Scheyern

"Die Gemeinde vertröstet uns nur"

Scheyrer Schützen und Fußballer kritisieren die Verwaltung Bürgermeister sieht durchaus Reaktionen

10.10.2016 | Stand 02.12.2020, 19:12 Uhr

Die Scheyrer Schützen - Dominik Kreuzer (von links), Melanie Kosel, Henry Schweigler, Michael Felbermeir und Robert Denk - bauen den Keller zum Schießstand um. - Foto: Lodermeyer

Scheyern (PK) Die Stimmung bei den Scheyrer Schützen droht zu kippen: "Die Nerven liegen blank", sagt Schützenmeister Dominik Kreuzer. Auch Stefan Koller vom ST Scheyern findet deutliche Worte: "Es läuft sich bei uns alles tot." Bürgermeister Manfred Sterz kann einen Teil der Vorwürfe nachvollziehen.

Seit Ende Juni werkeln die Schützen im Keller des ehemaligen Bürgertreffs: Weil das bisherige Schützenheim im Erdgeschoss zur Kinderkrippe umgebaut werden soll, ziehen die Sportler in den Keller - doch der Zeitplan ist schon lange gerissen. Zur neuen Saison wollten die Schützen bereits im Keller schießen, allerdings ist der Schießstand noch lange nicht fertig: Ein zweiter Notausstieg war nötig, außerdem musste eine Wand neu eingezogen werden. Auch das Waschbecken in der Toilette funktioniert noch nicht; einige Rohre sind noch nicht abgebaut; Dominik Kreuzer kann einige Beispiele nennen, wie die Gemeinde ihre Arbeiten im neuen Schützenheim noch nicht erledigt hat. Außerdem ist nun offenbar die Heizung in den bisherigen Räumen im Erdgeschoss abgedreht.

Deshalb lädt er nun seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung ein. "Irgendwann weiß ich nicht mehr, was ich den Mitgliedern sagen kann", erklärt der Schützenmeister. "Es muss von der Gemeinde jetzt was kommen." Denn noch gäbe es die Möglichkeit, dass die Schützen die Schießpause in den Weihnachtsferien wieder für den Verein opfern und den Umzug in den Keller stemmen - wenn denn bis dahin wirklich alles fertig ist.

Auch Stefan Koller wartet seit April auf eine Reaktion der Gemeinde: "Da gab es einen Beschluss, dass der Bolzplatz in Mitterscheyern hergerichtet wird", berichtet er. Heute steht der Platz nun wieder auf der Agenda der Gemeinderatssitzung - und auch Koller fordert, dass den Versprechen endlich auch Taten folgen, die Diskussionen liefen seit drei Jahren. "Zwei Jugendtrainer gehen zum Jahresende, weil es nicht mehr möglich ist, in Scheyern gescheit zu trainieren", erzählt Koller. "Teilweise trainieren drei Gruppen zur selben Zeit auf dem einen Platz in Scheyern." Wenn die Gemeinde den Platz in Mitterscheyern nicht herrichte, müsse der Verein Mannschaften abbauen.

Die beiden Vereinschefs fühlen sich von der Verwaltung allein gelassen. "Die Gemeinde kann gut zuhören. Aber wenn es ans Machen geht. . .", kritisiert Koller. "Das liegt nicht am jetzigen Gemeinderat. Das hat Tradition in Scheyern." In den vergangenen 25 Jahren sei viel versäumt worden. "Sie sagen nicht einmal Nein, sondern vertrösten uns nur." Der Gemeinde fehle das Verständnis für Vereinsarbeit.

Auch Kreuzer sieht das ähnlich: "Nach außen hin schaut es immer so gut aus mit dem Vereinsleben in Scheyern", sagt er. "Aber sobald du was von der Gemeinde brauchst, bist du verlassen."

Dabei geht es den beiden Vereinschefs nicht nur um die mittelfristigen Punkte - eben den Umbau im Keller des Bürgertreffs und auch den Bolzplatz in Mitterscheyern -, sondern auch um die langfristigen Ziele. Denn für die Schützen sind die Räume eine Übergangslösung. "Wir wollen etwas Eigenes schaffen", erklärt Kreuzer. Und auch Koller braucht in Zukunft wohl eine neue Heimat für den STS: Der Lärm im Sportheim verärgert die Anwohner, der Sportplatz selbst reicht in Zukunft nicht aus. "Deswegen war der Gedanke: Wir Vereine tun uns zusammen und bauen etwas Gemeinsames", sagt Koller. Ob das nun ein reines Sportzentrum für die Fußballer und Schützen oder eben auch eine Heimat für andere Vereine wie die Theaterbühne oder die Krieger werden könnte, das müsse man noch diskutieren. Wichtig sei allerdings: Die Gemeinde müsse dazu ein Grundstück organisieren. "Seit Monaten gibt es Gespräche", erzählt auch Kreuzer. Beide Vereine waren deshalb bei der Gemeinde. "Aber dass wir Drei uns mal zusammensetzen, das passiert nicht." Auch mit dem Kloster als Grundstückseigentümer habe die Gemeinde noch nicht gesprochen, sagt Koller.

Bürgermeister Manfred Sterz kann einen Teil der Vorwürfe nachvollziehen. Die Verzögerungen auf der Baustelle der Schützen gehen großteils auf Lieferschwierigkeiten bei Bauunternehmen zurück. "Und die Toilette, das habe ich selbst verbockt", sagt der Rathauschef. Der Bolzplatz in Mitterscheyern beschäftige die Gemeinde schon seit Jahren, immer wieder sei hier kurzfristig etwas gerichtet worden - doch "zweckmäßig" sei das auf lange Sicht nicht. Stattdessen überlegt die Gemeinde hier eine große Sanierung für mehr als 100 000 Euro. "Jetzt ist die Reaktion der Gemeinde, dass es auf der Tagesordnung im Gemeinderat steht." Zu den Überlegungen zu einem Sportzentrum möchte Sterz zwar nicht zu viel verraten, aber der Bürgermeister erklärt: "Es gibt schon Gespräche im Hintergrund. Wenn man sagt, es passiert nichts, das ist heftig."