Neuburg

Die Ministerin und der Landtag sind "cool"

14.02.2011 | Stand 03.12.2020, 3:09 Uhr

Pressekonferenz im Rathaus: Ministerin Haderthauer (2.v.r.) lauscht den Fraktionsführerinnen. - Foto: r

Neuburg (r) Der Bayerische Landtag debattierte gestern im Neuburger Rathaus: 50 Mädchen der Maria-Ward-Realschule verlegten ihren Unterricht ins Nachbarhaus und stellten eine Plenarsitzung mit allen Vorabeiten nach. Herausgekommen ist ein neuer Gesetzesentwurf zur Videoüberwachung in den Gemeinden.

"Hervorragend gemacht", urteilte Sozialministerin Christine Haderthauer, die als "Sondergast" bei der Schulveranstaltung vorbeischaute. Solche Unterrichtsformen dienten im besonderen Maße der allgemeinen und politischen Bildung. Sie wirkten der Politikverdrossenheit entgegen "und sollten ruhig auch für die Erwachsenen organisiert werden", meint die CSU-Politikerin aus Ingolstadt.

Sie erzählte aus der oft mühsamen Entscheidungsfindung in Fraktion, Ausschüssen und Landtag, während Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling aus dem Alltag eines geplagten Gemeindevertreters berichtete.

Die Aktion "Wir sind Landtag" organisiert CAP, das "Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München". Die Beteiligung der Mädchen sei hervorragend und der Besuch der bayerischen Sozialministerin ein Highligt gewesen, resümierte Doerthe Winter-Berke von der "Forschungsgruppe Jugend und Europa". Schulreformen, Jugendkriminalität, Wahlalter 16 und Videoüberwachung bietet die Uni-Gruppe als Themen an.

Die Neuburger Mädchenrealschule wählte das Videothema, bildete Fraktionen, Sprecher, Ausschüsse und alles was dazugehört. Am Ende brachten die Fraktionen ihre Ergebnisse im Plenum – im großen Sitzungssaal – ein. Die Mehrheit von CSU und FDP setzte ihre Fassung durch: Videoüberwachung schwerpunktmäßig an ausgesuchten Plätzen und Örtlichkeiten mit dreimonatiger Datenspeicherung, in Kriminalitätsfällen auch länger.

Das Landtagsspiel hat den Schülerinnen sichtlich Vergnügen bereitet. "Es war ein wirklich cooler Unterricht", fand Miriam Schickodanz, die eine Abgeordnete der Freien Wähler spielte. Gute Noten verteilte auch Schulleiter Franz Seidenspinner, der sich mit seiner Realschule für "Wir sind Landtag" beworben hatte.

Die Jugendlichen müssten konkrete Vorschläge formulieren, abstimmen, aufschreiben und der Versammlung präsentieren. "Das ist echte Praxis, das Konzept kann ich nur befürworten", so Rektor Seidenspinner.

Bevor Sozialministerin Christine Haderthauer zu einer realen Pressekonferenz nach München entschwand, bombadierten sie die "Abgeordneten" noch mit Fragen. Der Landtagspräsident hätte ruhig auch noch weiblich sein können, fand die CSU-Politikerin, die im Rathaus fleißig für die Frauenquote warb.