Der Abschied naht

Geschäftsführer Franz Spitzauer wird den FC Ingolstadt "in absehbarer Zeit" verlassen - Nachfolge unklar

29.01.2020 | Stand 02.12.2020, 12:05 Uhr
Seit 2004 ist Franz Spitzauer beim FC Ingolstadt. Nun kündigte der langjährige Geschäftsführer seinen Abschied an. −Foto: Meyer

Ingolstadt - Franz Spitzauer atmet noch einmal tief durch.

Dem Geschäftsführer des FC Ingolstadt ist anzusehen, dass er um die passende Antwort ringt. Doch nach etwas Bedenkzeit bestätigt der 55-Jährige unserer Zeitung, was im Umfeld des Drittligisten schon länger zu hören war: "In absehbarer Zeit werde ich den FCI verlassen. " Der dienstälteste Mitarbeiter der Schanzer wolle "noch mal einen persönlichen Perspektivwechsel. Aber wann und wie das nach Ablauf meines Vertrags der Fall sein wird, ist noch nicht entschieden", ergänzt der Geisenfelder, dessen Arbeitspapier sich kürzlich bis Juni 2021 verlängerte.

Seit 2004 ist Spitzauer beim FCI tätig. Der frühere Schatzmeister stieg 2009 zum Finanz-Geschäftsführer auf, seit der Entlassung seines Kompagnons Harald Gärtner im März des vergangenen Jahres trägt er die alleinige Verantwortung bei den Schanzern - und steckt trotz seines nahenden Abschieds mitten in den schwierigen Planungen für die kommende Spielzeit.

Schwierig deshalb, weil Spitzauer erneut den Rotstift ansetzen muss. Denn obwohl der FCI "schon sehr viel Geld eingespart" habe, steht in der Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres aufgrund des Abstiegs in die 3. Liga ein deutliches Minus. "Wir geben zwei Lizenzen ab - einmal für die 2. Bundesliga und einmal für die 3. Liga. Wenn wir am Saisonende tatsächlich aufsteigen, werden wir nicht mehr als zehn bis elf Millionen Euro an neuem Fernsehgeld haben", erklärt er. "Und wenn wir in der 3. Liga bleiben, müssen wir von den Ausgaben noch mal runter. " Aktuell beläuft sich der Gesamtetat auf rund 25 Millionen Euro, in der Vorsaison in der 2. Bundesliga standen dem FCI noch 40 Millionen Euro zur Verfügung.

Bei der Suche nach neuen Einnahmequellen würden die Ingolstädter deshalb auch eine "neue Strategie" verfolgen und verschreiben sich als Ausbildungsverein. "Wir müssen Spieler heranführen, damit sie in der ersten Mannschaft zum Einsatz kommen oder sie ins Schaufenster stellen, damit wir über einen Transfer Einnahmen erzielen", sagt Spitzauer.

Gleichzeitig spricht sich der Geschäftsführer für "eine andere Kostenverteilung" im deutschen Profi-Fußball aus, nachdem etliche Drittligisten vor dem Restrunden-Start wieder einmal auf die finanzielle Not in der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) organisierten Spielklasse aufmerksam machten.

"Es wäre wünschenswert, dass wir Konzepte finden, um die finanzielle Lücke (zwischen der 3. Liga und den beiden Bundesligen, d. Red. ) zu verkleinern", sagt Spitzauer und befürwortet die Ideen von Günther Gorenzel von 1860 München und Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching. Die beiden Geschäftsführer-Kollegen fordern unter anderem, die Verteilung des Fernsehgelds von den Einsatzzeiten von U23-Spielern abhängig zu machen.

"Derzeit sind es nur zwei Millionen Euro. Es sollten aber 30 Millionen Euro sein, die verteilt werden. Dann wäre auch ein Anreiz da", sagte Schwabl gegenüber dem "Kicker". Spitzauer ergänzt: "Wenn man die 3. Liga als Ausbildungsliga will, muss man die finanzielle Unterstützung daran koppeln. "

Womöglich muss sich der 55-Jährige in der kommenden Saison aber gar keine großen Gedanken mehr über die Schnittstelle zwischen Profi- und Amateurbereich machen. Schließlich ist der FCI als Tabellenzweiter und nach zwölf Partien ohne Niederlage auf Aufstiegskurs. Doch wie zu seiner persönlichen Zukunft äußert sich Spitzauer auch zur möglichen Zweitliga-Rückkehr vorsichtig: "Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Den Aufstieg als Saisonziel werde nicht ich als Geschäftsführer ausrufen, sondern das muss die sportliche Leitung machen. " DK

 

Gottfried Sterner, Julian Schultz