitzende Ute Jötten-Ifländer und die Gründerin der Tafel, Sieglinde Wiegand. ‹ - Foto: Herchenbach

Pfaffenhofen (PK) Zu einer Feierstunde aus Anlass des 15-jährigen Bestehens der Pfaffenhofener Tafel waren rund 80 ehrenamtliche Helfer und Unterstützer in den Rathausfestsaal gekommen. Kein Grund zum Jubeln, wie alle Festredner hervorhuben, sondern um Danke zu sagen.

15 Jahre sind kein Jubiläum, das war auch Pfarrer Jürgen Arlt klar, dessen evangelische Kirchengemeinde die Trägerschaft der Tafel übernommen hat. "Aber wer weiß, ob's die Tafel in fünf oder zehn Jahren noch gibt." Eine optimistische Sicht, die voraussetzt, dass die Armut verschwindet. Aber danach sieht es nicht aus, auch wenn hier Vollbeschäftigung herrscht und der Landkreis als einer der wohlhabendsten in Deutschland gilt.

Auf diesen Widerspruch wurde schon damals die Gründerin und ehemalige SPD-Stadträtin Sieglinde Wiegand hingewiesen. Aber erst durch die inzwischen 900 Tafeln, deren erste 1993 gründet wurde, ist die Armut in Deutschland wirklich sichtbar geworden. In Pfaffenhofen habe Wiegand ein halbes Jahr mit ihren ehrenamtlichen Helfern den Start am 19. März 2003 "generalstabsmäßig" vorbereitet, erinnerte sich Bürgermeister Thomas Herker mit Respekt. Nicht nur Freiwillige mussten gewonnen werden, sondern auch Händler und Supermärkte für Lebensmittelspenden, Sponsoren, Spender und Unterstützer. Meilenstein war dann die Einweihung des Tafelhauses am Draht, das der Energiekonzern Eon dem Verein überlassen hatte. "Es gab da nur ein Möbelstück", erinnert sich die Gründerin, "nämlich ein Kreuz, das an der Wand lehnte." Da habe sie gespürt, dass nicht sie hier die Hauptperson sei, sondern das Kruzifix. Umso mehr, als sie es in die Hand nahm. "Da fiel mir die Christusfigur entgegen. Das war für mich der göttliche Segen."

Segen lag ganz offensichtlich auch auf den vergangenen 15 Jahren. Claus Hipp konnte als Schirmherr gewonnen werden, die örtlichen Banken, Sparkassen und die Rotarier finanzierten die Tafelautos und Kühlwagen, selbst die Schreiner-Azubis der Berufsschule packten mit an und bauten einen passenden Schrank. Dank der großen und breiten Unterstützung konnten weitere Ausgabestellen in Hohenwart, Steinkirchen, Rohrbach und Wolnzach eingerichtet werden.

Eine Erfolgsgeschichte, allerdings eine, die nachdenklich macht. Darauf wies Erich Schlotter, Vorsitzender des Fördervereins, hin. "Ein Grund zum Jubeln? Nein!" Denn jeder sollte genug zum Leben haben. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sei vielen verwehrt, weil ihnen das Geld fehlt. Und deshalb gäbe es an diesem Abend viele Gründe, all den Freiwilligen zu danken, durch deren Hilfe in den vergangenen Jahren Waren und Barspenden im Wert von 450 000 Euro an Bedürftige verteilt werden konnten.

Zum Danken im Namen der Stadt war auch Thomas Herker gekommen. "Geben Sie", ermunterte er die rund 100 ehrenamtlichen Helfer, "das Feuer weiter. Ich bin nicht so optimistisch, dass die Tafeln überflüssig werden." Ein Zeichen gegen die soziale Kälte attestierte der stellvertretende Landrat Josef Finkenzeller den Tafelleuten, die wöchentlich vier Tonnen Lebensmittel an rund 600 Bedürftige verteilen. "Es ist traurig, das ein so reiches Land auf die Tafeln angewiesen ist."

Pfarrer Jürgen Arlt war es gelungen, das Künstler-Duo Ingrid Dill-Tappert und Gisela Hartl zu gewinnen, die Arbeit der Tafeln szenisch umzusetzen. Beeindruckend, wie sich die Künstlerin zu den Stichworten Reichtum und Überfluss in einem großen Stoffschlauch verbirgt, nicht mehr greifbar und erkennbar für andere. Und wie sie sich zur Armut aus diesem Kokon schält, aufrichtet, sich in alle Richtungen umschaut und die Arme weit ausbreitet. Genauso beeindruckend die Inszenierung der Helfer. Petra Eidesberger bat zuerst die Helfer der ersten Stunde auf die Bühne und dann jahrgangsweise die Hinzugekommenen. Standen anfänglich 20 Personen auf dem Podium im Rathaussaal, so wurde es schließlich mit dem letzten Jahrgang zu eng dort oben: Einige Helfer mussten sich vor der Bühne aufstellen.