Roth

Drei Bogenschützen, drei Bogenarten

Recurve, Blankbogen oder Compound: Blick auf die verschiedenen Disziplinen

04.08.2021 | Stand 02.10.2021, 3:34 Uhr
Cornelia Hardenberg
  −Foto: von Hardenberg

Roth - Bei den Bayerischen Bogenmeisterschaften am Olympiastützpunkt in Hochbrück traten drei Bogenschützen der SpVgg Roth an - jeder mit einer anderen Bogenart.

Grund genug, diese einmal vorzustellen.

Der meistgeschossene Bogen ist der Recurve Bogen, nicht zuletzt deshalb, weil es der olympische Bogen ist. Wie erfolgreich man hier in der Region mit dem Recurve Bogen werden kann, zeigte unlängst Charline Schwarz aus Feucht, die zusammen mit Lisa Unruh und Michelle Kroppen in Tokio mit dem Frauenteam die Bronzemedaille für Deutschland holte.

Die Basis des Recurve Bogens besteht aus einer Sehne, einem Mittelteil und Wurfarmen. Die Wurfarme werden an das Mittelteil angeklickt und können, je nach Auszugskraft des Schützen, ein ganz unterschiedliches Zuggewicht haben. Je größer das Zuggewicht ist, desto weiter kann man schießen und desto genauer schießt man in der Regel auch.

Zu dieser Basisausstattung kommen verschiedene Hilfsmittel und Anbauten: Mit dem Fingertab erzielt man eine ruhige, gleichmäßige Handhaltung der Zughand. An den Bogen wird eine Pfeilauflage mit Button und Klicker gebaut, damit der Pfeil ruhig und immer gleich aufliegt - und immer mit der gleichen Auszugslänge gelöst wird. Zum Zielen darf ein Visier verwendet werden. Und nicht zuletzt sorgen Stabilisatoren für ein höheres Bogengewicht und damit für eine ruhigere Haltung.

Der technischen Perfektion des Zubehörs sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Dem jungen Ingenieur Philipp Bauer gefällt genau das, er tüftelt immer wieder an technischen Details. "Der Reiz am olympischen Recurve für mich ist die Balance zwischen Technik und Mensch. Bei dieser Bogenart kann man zwar viel über die Einstellungen am Bogen rauskitzeln, aber am Schluss steht immer der Mensch und macht die Fehler. "
Bei den Bayerischen Meisterschaften in der Klasse Recurve Herren blieb Bauer mit 604 Ringen nur acht Zähler unter seiner Bestleistung und wurde Elfter von 45 Startern. Damit qualifiziert er sich voraussichtlich für die Deutschen Meisterschaften in Wiesbaden (10. bis 12. September 21). "Ich habe da so ein paar Ideen, wie ich weiter am technischen Setup tunen kann. Ich weiß, dass mehr drin ist. "

Außerdem fanden in Hochbrück die Blankbogen-Wettbewerbe statt. Blankbögen sind die Ursprungsform des Bogens und bestehen nur aus Bogen und Sehne. Der Bogen darf aus Mittelstück und Wurfarmen bestehen, aber auch aus einem Stück sein. Viele Blankbogenschützen schießen mit Holzbögen und Holzpfeilen. Pfeilauflagen dürfen keine Zielhilfe darstellen, Visiere sind nicht erlaubt und als Fingerschutz sind nur Handschuhe, Fingerlinge oder Lederläppchen erlaubt. Gezielt wird nicht durch ein Visier, sondern mit der Pfeilspitze. Es ist also die Faszination des Ursprünglichen, die für den Blankbogen spricht.

Auch Martin Ebert, stellvertretender Abteilungsleiter der Bogenabteilung der SpVgg, hat es der Blankbogen angetan. Er sieht ihn als das Bindeglied zwischen traditionellem Bogenschießen und dem modernen Bogensport. Und er sieht auch einen ganz pragmatischen Vorteil: "Wo am Bogen nicht viel ?dran' ist, kann sich auch nichts verstellen oder kaputt gehen. "

In Hochbrück war Christian Putz für SpVgg Roth am Start. Er wurde mit Einstellung seiner persönlichen Bestleistung von 534 Ringen guter Zehnter in einem Feld von 24 Startern in der Masterklasse. Damit ist die Qualifikationsnorm für die Deutschen Meisterschaften vermutlich erreicht, dort wird er jedoch aus terminlichen Gründen nicht antreten können.

Der jüngste und technisch ausgefeilteste Bogen ist der Compound Bogen. Er wurde erst 1966 in den USA erfunden und macht sich das Prinzip des Flaschenzugs zu eigen. Die Sehne wird einfach oder mehrfach über Rollen gespannt, dadurch wird die Hebelwirkung stark vergrößert, das Zuggewicht steigt überproportional und führt im Ergebnis mit weniger Kraftaufwand zu einer deutlich höheren Treffergenauigkeit.

"Die Technik des Compoundbogens hat mich schon immer fasziniert", sagt Gerhard Renner. "Der Reiz liegt für mich in den höheren Pfeilgeschwindigkeiten. Um erfolgreich sein zu können, kommt es auf die genaue Einstellung und Abstimmung des Bogens und der Pfeile auf den Schützen an. " Doch manchmal macht einem auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Dies musste Renner bei Regen und Kälte in Hochbrück erkennen. Er wurde mit 601 Ringen Zwanzigster und meinte: "Das war nicht mein Tag. "

Die SpVgg Roth bietet im Freizeitbereich einiges, vom Training über Bogen-Fun-Biathlon bis zum 3D-Parcours. Kontakt: info@bogen-roth. de.

HK

Cornelia Hardenberg