Ingolstadt
Der lange Kampf um Anerkennung

Ausstellung "Rassendiagnose: Zigeuner" zu Völkermord an Sinti und Roma im Armeemuseum eröffnet

26.10.2017 | Stand 02.12.2020, 17:18 Uhr

Foto: Cornelia Hammer

Ingolstadt (DK) Bis zu 500 000 Sinti und Roma wurden während des Holocaust ermordet. Die Ausstellung im Bayerischen Armeemuseum beleuchtet den Völkermord, aber auch die alltägliche Diskriminierung der Minderheiten vor und nach der NS-Zeit.

Oskar Schindler bewahrte 1200 Zwangsarbeiter vor der Ermordung in nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Als bei der Eröffnung der Ausstellung "Rassendiagnose: Zigeuner" im Neuen Schloss die Titelmelodie des Films "Schindlers Liste" gespielt wird, sind viele Anwesenden sichtlich gerührt.

"Seit dem 15. Jahrhundert ist dieses Land eng verbunden mit der Geschichte der Sinti und Roma", betont Ansgar Reiß, Direktor des Bayerischen Armeemuseums. Der NS-Staat habe der Minderheit das Existenzrecht abgesprochen, und auch die Kirche habe durch ihr Wegsehen einiges ermöglicht, klagt er an. Auch Oberbürgermeister Christian Lösel bewegt der systematisch organisierte Völkermord, dem bis zu 500 000 Angehörige der Sinti und Roma zum Opfer fielen. "Das Ziel muss eine lebendige Erinnerungskultur sein", fordert er. "Das sind wir den Opfern schuldig, um ihr Andenken zu bewahren."

Ilona Roché, Vorsitzende des Arbeitskreises Sinti und Roma Ingolstadt, sieht den Holocaust an den beiden Minderheiten "als einen Teil der deutschen Geschichte, der über Jahre ausgeblendet wurde". Sie betont, dass die Ausgrenzung auch nach 1945 andauerte. "Die Verweigerung der Anerkennung war ein erneutes Trauma für die Betroffenen." In Ingolstadt gebe es heute noch 30 Familien der Minderheiten; die Folgen seien dort nach wie vor spürbar, berichtet sie. Auch die jetzige politische Situation bereite ihr Sorgen. Antiziganismus, also Feindlichkeit gegenüber Sinti und Roma, sei vor allem im Zuge der Zuwanderung von Menschen aus osteuropäischen Staaten vermehrt festzustellen. "Während des letzten Wahlkampfs hing auch hier in Ingolstadt das NPD-Plakat ,Geld für die Oma statt für Sinti und Roma €˜", merkt Roché an.

Die Ausstellung gliedert sich in drei Bereiche. Der erste Teil besteht aus einem Gesamtüberblick und einer Einführung. Der zweite Teil beleuchtet den Völkermord an den beiden Minderheiten während der NS-Diktatur. Der letzte Teil der Ausstellung zeigt die Lage in der Nachkriegsgeschichte auf. "Die Bundesrepublik verweigerte nach dem Krieg die Anerkennung als Opfer", betont Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. In seiner Einführung sprach Rose zudem den Polizisten und Soldaten der Bundeswehr seinen ausdrücklichen Dank für ihr Kommen aus. "Aus historischer Erinnerung geht Verantwortung für die Zukunft hervor", stellt er fest.

Die Ausstellung läuft bis 7. Januar im Bayerischen Armeemuseum, Neues Schloss. Der Eintritt in die Sonderausstellung ist frei. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag, 9 bis 17.30 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 17 Uhr. Sie ist am 24., 25. und 31. Dezember geschlossen.