Zu

Die Menschenwürde ist unantastbar

04.09.2013 | Stand 02.12.2020, 23:43 Uhr

Zu den Berichten „Mit rundem Tisch aus der Misere“ (DK vom 28. August) und „Am Anschlag“ (DK von 27. Juni). Darin ging es um den Personalmangel im Pflegebereich in der Geriatrie in Neuburg und im Klinikum Ingolstadt:

Es häufen sich die Meldungen zur desaströsen finanziellen Lage der Kranken- und Pflegeeinrichtungen. Letztendlich wird am medizinischen Personal und an Pflegekräften gespart. So will es jedenfalls die starre Fallpauschale. Der Mensch ist aber kein Fall, sondern muss gemäß Grundgesetz „die Menschenwürde ist unantastbar“ behandelt werden! Gerade die Nachkriegsgeneration, die Deutschland unter schlimmsten Strapazen wieder aufgebaut hat, trifft es derzeit mit voller Härte und gerade diese muss wegen des Personalnotstandes kläglich leiden.

Der Toilettengang muss ausfallen, weil hier Hilfe versagt ist. Die Windel löst das Problem. So verbringt der gebrechliche Mensch eine gefühlte Ewigkeit alleine in seinem Zimmer. Ein Demenzkranker findet den Rufknopf nicht und kann sich nicht adäquat äußern. Das selbstständige Essen klappt nicht mehr so recht. Wer hilft? Wer wechselt die verschmutzte Kleidung? Traurigkeit und Einsamkeit überkommen den Patienten. Wer hält seine geschundene Hand wenigstens für 30 Minuten und hört zu?

Ist die Seele gesund, wird es auch der Körper. Die sorgenden Angehörigen kompensieren im großen Ausmaß den Pflegenotstand, erleben sie doch die Hektik des Fachpersonals, das am Rande der Erschöpfung arbeiten muss. Verloren sind die Betagten, die keine Verwandten haben. Wer bezahlt für sie jeden Monat mindestens 2500 Euro für ein Pflegeheim, wenn das Pflegegeld schon aufgebraucht ist?

Wann gibt es einen gesetzlich garantierten Anspruch auf umfassende gesundheitliche Versorgung und bezahlbare Pflege? Warum werden lebensnotwendige Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser größtenteils nur von Krankenkassen unterhalten und gesteuert? Warum wird den verantwortungsbeladenen Fachkräften kein gerechtes Gehalt bezahlt?

Die geriatrische Klinik in Neuburg darf sich nicht nur mit einem Kredit des Landkreises abspeisen lassen, sondern muss gesichert subventioniert werden. Das Klinikum Ingolstadt muss die fehlenden 50 Kräfte wieder einstellen und die Pfaffenhofener Klinik einem im Sinne der Kranken durchsetzungsfähigem Verwalter anvertraut werden. Unsere Landes- und Bundespolitiker wünschen ihren Angehörigen sicher auch eine immerwährend gute Gesundheit zum Geburtstag. Sie können selbst dazu beitragen.

Renate Lex, Gaimersheim