Röttenbach

Deutscher Orden prägt den Ort

Ritterorden mit geistlichem Hintergrund - VHS-Auftakt in Röttenbach zum Jahresthema "Heimat bewegt"

28.02.2019 | Stand 02.12.2020, 14:32 Uhr
Johann Schrenk
Hermann Seis eröffnet das VHS-Jahresthema "Heimat bewegt" mit einem spannenden Vortrag zum Deutschen Orden. −Foto: Schrenk

Röttenbach (HK) "Heimat bewegt", so lautet das Jahresthema der Volkshochschule Landkreis Roth. Den Auftakt zur Reihe machte der Historiker Hermann Seis aus Ellingen mit einem Vortragsabend zum Deutschherrenorden, der auch Röttenbach geprägt hat. Und was hätte sich da besser angeboten als das ehemalige Deutschordenssschulhaus in Röttenbach?

Ellingen geht auf ein von Berchtesgadener Chorherren betreutes Spital zurück. Groß und bedeutend wurde der Ort aber erst durch den Deutschen Orden. Dieser hatte das Spital 1216 von Kaiser Friedrich II. übertragen bekommen. Mitte des 13. Jahrhunderts gründete der Deutsche Orden in Ellingen eine Landkommende, eine Verwaltungseinheit auf Bezirksebene. Der Orden war ein bedeutender Ritterorden geistlicher Herkunft. Mit schwarzem Kreuz auf weißem Mantel zog man gegen die "Heiden" - zunächst noch im Heiligen Land selbst, später dann im heidnischen "Pruzzn" (Preußen). 1309 errichtete man die bekannte Marienburg als Hauptsitz im Osten.

1410 wurde der Deutsche Orden von den Polen in der Schlacht bei Tannenberg erstmals besiegt, danach verlagerte er seine Aktivitäten auf das Inland - auch auf Franken. Die Ellinger Kommende galt als reichste der 13 Provinzen des Ordens auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Die Provinz Franken umfasste in etwa das Gebiet der heutigen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern.

Ellingen entwickelte sich schnell zur Landkomturei der Provinz, also zum Sitz der Deutschordensverwaltung in Franken. 1552 wurde die Ellinger Wasserburg des Ordens zusammen mit großen Teilen der Ortschaft von den Ansbacher Markgrafen zerstört. Auch die nachfolgende Schlossanlage, ein Vierflügelbau im Stil der Renaissance, überlebte die Geschichte nicht. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg eingenommen und gebrandschatzt.

Ellingens große Zeit kam mit dem Landkomtur Karl Heinrich Freiherr von Hornstein (1717-1745). Er engagierte mit dem Ordensbaumeister Franz Keller (1682-1724) und dessen Nachfolger Franz Joseph Roth (1724-1750) zwei der namhaftesten Architekten der Zeit. Unter ihrer Leitung erhielten Schloss und Stadt Ellingen ein völlig neues Gesicht - und das aus einem Guss.

Der Deutsche Orden begann im Jahre 1216 damit, sich in Röttenbach und Niedermauk einzukaufen, erklärte Hermann Seis. Nachdem er von den Heideckern die Vogteirechte erworben hatte, ging er dazu über, sich "Stück für Stück" in Röttenbach festzusetzen. 1250 verkaufte Konrad von Ellingen seinen Röttenbacher Besitz an den Deutschen Orden, der den Ort schließlich im Jahre 1335 vollständig in Besitz nahm. Er setzte für die Verwaltung seiner neuen Erwerbungen einen Vogt in Röttenbach ein, der auch richterliche Aufgaben übernahm. Seinen Sitz hatte er vermutlich im ehemaligen Deutschordens-Forsthaus (heute Deutschherrnstraße).

Aus dem Jahre 1495 ist eine erste Steuerliste für Röttenbach überliefert, wonach es hier 44 Haushalte gegeben hat, allesamt kleinere Gütlein ohne großen Wohlstand. Nur eine einzige Frau besaß Knechte und Mägde, und nur in acht Haushalten sind Kinder bezeugt. Schon aussagekräftiger ist dann das Salbuch des Deutschen Ordens aus dem Jahre 1536. Hier wurde bereits nach der Geburt, dem Lehensherr, der Religion und dem Grundstücksvermögen gefragt. Die Bauern waren nur die Pächter der jeweiligen Lehensgüter. Im Todesfall wurde der Sohn in das Lehen übernommen. Nach diesem Salbuch gab es 1536 in Röttenbach bereits 56 Anwesen, einschließlich eines Pfarrhofs.

Für das Frühjahr 1575 ist ein Verbrechen dokumentiert, wonach im Ellinger Schloss zwei Küchenjungen ums Leben gekommen waren. Für ihren Tod wurden vier Röttenbacherinnen, die in der Schlossküche arbeiteten, verantwortlich gemacht. Sie sollen die beiden Knaben beim Liebesspiel erwürgt haben, wofür sie nach einem Geständnis zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden.

Anlässlich einer Huldigungszeremonie wurde 1667 eine neue Liste aller Röttenbacher Haushalte erstellt. Anlass war der Tod des Lehensherrn. Seinem Nachfolger, Freiherr von Grafeneck, musste jeder einzelne Pächter aus Röttenbach den Lehenseid neu schwören. Dabei wurden hier nur noch 25 Haushaltsvorstände erfasst. Die Röttenbacher Bevölkerung war durch die Kriegswirren der Jahre von 1618 bis 1648 um gut die Hälfte reduziert worden.

Hermann Seis berichtete noch von einem "Juden-Wirtshaus" in Röttenbach, ein gastronomischer Betrieb, der vor allem von durchreisenden jüdischen Händlern und Kaufleuten auf ihrem Weg nach Nürnberg als Übernachtungsquartier genutzt wurde. In diesen Gasthof war eingebrochen worden. Die "Spitzbuben", die die Wirtsleute gefesselt und ausgeraubt hatten, wurden festgenommen und ins markgräfliche Oberamt nach Roth gebracht, wo sie verhört und im "Judenturm" eingesperrt wurden.

Immer wieder kam es vor, dass die Ansbacher Fürsten - und hier im Besonderen der "Wilde Markgraf" Carl Wilhelm Friedrich, der in Gunzenhausen resisidierte - dem Deutschen Orden "das Leben schwer machten". Röttenbach war eine Deutschordens-Exklave innerhalb markgräflichen Gebiets und deshalb in besonderem Maße den Drangsalierungen von Seiten der markgräflichen Beamten ausgesetzt. Dabei ging es um Holzzuteilungen im Röttenbacher Wald. Der Holzverbrauch war zu dieser Zeit enorm, so auch auf Seiten des Deutschen Ordens, der für den Schlossbau in Ellingen Unmengen an Holz benötigte. Das traf auch auf die Markgrafen mit ihren Schlossbauten in Ansbach, Roth oder Gunzenhausen zu. Die Auseinandersetzungen spitzten sich dramatisch zu, wobei der Deutsche Orden Röttenbach halten konnte, während er von den Ansbachern aus Ellingen vertrieben wurde.

Es kam zu der abstrusen Situation, wonach die Röttenbacher zur Durchsetzung ihrer Belange einen Ansbacher Anwalt engagiert hatten, der dann von den Ansbachischen im Deutschordensort Röttenbach verhaftet und nach Ellingen, das inzwischen markgräflicher Hoheit unterstand, gebracht wurde. Um den Ort vor solchen Vorfällen zu schützen, beorderte der Kaiser österreichische Soldaten nach Röttenbach, wo diese für Ruhe und Ordnung zu sorgen hatten. Herman Seis konnte herausfinden, dass es sich die Truppe in Röttenbach gut gehen hat lassen. Sie wurde von den Röttenbachern aufs Beste mit Speis und Trank versorgt. 1810 kam das Deutschordensgebiet zum Königreich Bayern, und damit "endet die Geschichte", erklärte Hermann Seis.

 

Johann Schrenk