Ingolstadt

Der Tradition verbunden

75-jähriger Jan Lachucik pflegt mit dem Stammtisch ESV Alte Liga das Andenken an die Ringseer Fußballer

29.05.2019 | Stand 02.12.2020, 13:51 Uhr
Jan Lachucik (links) in Aktion beim 7:2-Sieg des ESV 1966 gegen Kickers Würzburg. Rechts als nimmermüder Organisator des Stammtisches ESV Alte Liga - mit der geschnitzten Dampflok als Symbol. −Foto: privat/G.Sterner

Ingolstadt (DK) Gut, dass seit dem Abstieg des FC Ingolstadt wenigstens zwei Tage vergangen sind, bevor Jan Lachucik seinen 75. Geburtstag feiert.

So hatte der leidenschaftliche Fußballanhänger immerhin ein bisschen Zeit, den Abstieg der Schanzer zu verdauen. Für den früheren Spieler des ESV Ingolstadt wäre es ein schönes vorzeitiges Geschenk gewesen, wenn der FCI den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geschafft hätte.

Zu schade, dass das nicht geklappt hat. Der mit seiner Frau in Gelbelsee lebende ehemalige Audianer weiß schließlich auch, dass die Traditionspflege der aufgelösten ESV-Fußballabteilung nicht zuletzt durch erfolgreiche Schanzer Aufmerksamkeit erfährt. Lachucik ist nämlich nicht nur treibende Kraft im Stammtisch ESV Alte Liga, für den er stets ehemalige Spieler zu gewinnen versucht, sondern auch Initiator mehrerer Aktionen, die beim FCI an die beiden Vorgängerklubs ESV und MTV Ingolstadt erinnern, aus denen die Schanzer 2004 hervorgingen.
Vor allem die Schautafeln mit historischen Fotos, die er in Zusammenarbeit mit Ex-MTV-Kapitän Walter Anspann und dem langjährigen ESV-Spielführer Walter Zieglmeier zusammentrug, erinnern in den Medienräumen im Audi-Sportpark an die Fußballhistorie der Stadt. "Die Wurzeln des FCI sollen sichtbar bleiben", lautet Lachuciks Credo. Nicht zuletzt initiierte der umtriebige Jubilar bereits einige Treffen früherer MTV- und ESV-Fußballgrößen im Audi-Sportpark.
Lachuciks eigene Fußballerlaufbahn spiegelt die Verbindungen wider. Über den TV 1861 kam der aus Kattowitz stammende Jubilar 1964 zum ESV, wo er nach dem Abstieg am Neuaufbau beteiligt war. Der Mittelfeldspieler hatte es aber schwer, sich in der Regionalliga gegen die starke Konkurrenz im eigenen Kader durchzusetzen und kam daher erst nach dem Abstieg auf Einsätze in der ersten Mannschaft. Als Höhepunkte seiner persönlichen Erlebnisse nennt Lachucik die Bayerische Meisterschaft 1968, ein Freundschaftsspiel gegen Bayern München (2:2) und eine dreiwöchige Freundschaftsspielreise durch die USA, ehe er 1969/70 noch für eine Saison beim MTV spielte.
Dem früher im Personalwesen tätigen Jubilar, der bei Audi jahrelang das China-Programm für Ingenieure betreute, schwebt daher eine noch stärkere Verbindung der einstigen Kontrahenten in der Traditionspflege vor, beispielsweise ein gemeinsamer Stammtisch mit dem MTV. "Unser Problem ist, dass die MTV-Fußballer noch einen Verein hinter sich haben, wir beim ESV nicht mehr", sagt Lachucik. Er muss daher stets um Aufmerksamkeit für die Recken von einst kämpfen. So wie zuletzt bei der 100-Jahrfeier der Ringseer, als er selbst ein Treffen der Deutschen Amateurmeistermannschaft von 1979 organisierte - schließlich jährt sich dieses Ereignis auch schon zum 40. Mal. Am Vatertag darf sich Lachucik aber selbst feiern lassen, von seiner Familie mit den beiden Kindern und einem Enkel sowie seinen Fußballkameraden. Und vielleicht holen die Schanzer dann im nächsten Jahr mit der Rückkehr in die 2. Bundesliga das dieses Mal verpasste Geschenk nach.

Gottfried Sterner