Friedrichshofen

Der Friede von Friedrichshofen

Bürgerinitiativen einigen sich in wichtigen Fragen und kündigen gemeinsame Aktionen an

27.08.2013 | Stand 02.12.2020, 23:44 Uhr

Grünstreifen der Hoffnung: Hier soll eine Verbindung zwischen der Ochsenmühlstraße und der Levelingstraße (via Klinikum) entstehen, um einen Teil Friedrichshofens vom Verkehr zu entlasten. Dieses Ziel verfolgen die zwei Bürgerinitiativen nun gemeinsam. Seite an Seite kämpfen sie auch dafür, »dass aus dem Feldweg eine richtige Straße wird«. - Foto: Rössle

Friedrichshofen (DK) Die Fronten sind geklärt. Die Friedrichshofener Bürgerinitiative (FBI) und die Interessengemeinschaft Vorwaltnerstraße haben sich in den zentralen Fragen der Verkehrsführung in dem belasteten Stadtteil geeinigt. Jetzt gilt es, die neue Harmonie den Bürgern überzeugend zu vermitteln.

So weit lagen sie eigentlich gar nicht auseinander – aber in der öffentlichen Wahrnehmung war rasch der Eindruck entstanden, die zwei Bündnisse trennte ein tiefer Graben. Auf der einen Seite die 1995 gegründete und entsprechend kampferprobte Friedrichshofener Bürgerinitiative (FBI) mit ihrem offensiven Anführer Georg Niedermeier. Auf der anderen Seite die noch junge und eher informelle Interessengemeinschaft Vorwaltnerstraße mit ihrem Sprecher Oliver Kupfer. Beide Gruppen eint der Wille, das von Verkehrsmassen geplagte Friedrichshofen zu entlasten. Doch auf welchen Wegen dies am besten gelingen könne, darüber gingen die Meinungen eine Weile auseinander. Aber das sei jetzt vorbei, beteuern Niedermeier und Kupfer in einer gestern veröffentlichten Erklärung.

Die beiden schreiben: „In der Vergangenheit wurde mehrmals behauptet – und manche Mitmenschen glauben das immer noch –, dass in Friedrichshofen zwei Bürgerinitiativen existieren, die gegenseitige Ansichten hätten und somit nicht miteinander kommunizieren könnten.“ Das Gegenteil sei der Fall: Niedermeier und Kupfer betonen, „dass beide Gruppen in dem Hauptziel übereinstimmen, Friedrichshofen vom Verkehr zu entlasten“. Das betreffe vor allem die Forderungen der Bürgerinitiativen für die künftige Verkehrsführung auf der Friedrichshofener Straße, der Schultheißstraße, der Straße am Dachsberg sowie der Jura- und der Vorwaltnerstraße. Auf der gemeinsamen Agenda stehen eine Umgehung für das Baugebiet Friedrichshofen-West und die gewünschte Entlastung des Orts über die Ochsenmühl- und die Levelingstraße ganz oben.

Der Konflikt hatte sich entzündet, als mehrere Bürger aus dem Umfeld der Vorwaltnerstraße Unterschriften gegen die geplante Verbindung zwischen der Ochsenmühlstraße und dem Parkplatz des Klinikums (mit Anschluss an die Levelingstraße) sammelten. Doch die Trasse, die der Entzerrung der Verkehrsströme dienen soll, ist das zentrale Anliegen der FBI. „Das war ein Missverständnis“, sagt Niedermeier jetzt. „Damals haben viele unterschrieben, ohne zu wissen, worum es geht.“ Aber dank reger Überzeugungsarbeit auf beiden Seiten und engagierter Verhandlungen „haben wir es nun geschafft, an einem Strang zu ziehen“, erklärt der FBI-Sprecher. Gemeinsam setzen sich die zwei Bündnisse dafür ein, „dass aus dem Feldweg eine richtige Straße wird“. Denn davon seien die Pläne der Stadt nach wie vor weit entfernt. Bisher dürfen die Friedrichshofener nur ein schmales Sträßlein mit zwei Stellen zum Ausweichen erwarten. Für die FBI ist das angesichts der Verkehrsflut keine Lösung. Niedermeier wirft der Stadt arge Sparsamkeit beim Grunderwerb für die Verbindungsstraße vor. Das Angebot an die Eigentümer sei alles andere als verlockend. „Da müsste man viel mehr aufkaufen.“ Er erinnert an die Halle T im Güterverkehrszentrum II. „Als die plötzlich größer ausgefallen ist, hat man einfach ein Stück neue Straße wieder weggerissen, – da hat dann eine halbe Million Euro keine Rolle gespielt“, argumentiert Niedermeier.

Der zweite Schwerpunkt des nunmehr gemeinsamen Engagements zielt auf das Baugebiet Friedrichshofen-West; hier sollen nächstes Jahr die Arbeiten beginnen. Die Bürgerbündnisse kämpfen dagegen, dass eine Baustraße am Friedhof vorbei auf die Jurastraße geführt wird, denn die liegt – von der Schule und drei Kindergärten gesäumt – in einem Wohngebiet. An diesem Brennpunkt wollen die FBI und die IG Vorwaltnerstraße im Herbst eine gemeinsame Aktion veranstalten – auch, um die neue Harmonie zu demonstrieren, vor allem aber, um dem gemeinsamen Ziel zu dienen.

Im Übrigen, ergänzt Niedermeier, arbeite er mit Kupfer bei der Bürgergemeinschaft gut zusammen – für ihn ein Beweis dafür, dass in Friedrichshofen keine Initiativen konkurrieren.