Nürnberg

"Die Uhr tickt" - für Frieden und Klima gleichermaßen

Ausstellung im Friedensmuseum Nürnberg

18.11.2020 | Stand 21.11.2020, 3:33 Uhr
Heinz Wraneschitz

Nürnberg - Im Friedensmuseum Nürnberg ist seit Mitte November die Ausstellung "Die Uhr tickt" zu sehen. Doch weil Corona keine Besuche zulässt, stehen die Tafeln und eine "virtuelle Vernissage" jetzt im Internet. Unter Einhaltung der aktuellen Pandemie-Regeln war es dennoch möglich, sich mit zwei der ehrenamtlichen Ausstellungs-Organisatoren im Museum treffen.

"Hans Kronberger stellt genau jene Zusammenhänge her, die die überkommenen Außen- und Sicherheitspolitiker ignorieren und daher nicht in der Lage sind, aktuelle Krisensituationen zu bewältigen. Die Alternative: Die Solarenergie. Sie ist die elementare Voraussetzung für den Weltfrieden." Das sagte Eurosolar-Gründer Hermann Scheer einst über Kronbergers Buch "Blut für Öl". Und wer sich die Nürnberger Ausstellung von Anfang an betrachtet, merkt sofort: Die Friedensaktivisten ticken wie der umweltengagierte Österreicher. "Wir müssen die Friedens- und Klimabewegten zusammenbringen für die Zukunft der Erde: Es gibt keinen Planet B", gibt sich Wolfgang Nick überzeugt. Und Birgitta Meier ergänzt: "Frieden hat viele Aspekte."

Der Klimaschutz nimmt in der Ausstellung einen ganz breiten Raum ein. Und das nicht nur, weil "Krieg und Militär eine verheerende Ökobilanz haben", wie die "Ärzte gegen Atomkrieg" anlässlich der diesjährigen Sicherheitskonferenz in München zum wiederholten Male vorgetragen haben. Bis auf das Jahr 1824 geht die Kenntnis um den menschgemachten Klimawandel, den "Treibhauseffekt" zurück, ist zu erfahren. Und: Dem Franzosen Jean Fourier verdanken wir diese Erkenntnis. Doch erst seit dem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" des Club of Rome aus dem Jahre 1972 ist die Erderwärmung breiten Kreisen der Menschheit bewusst. Die absolut notwendigen Konsequenzen werden dennoch bis heute von Verantwortlichen auf die "Lange Bank" geschoben.

Konsequenterweise taucht deshalb auch die von Greta Thunberg initiierte "Fridays for Future"-Bewegung in der Ausstellung auf. "Wir brauchen beides: individuell konsequentes Handeln wie kollektiven Druck auf die politischen Strukturen", steht dazu zu lesen.

Dasselbe gilt laut Ausstellungsteam für die Verhinderung eines Atomkriegs. Ein immer wieder von Potentaten und Militärs ins Spiel gebrachter "begrenzter Atomkrieg" würde nach ihrer Meinung beileibe nicht begrenzt bleiben, sondern viele hundert Atomexplosionen nach sich ziehen. Die Folge: "Der Nukleare Winter, eine jahrzehntelange Klimaveränderung, die die Erde auf die Temperaturen der letzten Eiszeit zurückversetzt."

Natürlich hoffen die Friedensmusealen auf den Atomwaffenverbotsvertrag, der am 22. Januar tatsächlich in Kraft treten wird, weil er nun vom 50. Staat ratifiziert worden ist. Und auch wenn die gesamten Atommächte bislang nicht beigetreten sind: "Der Druck auf die Mächtigen wächst", sagt Birgitta Meier. Beispiele, dass Atomstaaten auf ihre schrecklichen Waffen verzichten, gebe es ja: "Ukraine und andere Staaten der UdSSR hatten ja Atomwaffen. Mit friedlichen Mitteln ging das zu Ende", hebt sie hervor.

Auf der anderen Seite stünden insbesondere die US-Truppen immer näher an Russland. Laut dem "2+4-Vertrag" zur deutschen Einheit dürften sie zwar ihre Soldaten "nicht ständig im Baltikum oder in Polen stationieren. Nun machen sie das halt rollierend", berichtet Wolfgang Nick von einer aktuellen Entwicklung. Und er stellt klar: "Würde Deutschland tatsächlich das Ziel erfüllen, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Militärhaushalt auszugeben, wäre das so viel Geld, wie Russland bereitstellt."

Weil also die Bedrohung der Umwelt durch die Klimakatastrophe genauso real erscheint wie durch einen Atomkrieg; weil laut Ausstellungsinformationen "lokal wie global viele Menschen unter schädlichen Klima- und Umweltschäden von Kriegen und Militärübungen leiden" und "weil das US-Militär der mit Abstand größte Energieverbraucher der US-Administration ist": Deshalb sei es unabdingbar, dass Friedens- und Umweltbewegung an einem Strang ziehen, so das Fazit von "Die Uhr tickt." Und ganz drastisch: "Ein Umdenken hier und heute ist lebensnotwendig."

HK

Heinz Wraneschitz