Lippertshofen

Die Natur als Erlebnis darstellen

Am Reisberg bei Lippertshofen soll ein neuer Walderlebnispfad mit mehreren Infostationen entstehen

03.06.2020 | Stand 02.12.2020, 11:14 Uhr
Ein erster Vorgeschmack auf den Walderlebnispfad am Reisberg: Baumstämme, über die man balancieren kann. Naturpark-Rangerin Birgitta Hohnheiser (rechts) und Naturpark-Mitarbeiterin Monika Klement (2.v.l.) erläuterten dem Gaimersheimer Umweltreferenten Manfred Fiedler (von links) sowie Wolfgang Toews und Petra Michel, den Vorsitzenden der BN-Ortsgruppe, auch die weiteren Pläne. −Foto: Schmidl

Lippertshofen - "Die Kinder müssen sagen: ,Am Reisberg war's toll'.

" Dann ist für Monika Klement, Mitarbeiterin beim Naturpark Altmühltal, ein wichtiges Ziel erreicht, das mit dem geplanten Walderlebnispfad, einem Rundweg bei Lippertshofen, angestrebt wird. Aber weil gleichzeitig kein Spielplatz aus dem Areal werden und die Strecke zudem auch Erwachsene ansprechen soll, gestaltet sich die Realisierung - auch hinsichtlich der Beschriftung der Infotafeln - nicht ganz einfach.

Was freilich angedacht und möglich ist, darüber informierten Klement und Naturpark-Rangerin Birgitta Hohnheiser bei einem Ortstermin jetzt Wolfgang Toews, den Vorsitzenden der Ortsgruppe Gaimersheim-Wettstetten-Eitensheim des Bundes Naturschutz (BN), und dessen Stellvertreterin Petra Michel. Organisiert hatte das Treffen Manfred Fiedler, der nicht nur ebenfalls beim BN aktiv ist, sondern zudem (ebenso wie Klement) für die Grünen in den Marktgemeinderat Gaimersheim eingezogen und dort Referent für Umwelt- und Naturschutz sowie Naherholung ist.

"Tafeln sind schnell aufgestellt", so Klement. Aber es gelte vor allem, ein gutes Konzept mit einem gewissen Anspruch umzusetzen und dabei bestimmte Erlebniselemente an mehreren Stationen einzubauen. Toews' Befürchtung, dass durch die Aufwertung des Geländes der ohnehin schon "enorme Freizeitdruck auf den Reisberg" noch größer werde und vieles in Gaudi ausarte, konnte Klement entkräften. "Klamauk fördert die Regierung nicht", sagte sie. Und weil der Walderlebnispfad mit Mitteln der Naturparkförderung finanziert werden soll, werde sicher auch kein Spielplatz entstehen.

Weil sich als Einstieg der Parkplatz neben dem Gästehaus am Reisberg anbiete, seien gleich ein paar Meter weiter bei dem Fußballfeld eine erste Infotafel mit Erläuterungen über den Reisberg sowie eine Art Rast- und Sammelplatz geplant, informierte Klement. Insgesamt soll die Umsetzung - nach bestimmten Vorgaben - in die Hand einer darauf spezialisierten Firma gelegt werden, ergänzte Rangerin Hohnheiser.

Sie sprach wenige Meter vom Startpunkt entfernt auch von einem künftigen Waldklassenzimmer und sah einen Dolomit-Felsen (bei dem noch eine der wenigen erhaltenen Infotafeln des Jahrzehnte alten Naturerlebnispfads zu sehen ist) als idealen Platz für eine künftige Erlebnisstation, um das Thema "Geologie" aufzugreifen. Auch Toews konnte sich den Dolomit-Brocken als Kletterfels vorstellen, wobei für Klement - angesichts einer mächtigen Kiefer direkt daneben - hier auch eine "Sinnesstation zum Be-Greifen" entstehen könnte.

Das Areal ein Stück weiter erfüllt für Hohnheiser eine Doppelfunktion zur Erläuterung von Trockenrasen und Beweidung einerseits und wegen seiner etwas erhöhten Lage als Ausblick mit einer noch zu errichtenden Plattform andererseits, von der aus man bei gutem Wetter sogar die Zugspitze sehen kann. Hier seien deshalb ein Fernglas und zum Ausruhen ein sogenanntes Waldsofa, also eine ergonomische Holzliege, vorstellbar.

Auch das Thema "Totholz" mit stehenden und liegenden Bäumen für unterschiedliche Käfer und Insekten soll auf dem Walderlebnispfad nicht ausgeklammert werden und eine eigene Station erhalten.

Für den "Wald in Balance" wurde sogar schon Vorarbeit geleistet. Dazu sind bereits - für einen besseren Halt - gekerbte Baumstämme quasi als Balancestangen in einer Art Zickzack-Kurs mitten im Wald angeordnet.

Um den "Waldumbau" zu demonstrieren, ist Hohnheiser zufolge ein kleiner Weg in Labyrinthform durch einen vor einigen Jahren von der BN-Ortsgruppe gepflanzten Jungwald vorstellbar. Das Thema "Steinbruch" soll dagegen ohne eine Erlebnisstation abgehandelt werden - weil die Geländeabbrüche an dem Steinbruch erhebliche Rutsch- und Absturzgefahr bergen und man die Wanderer dieser Gefahr nicht aussetzen will.

Apropos Gefahr: Immer wieder kommt es auch auf Teilen der Strecke, die für den Walderlebnispfad angedacht ist, an engen, kurvigen und damit unübersichtlichen Stellen zu gefährlichen Situationen zwischen Mountainbikern und Spaziergängern. Die Verantwortlichen des Naturparks wollen deshalb das Gespräch mit Vertretern der Mountainbiker suchen und prüfen, wie ein gedeihliches Miteinander zu erreichen wäre - etwa durch die Ausweisung spezieller Strecken, auf denen die Radfahrer auch mal schneller unterwegs sein dürfen.

Gegen Ende der Runde - beziehungsweise für Schulklassen, die nicht so viel Zeit mitbringen, in gegenläufiger Richtung gleich kurz nach dem Start - ist dann noch ein Bereich vor allem für diese Zielgruppe vorgesehen. An mehreren Stationen geht es dann mit verschiedenen Baumarten und Hölzern um "Wald und Vielfalt", um "Waldfunktionen", die zeigen, was der Wald für die Menschen leisten kann, und um den "Wald im Klimawandel", laut Hohnheiser "klassische Grundschulthemen".

Damit man sich - gedanklich wie körperlich - (noch einmal) sammeln kann, gibt es am Anfang beziehungsweise Ende der Runde künftig einen Rastbereich, der mit "Kunstwerken aus Bäumen" aufgewertet wird. Einige sind jetzt schon zu sehen. Aber weil es am Reisberg kaum größere Tiere gebe, so Klement, sollen dort auch entsprechende "Tiere aus Holz" in die Bresche springen.

DK