Neuburg
Der einfache Weg, um glücklich zu sein

Frühere Wirtin der Klosterschenke Weltenburg nimmt Kinobesucher mit auf 900 Kilometer langen Jakobsweg

28.11.2019 | Stand 23.09.2023, 9:40 Uhr
Patricia Viertbauer
Ist stolz, dass ihr Herzensprojekt gut bei den Kinobesuchern ankommt: Regisseurin Gabi Röhrl, hier mit Kinopalastbetreiber Roland Harsch. Die Regisseurin hofft, dass sie mit dem Film "Nur die Füße tun mir leid" einige Menschen dazu motiviert, den Jakobsweg auch zu gehen. −Foto: Viertbauer

Neuburg (DK) Gabi Röhrl zeigt im Film "Nur die Füße tun mir leid" den wohl beliebtesten Jakobsweg "Camino Francés" von all seinen Seiten.

Nun ist die Regisseurin in den Neuburger Kinopalast gekommen, um von ihrem Herzensprojekt zu erzählen.

Der Film beginnt mit Meeresrauschen und der Stimme von Gabi Röhrl, die sagt: "Geschafft, endlich am Ziel - am sogenannten Ende der Welt. " Der Anfang ihres Streifens ist das Ende ihrer Reise. Fünf Wochen lang war sie auf dem "Camino Francés" unterwegs und ist 900 Kilometer vom Startpunkt Saint Jean Pied de Port nahe der französisch-spanischen Grenze bis Santiago de Compostela gelaufen. "Streng genommen bin ich den Jakobsweg für meinen Film zweimal gegangen, nämlich 2017 und 2018, jeweils von Mai bis Ende Juni", erklärt die Regisseurin.

Auf ihren Wegen hatte Röhrl sechs Kilo Eigengepäck und acht Kilo Kameraequipment dabei - denn sie ist nicht nur Regisseurin des Films, sondern auch Kamerafrau. "Ich fotografiere gerne, aber beim Filmen hatte ich keine Erfahrung. Deswegen ist ein Kameramann mit mir das Equipment einkaufen gefahren und hat mich ein paar Tage geschult", erinnert sie sich. Dann ging es für die ehemalige Wirtin der Weltenburger Klosterschenke auch schon los auf den Camino Francés. Sie hatte ein klares Ziel vor Augen, nämlich einen Dokumentarfilm über den Weg an sich zu drehen. "Der Jakobsweg ist der Hauptdarsteller. In meinem Film geht es um ihn in Verbindung mit den Einheimischen und den Pilgern", sagt Röhrl.

Der Filmtitel "Nur die Füße tun mir leid" sei ihrem Mann bei einem gemeinsamen Brainstorming eingefallen und könne passender nicht sein - denn die Füße kommen in dem Film immer wieder vor. "So wie man beim Jakobsweg auf seine Füße achten sollte, sollte man im Leben auf sich selbst achten", sagt eine Pilgerin im Film, die Röhrl auf dem Weg interviewte. Auf dem Jakobsweg geht es nach Angaben der Regisseurin nicht um den heiligen Jakobus, sondern um sich selbst. "Den Jakobsweg gehen über 180 Nationen und alle Religionen, beziehungsweise auch die, die keine Religion haben", so Röhrl.

In "Nur die Füße tun mir leid" gibt sie den Kinobesuchern neben den visuellen Eindrücken auch einen Einblick in die Wirkung des Weges. "In den ersten Wochen räumt man auf. Der Pilger ist wie ein Schrank, den man aussortiert. Durch das Aufräumen und das gleichzeitige körperliche Abenteuer bringt man viel in Bewegung. " Körperliche Kraft und Ausdauer seien auf dem Camino Francés hilfreich, entscheidend aber sei der Kopf. "Die meisten Pilger, die den Weg abbrechen müssen, sind Sportler und junge Leute. Die Älteren teilen sich die Strecke bedacht ein - meine Tagesstrecken waren immer um die 25 Kilometer lang - und kommen meist bis ans Ende", weiß die Filmemacherin. In "Nur die Füße tun mir leid" bekommen die Kinobesucher einen Eindruck vom Camino Francés. Gabi Röhrl zeigt die Natur der verschiedenen Etappen, Gruppen und einzelne Pilger, die Zwischenstationen in den Dörfern und Städten, religiöse Feste, regionale Speisen und Getränke und die Einheimischen, die den Pilgern immer mit Rat und Tat zu Seite stehen.

Dass ihr Film bei den Kinobesuchern gut ankommt und einige motiviert, den Jakobsweg auch zu gehen, freut Röhrl. Sie selbst wird sich nach ihren Besuchen in den Kinos auch wieder auf den Weg machen, denn "der Camino hat mir gezeigt, wie einfach es ist, glücklich zu sein".

Patricia Viertbauer