Motorsport

Der ramponierte Renault rollt wieder

Wie der Pfaffenhofener Motorsportler Daniel Nadelstumpf sein zerstörtes Auto wieder renntauglich bekommen hat

24.03.2022 | Stand 24.03.2022, 19:12 Uhr
Erhard Wallenäffer
Wieder auf der Piste: Daniel Nadelstumpf führt hier das Feld mit seinem Renault Clio an. −Foto: NATC

Pfaffenhofen - "In dem Moment, in dem du einsteigst, muss Dir klar sein, dass jeder Rennmeter an der Grenze zum Schrotthaufen ist.

Am gescheitesten ist es, sich vorsorglich vom Auto zu verabschieden. " Diese Worte sprach Daniel Nadelstumpf am 24. Oktober vergangenen Jahres an der Rennstrecke in Oschersleben. Tatsächlich hatte er sich gerade von einem Haufen Schrott verabschiedet.

Nach einem Einschlag ordnete Nadelstumpf seinen Renault Clio Cup 4 in die Kategorie "Nicht reparabel" ein. Umso erstaunlicher, dass es der Pfaffenhofener Tourenwagen-Rennfahrer im Winter doch schaffte, sein Auto wieder renntauglich zu machen.

Wer annimmt, dass es heutzutage keine Rennfahrer mehr gibt, die ihren Sport mit Leidenschaft betreiben, sollte diese Details studieren: Gleich am Tag nach dem "Oschersleben-Fiasko" legte Nadelstumpf damit los, sein Rennauto auseinander zu bauen. "Bis auf die letzte Schraube war das Auto zerlegt, ich konnte alles selber machen und meine eigene Zeit kostete ja nichts", stellt Nadelstumpf klar, der als KFZ-Meister die Werkstatt eines Pfaffenhofener Autohändlers leitet.

Schon eine Woche später befand sich die Rohkarosse in Rotterdam. Wenn es um den Transport dorthin geht, spricht der Pfaffenhofener lachend von einer "Mega-mega-Aktion": "Wir sind zu zweit in einem Zug hin und wieder zurück gefahren, insgesamt 1600 Kilometer. " Abgegeben wurde das arg verbeulte Gerippe bei einem Spezialisten, der auch die ramponiertesten Rennkarossen noch retten kann, wie Daniel Nadelstumpf vermutet: "Der Typ ist echt der Hammer, er richtet ausschließlich Renault-Rennautos, ist mit Max Verstappen befreundet und weiß definitiv, was genau zu tun ist. "

Gerade einmal eine Woche brauchte der Experte für die Instandsetzung - und gleich startete Nadelstumpf wieder in Richtung Niederlande. "Auch beim Abholen waren wir gut 23 Stunden unterwegs", erzählt der 35-Jährige. Auf die Frage, ob er in diesem Punkt ein bisschen "wahnsinnig" sei, räumt er lachend ein: "Ja - wohl schon, aber was willst du machen? " Positiv-wahnsinnig versteht sich, jedenfalls waren auch zu Hause noch unzählige Arbeitsstunden fällig, um den Clio wieder rennfähig zu machen.

"Zum Glück hatte ich in meinem Lager fast alles parat liegen, was ich an Teilen brauchte. Die Lackierung hat derweil Katharina Korb durchgeführt, auch das half mir immens", bekräftigt Nadelstumpf und fügt hinzu: "Nur deswegen ging das, sonst hätte ich den Karren verschrotten müssen. "

So aber wurde der "Karren" doch wieder um einen Rundkurs gepeitscht, erstmals Anfang des Monats in Most (Tschechien). "Das Auto funktionierte gleich perfekt. Während der 250 Test-Kilometer, hatte es nicht das kleinste Wehwehchen", berichtet Nadelstumpf. Jedoch lief es bei ersten Renneinsatz nicht ganz nach Wunsch: Beim NATC-Sprintrennen (Norddeutscher ADAC Tourenwagen Cup), am vergangenen Samstag in Oschersleben, wurde Daniel Nadelstumpf im Mittelfeld abgewunken. Am Sonntag konnte er wegen eines technischen Defekts nicht starten.

PK

Oschersleben: Bremsbalance bereitet Sorgen

Oschersleben - Es war die Rückkehr an die Rennstrecke, auf der sich im letzten Herbst Daniel Nadelstumpfs fataler Unfall ereignete. Zufrieden wirkte er nach dem ersten Start am Samstag mit Platz 15 unter 23 Startern nicht: "Massive Probleme mit der Bremsbalance und blockierende Hinterräder machten mir zu schaffen. Jedoch habe ich mich im Auto wohlgefühlt und hatte auch keine Angst vor Zweikämpfen. Im Vergleich zum letzten Jahr bin ich kaum langsamer gefahren. Die Tendenz stimmt, denn ich habe in der Schlussphase aufgeholt. "

Ein bislang unbemerkter Folgeschaden vom Oktober-Unfall verhinderte am Tag darauf einen Start beim zweiten Sprintrennen. Nadelstumpf berichtet von plötzlichen Ausfällen der Kraftstoffpumpe im freien Training: "In den schnellen Kurven erwischte der Motor keinen Sprit mehr - schuld war ein Bruch an der Pumpe, der sich nicht angedeutet hat. " Ärgerlich, zumal Nadelstumpf das benötigte Teil daheim vorrätig hat. "Aber das konnte man nicht ahnen. Bei den nächsten Rennen in drei Wochen werde ich wieder angreifen. "

wff

Erhard Wallenäffer