Dieselmotor

Der Schöne und das Biest

Mit dem M550d bringt BMW einen 381-PS-starken Diesel-Dampfhammer – mit dem 640d einen eleganten Cruiser

24.02.2012 | Stand 03.12.2020, 1:48 Uhr

 

Dieselmotor und Sportlichkeit – lange passten diese beiden Begriffe nicht zusammen. Ein Selbstzünder war eher etwas für praktisch denkende Kombibesitzer oder Geländewagenfahrer. Wer wirklich dynamisch unterwegs sein wollte, griff zum Benziner. Doch die Zeiten ändern sich. Der für Sportlichkeit und Fahrdynamik bekannte BMW-Haustuner – die M-GmbH – hat sich dem Thema angenommen: Heraus kam der M550d xdrive. Hinter dieser kryptischen Bezeichnung verbirgt sich ein 381-PS-starker Diesel-Allradler mit satten 740 Newtonmetern Drehmoment.

Doch Zahlen sind etwas für Mathematiker. Was zählt, ist der Fahreindruck – aber auch der überzeugt. Schon ein zartes Streicheln des Gaspedals quittiert der M550d xdrive mit druckvollem Vortrieb und beweist welche Kraft in den Tiefen des Motorraums schlummert. Drückt man das Pedal weiter Richtung Bodenblech, presst es die Besatzung ordentlich in die Sitze. Und der Steuermann bekommt feuchte Hände – so eine Kraftentfaltung lässt das eher biedere Äußere nicht vermuten.

Dass der M550d so gewaltig voran marschiert, liegt auch daran, dass das maximale Drehmoment schon bei 2000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. In gerade einmal 4,7 Sekunden katapultiert der M550d seine Insassen von 0 auf 100 Stundenkilometer. Natürlich nur, wenn es gewünscht wird, denn es lässt sich mit ihm auch wunderbar dahingleiten. Beachtlich auch der Verbrauch: im EU-Zyklus sind es 6,3 Liter auf 100 Kilometer. Das gelingt in der Realität wohl eher nicht, wer zügig unterwegs ist, muss schon ein paar Liter addieren. Trotzdem bleibt der Durst für diese bärenstarke Motorisierung im Rahmen.

Die fein abgestimmte Acht-Stufen-Automatik sortiert die Gänge derart zügig und sanft, dass der Fahrer davon fast nichts mitbekommt. Auch beim Motorsound hatten die BMW-Ingenieure ein glückliches Händchen: Mit seinem kernigen Klang muss sich das Diesel-Triebwerk – einem Drei-Liter-Reihensechszylinder mit dreifacher Turboaufladung – vor keinem Benziner verstecken.

Der M550d ist das erste Modell der neuen, so genannten Performance-Reihe. BMW möchte mit dieser Linie in eine Produkt-Lücke vorstoßen. Die sehen die Münchner zwischen den normalen Serien-Top-Modellen und den aufgemotzten PS-Boliden der M-GmbH. Hier vermuten die BMW-Strategen Potenzial für neue Kunden, denn offenbar ist im Moment manch potenziellem Käufer der Sprung beispielsweise vom 5er zum Extrem-Sportler M5 zu groß. Der Plan könnte aufgehen, denn mit dem neuen 381-PS-Diesel sind die Münchner praktisch konkurrenzlos. Auch für andere Baureihen planen die Münchner solche Performance-Modelle.

Ebenfalls neu im Programm ist der 640d xdrive. Und auch dieses Allrad-Modell ist mit einem 313-PS-starken Dieselaggregat alles andere als untermotorisiert. Und trotzdem ist das Fahrzeug kein bretthart abgestimmter Sportler – eher ein Gentlemen-Coupé. Ein schicker Cruiser, in dem man als Fahrer lässig den Arm auf der Türablage platziert und auf der Landstraße dahingleitet. Immer in dem Wissen, dass man genügend Power unter der Haube hat, um Gas zu geben – wenn man denn wollte. Auch im 640d xdrive verrichtet die Acht-Stufen-Automatik tadellos ihren Dienst.

Der Innenraum wurde gestaltet unter dem Motto: Schöner wohnen. Der gut ablesbare Navi-Monitor hat schon fast die Größe eines kleinen Flachbildfernsehers und auch sein extremes Breitbild-Format kann überzeugen. Besonders gut gelungen ist auch die Darstellung beim Rückwärtsfahren: Per Computerberechnung sieht der Fahrer dann sein Fahrzeug von oben, praktisch aus der Hubschrauber-Perspektive. Sehr hilfreich bei den unübersichtlichen Abmessungen. Weniger toll dagegen, das bei unserem Testwagen äußerst träge Navigationssystem, das gelegentlich für Verwirrung und daraufhin verpasste Abfahrten sorgte.

Bei aller Eleganz verloren die Designer im Innenraum aber auch die Nutzbarkeit nicht aus den Augen: In der breiten Mittelkonsole befindet sich ein großes Staufach, dessen zwei Luken sich per Knopfdruck getrennt öffnen lassen. Hier findet dann auch das iPhone oder der iPod Anschluss.

Billig sind die beiden Diesel-Boliden nicht: Die Preise beginnen beim 640d xdrive bei 81 680 Euro, beim M550d xdrive bei 80 800 Euro. Dank der langen Aufpreisliste lässt sich aber locker die 100 000-Euro-Marke knacken. Beim Händler stehen die beiden ab März (640d xdrive) beziehungsweise im Mai (M550d xdrive). DK