Hilpoltstein

Die größte Triathlon-Fanmeile der Welt

"Nicht zu steigern, diese Stimmung am Solarer Berg": In Hilpoltstein erreicht die Challenge-Begeisterung ihren Höhepunkt

20.07.2014 | Stand 02.12.2020, 22:26 Uhr

Triathlon, Teil 2: Bei einer solch großartigen Unterstützung zaubert es den Triathleten selbst beim anstrengenden Erklimmen des Solarer Berges ein Lächeln ins Gesicht. Begleitet von einem Spalier aus tausenden Händen und Luftstangen und lautstarken Jubelrufen bahnen sich die Sportler den Weg hinauf - Foto: R. Münch

Hilpoltstein (HK) Die Jubelparty geht einfach weiter: Vor exakt einer Woche sind noch die deutschen Fußballer nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien bejubelt worden, gestern beim Challenge waren es die Triathleten, denen der Beifallssturm galt. Der Solarer Berg verwandelte sich dabei in eine Fanmeile der besonderen Art.

Es liegt etwas in der Luft, beinahe elektrisierend; es ist dieser ganz besondere Challenge-Zauber, wenn Menschen aus der ganzen Welt zu einem Wir werden und gemeinsam feiern. Wer nicht wenigstens einmal am Solarer Berg gewesen ist, der kann diese Begeisterung der Massen für den Triathlon eigentlich gar nicht begreifen. Kaum kommt man am Sonntagmorgen am Fuße des Solarer Berges an, taucht man ein in ein Meer aus hellgrünen Käppis und Luftstangen, das Rattern der Ratschen erfüllt die Luft.

Tausende Fans schreien sich die Seele aus dem Leib. Und der Bayern3-Moderator André Siems kitzelt noch das Letzte aus den Leuten heraus: „Ihr seid so spitze, ich brauche euch heute bis zum letzten Radler.“ Die Gute-Laune-Musik tut ein Übriges. Da schallt zum Beispiel Katrina and the Waves’ Evergreen „Walking on sunshine“ aus den Lautsprechern und verkündet: „It’s time to feel good.“ Recht haben sie, die Musiker: Denn einerseits scheint schon am frühen Morgen die Sonne so arg, dass man hier und da Schweißperlen auf den erwartungsvollen Gesichtern sieht. Andererseits ist die Stimmung in der Menge so gigantisch, dass man sofort angesteckt ist. Dann fährt der erste Triathlet ein, es ist der Topfavorit und spätere Sieger Timo Bracht. In der Menge gibt es kein Halten mehr.

Schon seit der Challenge noch Ironman hieß, kommen Herbert und Paula Waffler aus Meckenhausen zum großen Rother Triathlon: „Das ist so ein Erlebnis, da muss man dabei sein. Wie die Leute hier mitjubeln, da möchte man ja fast selbst mitmachen“, sagt Herbert Waffler. Für seine Frau ist der Challenge sogar „die schönste Sportveranstaltung überhaupt – und dann noch direkt vor der Haustür“. Ihr gemeinsames Fazit: „Nicht zu steigern, diese Stimmung am Solarer Berg.“

Ähnlich sehen das auch Markus und Nicole aus Pleinfeld. Ihr elfjähriger Neffe hat sie an den Solarer Berg geführt, schon zum dritten Mal ist Julian als Zuschauer dabei. Und weil er immer gar so geschwärmt hat, stehen jetzt auch seine Tante und sein Onkel in Hilpoltstein und feuern die Sportler kräftig an. „Um 4 Uhr sind wir aufgestanden, um den Schwimmstart mitzuerleben“, erzählt Nicole. Der Tag wird noch lange dauern, aber „es hat sich jetzt schon gelohnt“. Im nächsten Jahr werde er wiederkommen, weiß Markus jetzt schon. „Einmal dabei, immer dabei“, sagt er und strahlt über das ganze Gesicht.

„Es ist einfach toll, ein Teil von dem Ganzen hier zu sein“, sagt Alexander Maas aus Roth, dessen Familie jedes Jahr Triathleten aus der ganzen Welt kostenlos beherbergt. „Heuer haben wir den Schweden Erik Simon Strijk bei uns zu Gast“, erzählt er sichtlich stolz.

Dass am Solarer Berg viele Triathlonfans gar nicht wissen, wen genau sie gerade anfeuern, ist zweitrangig. So beschreibt es zumindest Michael aus dem Münsterland. Er habe im vergangenen Jahr selbst teilgenommen, erzählt er. „Jetzt wollte ich als Zuschauer herkommen und Roth das zurückgeben, was es mir gegeben hat.“ Er wisse, wie mächtig motivierend das Kreischen der Menge sei. Die Fans würden den Sportlern entlang der gesamten Strecke so eine starke Motivation geben, dass auch die steilen Abschnitte wie der Solarer Berg oder der Gredinger Kalvarienberg gleich leichter erzwingbar scheinen.

Die Stimmung überzeugt auch am Rand der Strecke: „Ich will mich nach dem Challenge selbst anmelden“, erzählt Edwin aus Trier. Erst habe er noch Bedenken gehabt – „aber nachdem ich das hier heute gesehen habe, gibt es keine Zweifel mehr.“ Es sei „eben der Ur-Triathlon hier und das spürt man“, schaltet sich Isabell aus Mainz dazu, die gekommen ist, um ihren Freund anzufeuern.

Ein attraktives Bild bieten Pavla, Ivana, Michaela und Marketa, die aus der Tschechischen Republik angereist sind. In Hotpants, Bikinitops und mit Cowboyhüten aus Stroh stehen sie am Fuß des Solarer Berges auf den Absperrungen und unterstützen die Radfahrer nicht nur akustisch. Wie Cheerleader feuern sie die Radler lautstark an. „Ein Freund von uns fährt mit, deshalb sind wir gekommen“, erzählt Pavla. Zuvor waren sie noch nie in Hilpoltstein. „Aber es ist wirklich toll: die Leute, das Essen, alles“, sagt auch ihre Freundin, die blonde Ivana. Dafür hätten sie gerne die vierstündige Fahrt auf sich genommen. Und den Stress: Alle vier mussten am heutigen Morgen schon wieder um 6 Uhr in der Arbeit antreten.

Mittlerweile fahren die Athleten im Sekundentakt ein, doch die Menge wird nicht müde, fast jeden Einzelnen mit einer Welle zu begrüßen. Immer schmaler wird die Gasse, durch die die Radfahrer zwischen den Menschen hindurchbrausen müssen. „Es ist halt so: Wenn Challenge ist, dann muss man dabei sein“, findet Peter aus Hilpoltstein. „Das wäre doch verrückt, da nicht hinzugehen.“ Und wie aufs Stichwort verkündet ein von den Massen überwältigter Bürgermeister Markus Mahl von der Bühne herab: „Ihr seid doch irre. Unglaublich, was ihr für eine Stimmung macht.“