Dietfurt

Die Chance zum Neubeginn

Rathauschefin ruft zur Zusammenarbeit auf – Erstmals ein Vize-Bürgermeister aus jeder Fraktion

13.05.2014 | Stand 02.12.2020, 22:42 Uhr

Eine der ersten Amtshandlungen: Bürgermeisterin Carolin Braun (von links) vereidigte Christian Linz, Werner Eberl, Birgit Ketzler, Andreas Haußner und Bernd Mayr.

Dietfurt (uke) In Dietfurt hat am Montagabend eine neue Zeit begonnen. Zum ersten Mal steht eine Frau, noch dazu mit dem Parteibuch der SPD, an der Spitze der Sieben-Täler-Stadt. Und zum ersten Mal stellt mit Oliver Kuhn (CSU) und Bernd Mayr (FW) jede Stadtratsfraktion einen Stellvertreter.

In drangvoller Enge harrten die vielen Zuschauer aus, die bei dieser historischen Sitzung der Vereidigung der neuen Bürgermeisterin zuschauen wollten. Sogar an den Längsseiten des Sitzungssaals waren Stühle aufgestellt worden.

„Lampenfieber ist erlaubt.“ Mit diesem Satz ihres Kommunikationstrainers eröffnete Braun ihre erste Sitzung. Viel Aufregung war ihr nicht anzumerken, vielmehr brachte sie die konstituierende Sitzung gut vorbereitet und souverän hinter sich. Lediglich im Umgang mit der Technik nahm sie gelegentlich etwas Unterstützung in Anspruch. Zu Beginn betonte sie, dass es ihr eine große Ehre sei, dieses Amt ausfüllen zu dürfen. An die Fraktionen appellierte Braun, sich einzulassen auf neue Ideen, Wege und Strategien. Alt gediente Stadträte bat sie, Vergangenes ruhen zu lassen und zu begraben. „Der Beginn dieser Stadtratsperiode könnte ein guter Zeitpunkt sein“, schwor Braun den Stadtrat auf die nächsten sechs Jahre ein, der sicher mit mehr Arbeit verbunden sei als bisher. Den Verlust der absoluten Mehrheit der CSU/CWU-Fraktion sah Braun als Chance. „Wir müssen immer miteinander im Gespräch bleiben, um einen Weg für unsere Ziele zu finden“, folgerte Braun. An die Zuhörer im Sitzungssaal richtete sie – stellvertretend für alle Bürger in der Stadt und den Ortsteilen – die Bitte, sich noch stärker als Dietfurter zu begreifen. „Wenn wir ein Stück zusammenrücken, können wir gemeinsam noch mehr für die Großgemeinde erreichen.“

Nach dem Amtseid, den ihr als ältestes Mitglied des Stadtrats Adolf Karg (SPD) abnahm, ging es an die Wahl der Stellvertreter. Wie schon im Wahlkampf hatte Braun auch in ihren einführenden Worten betont, dass es ihr erklärter Wille sei, „jede Fraktion mit einem stellvertretenden Bürgermeister auszustatten“. Daran hielten sich die Fraktionen dann auch an diesem Abend. Die Wahl der Stellvertreter ging zügig über die Bühne, das Ergebnis entsprach den Erwartungen der Gemeindechefin.

Für das Amt des Zweiten Bürgermeisters wurde nur ein Name vorgeschlagen, Christian Linz nannte den von Oliver Kuhn. Der bisherige Fraktionssprecher erhielt in geheimer Wahl 19 der 21 abgegebenen Stimmen, auf zwei Zetteln stand der Name der bisherigen Vize-Bürgermeisterin Ilse Werner (CSU). Für das Amt des weiteren Stellvertreters schlug Harald Uhl (FW) seinen Fraktionskollegen Bernd Mayr vor, Werner konnte sich wegen der vielen anstehenden Aufgaben beim weiteren DSL-Ausbau den Fachmann Johannes Seelus von den Freien Wählern genauso in diesem Amt vorstellen. FW-Bürgermeisterkandidat Mayr bekam 15 Stimmen, Seelus sechs.

Carolin Braun nahm als eine ihrer ersten Amtshandlungen als Bürgermeisterin ihren Stellvertretern den Amtseid ab, ebenso wie zuvor den neuen Mitgliedern des Gremiums. Bernd Mayr wurde gleich zweimal an diesem Abend vereidigt, da er zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt wurde. Außer ihm hoben Stadtrat-Rückkehrer Christian Linz (CSU), Andreas Haußner und Birgit Ketzler (beide SPD) sowie Werner Eberl (CWU) die Hand zum Schwur.

Einstimmig wurde die Geschäftsordnung der Stadt Dietfurt beschlossen. Neu ist, dass die Stadträte Sitzungseinladungen und Protokolle nicht mehr mit der Post zugestellt bekommen, sondern per E-Mail. Die Ausschüsse bleiben nach wie vor beschließend, das gilt auch für den Kultur- und Tourismusausschuss, der bisher nur vorberatend war. Ilse Werner wies auf das im Jahr 2016 anstehende Stadtjubiläum hin, dessen Vorbereitung eine Herkulesaufgabe sein werde. „Gerade da fehlen mir in dem Ausschuss wichtige Personen, die nicht im Stadtrat sind“, meinte sie. „Ein Ausschuss muss beschließend sein, sonst brauchen wir ihn nicht“, befand Harald Uhl – und damit war alles Wesentliche gesagt. Zu guter Letzt wurde beschlossen, das Sitzungsgeld zu erhöhen. Für eine Stadtratssitzung gibt es künftig eine Aufwandsentschädigung von 35 Euro statt bisher 25 Euro, für den Rechnungsprüfungsausschuss sowie für Sondersitzungen und Klausurtagungen wurde der Betrag von 50 auf 100 Euro erhöht.