Eichstätt

Der Naturästhetik auf der Spur

Der Naturfotograf und Land-Art-Künstler Lars Günther zeigt seine Werke in der Buchhandlung Cebulla

19.09.2017 | Stand 02.12.2020, 17:28 Uhr

Foto: Dagmar Kusche

Eichstätt (EK) Drei Dinge hat Lars Günther immer dabei, wenn er auf fotografische Entdeckungsreise geht: sein Fahrrad, ein Taschenmesser und natürlich seine Kamera. Nicht nur die Natur hat es dem jungen Fotokünstler, Jahrgang 1996, angetan. Es ist vor allem das künstlerische Schaffen in der Natur und mit deren Materialien - "Land-Art" -, das den Nachwuchsfotografen fasziniert. Eine eindrucksvolle Auswahl seiner schönsten Fotografien stellt Günther nun unter dem Titel "Draußen. Land-Art und Fotografie" in der Galerie der Buchhandlung Christof Cebulla aus.

Mit offenen Augen durch die Natur streifen, das hat Lars Günther, geboren im niederbayerischen Rohr bei Abensberg, schon immer geliebt. Ob frisches Blättergrün im Frühling oder bunte Farben im Herbst, immer schon entdeckte Günther Motive und Naturmaterialien, die sich in Sekundenschnelle erst in ein Bild im Kopf und dann in ein eindrucksvolles Foto verwandelten: "Oftmals gehe ich schon mit einer bestimmten Vorstellung von dem, was ich künstlerisch machen und fotografieren möchte, in die Natur. Doch die Natur bietet genauso oft auch Überraschungen und spontane Motive, die sich wunderbar für Land-Art oder Naturfotografie eignen", berichtet Günther.

Als kleiner Junge schon schmökerte Günther in den faszinierenden Bildbänden des englischen Land-Art-Künstlers Andy Goldsworthy, der nur mit in der Natur vorkommenden Materialien arbeitet und diese mithilfe der Fotografie dokumentiert. Doch die ersten Begegnungen mit seinem heutigen Hobby verdankt Günther seiner Großmutter, die ihn schon vor rund zehn Jahren auf Musik- und Kunstfreizeiten der "Musischen Gesellschaft" ins hessische Fürsteneck bei Fulda mitnahm. Musik, Tanz und Theater standen ebenso auf dem Programm der Freizeiten wie Kunst, Fotografie und auch Land-Art. Seitdem lässt er sich dort alljährlich für seine Arbeiten inspirieren. Mit seiner Mutter, die Gartenlandschaftsbau studierte, hat der junge Künstler bereits eine erste Ausstellung organisiert.

Inzwischen nutzt Günther jede Gelegenheit, seinem Hobby in der Freizeit, vor allem am Wochenende, zu frönen. Der junge Fotograf, der in Rennertshofen als Reitsportsattler tätig ist, hält sich in seinen Lieblingswäldern um Wellheim, Gammersfeld und Hütting auf, wo die meisten seiner bei Christof Cebulla ausgestellten Werke entstanden sind. Die natürliche Ästhetik des Materials und der spielerische Zugang zur Natur lassen immer wieder neue Ideen entstehen, meint Günther. Dennoch: seine Ansprüche an die Land-Art-Objekte und Fotografien seien gestiegen: "Mir geht es nicht allein um Dokumentation von Naturobjekten, sondern auch um ganzheitlich hervorragende Fotografien, bei denen das Motiv, das Licht und der Hintergrund in der Gesamtheit stimmen. Dafür braucht man viel Geduld."

Das sieht man seinen Exponaten an. Da blickt der Betrachter auf ein Ensemble von blumenförmig aneinandergelegten Knospen von Buchenblättern, deren frisches Frühlingsgrün schon nach außen drängt, auf waghalsig ausbalancierte Steintürme, herrliche Farbübergänge aus kunstvoll arrangierten Herbstblättern, auf ein Schneekunstwerk oder eine 1,30 Meter große Kugel aus gelegten Hölzern. Nur aus Felsen und Kalksteinen hat Günther im Wellheimer Wald eine Brücke über einen kleinen Wasserfall gebaut, der sich nach einem Starkregen im Mai seinen Weg durch frisches Moos an den Rändern bahnt - ein Naturidyll, von dem man kaum glauben kann, dass man es in unseren Wäldern findet. Künstlerisch Hand angelegt hat Günther auch bei Schilfblättern, die er an einem Bachlauf mit Schlehendornen in Dreiecksform zusammensteckte und mit rosafarbenem Springkraut dekorierte. Der junge Künstler, der übrigens neben der Naturkunst das Singen im Eichstätter Chor "Chorisma" liebt, hat auch mit Lehmkugeln gearbeitet, die er in Schneeballgröße aus einer Sandgrube formte, die Waldtiere aufgewühlt hatten. Die Kugeln legte er in gleichmäßigem Abstand auf einen liegenden Baumstamm im Wald.

Dem Fotokünstler ist anzumerken: Er hat vielfältige Ideen und Projekte im Kopf. Neben der mitunter anstrengenden Arbeit in der Sattlerei, so bedauert Günther, bleibe jedoch oft nicht so viel Zeit für das Hobby. Nach seiner erfolgreichen Sattlerausbildung hat Günther ein dreijähriges fachbezogenes Fortbildungsstipendium erhalten: "Dies ermöglicht mir derzeit viele Einblicke in Kunst, Handwerk und Natur. So bin ich immer auch dicht an meinem Hobby dran", sagt der Land-Art-Spezialist schmunzelnd.

Die Ausstellung ist noch bis 27. Oktober in der Buchhandlung Christof Cebulla, Ostenstraße 2, Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr, zu sehen.