Ingolstadt

Die Lichter der Großstadt

Kunst und Wohnen: Im Nordosten des Zentrums ist neuerdings ein Gebäude der GWG blau beleuchtet

06.06.2016 | Stand 02.12.2020, 19:42 Uhr

Foto: Michael Brandl

Ingolstadt (DK) Aufmerksame Beobachter der Stadtsilhouette haben es vielleicht schon bemerkt: Im Nordosten scheinen seit gut fünf Wochen schmale blaue Lichtbahnen über den Dächern der City zu schweben, sobald sich die Dunkelheit über Ingolstadt legt.

Das leuchtende Blau zeichnet die Konturen des Dachs und des Aufzugsturms eines größeren Gebäudes nach. Gut zu erkennen ist es von den Hochhäusern in der Umgebung und von der Theodor-Heuss-Brücke aus, die über die Gleise beim Nordbahnhof führt. Bei dem illuminierten Gebäude handelt es sich jedoch nicht um einen neuen Gewerbebau, auf den aufmerksam gemacht werden soll oder gar um eine Signalbeleuchtung, die aus Sicherheitsgründen angebracht wurde. Vielmehr sind hier Kunst und Wohnbau eine Symbiose eingegangen, wie unsere Redaktion nach intensiver Recherche zum genauen Standort herausgefunden hat. Das blaue LED-Licht stammt von einem neunstöckigen Mietshaus im Minucciweg 2, das jüngst umgebaut und modernisiert wurde. Es gehört der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) und steht unmittelbar neben deren Verwaltungsgebäude.

"Die Beleuchtung dient der Identitätsstiftung für unsere Mieter und ist Teil des Programms Kunst am Bau", erklärt Peter Karmann, Geschäftsführer der GWG, die Lichtarchitektur. Immerhin jeder neunte Einwohner Ingolstadts habe mit der Gemeinnützigen in irgendeiner Form zu tun. Grund genug also, der GWG und ihren Mietern eine Art Wiedererkennungsmerkmal zu verschaffen, das sich gut einprägt, aber nicht zu markant erscheint. So zumindest erläutert Paul Melia, Landschaftsarchitekt bei der GWG, das von ihm kreierte künstlerische Lichtkonzept.

Umgesetzt wird es von der Wohnbaugesellschaft schon seit neun Jahren. "Immer bei großen Baumaßnahmen", sagt Karmann. Beispiele hierfür sind auch am Goetheplatz, bei der Schwinge an der Regensburger Straße und an der Richard-Wagner-Straße am Europan-Gebäude zu sehen.

Als nächstes möchte die GWG den Wohnkomplex an der Hinterangerstraße beleuchten, der noch dieses Jahr komplett fertiggestellt werden soll. Allerdings erst, wenn die Wohnungen bezogen und die Freianlagen sowie der Außenputz fertig sind. "Wir wollen das nicht an den Mietern vorbei machen", sagt Karmann. Auch eine neue Wahrnehmung von Vertrautem soll so entstehen. "Wie eine Kindheitserinnerung, an die man gerne zurückdenkt, wenn man die Beleuchtung sieht", formuliert es Melia.

Bei der Installation am Minucciweg handelt es sich jedoch bislang um die höchste angebrachte Beleuchtung, die deshalb auch aus der Ferne noch zu erkennen ist. Die Kosten lagen laut Karmann bei rund 20 000 Euro. Die Stromkosten trage ausschließlich die GWG und würden nicht auf die Mieter umgelegt, betont er. Die wiederum hätten durchweg positiv auf die Beleuchtung reagiert.

Wer die Lichtkunst live betrachten möchte, sollte zwischen 21.30 und 2 Uhr früh am Minucciweg vorbeischauen. Dann leuchten die Konturen des Hauses blau. Auch für Reisende, die nachts durch Ingolstadt fahren, ist die Lichtinstallation ein Hingucker. Ist doch angesichts vieler Lärmschutzwände entlang der Bahnstrecken aus Zugfenstern oft nicht mehr viel zu sehen.