Vohburg
Das Inferno von Irsching

Am 1. September 2018 zerstörten Explosionen Teile der Bayernoil-Raffinerie – Die Region stand am Rande einer Katastrophe

30.08.2019 | Stand 23.09.2023, 8:23 Uhr
Es tut einen Schlag um kurz nach fünf Uhr früh, der kilometerweit zu hören und zu spüren ist - und mit diesem Knall ist in Irsching und den umliegenden Orten nichts mehr so, wie es einmal war: Eine riesige Explosion erschüttert am 1. September die Bayernoil-Raffinierie. Zum Glück kommt bei dem verheerenden Unglück niemand ums Leben. Tagelang ist der Landkreis im Krisenmodus. Und bei Anliegern herrscht Angst, dass sie das nächste Mal nicht so glimpflich davonkommen könnten. Ein ausführlicher Bericht folgt im überregionalen Jahresrückblick. −Foto: Hauser

Vohburg (DK) 1. September 2018, 5.11 Uhr: Mit einem Schlag ist das normale Leben, vor allem in Irsching, vorbei.

Zwei Explosionen erschüttern kurz hintereinander die Bayernoil-Raffinerie an diesem Samstagmorgen und zerstören große Teile der Anlage. In der Dunkelheit bahnen sich weithin sichtbare Flammen ihren Weg entlang der Rohre und Türme, die Schallwellen der Detonationen sind kilometerweit zu hören, Panik bricht aus – bei den Anwohnern und den Verantwortlichen, die versuchen, eine noch größere Katastrophe zu verhindern. An diesem Sonntag jährt sich das Unglück zum ersten Mal: Während bei Bayernoil inzwischen wieder produziert wird, stehen – fast schon mahnend – zerstörte und noch nicht abgebaute oder ersetzte Anlagenteile nach wie vor auf dem Werksgelände am Rand von Irsching.

Die Panik ist bei den Irschingern gewichen, Respekt geblieben. Es gab offene Briefe, Bürgerversammlungen, natürlich auch Diskussionen wegen der durch die Druckwellen erzeugten Schäden an Gegenständen, Gebäuden oder auch Fahrzeugen. Mittlerweile ist alles repariert und großteils von den Versicherungen auch bezahlt. Zerstörte Anlagen wurden wieder aufgebaut, zum Teil aber auch abgebaut – weil sie nicht mehr eingesetzt werden. Im Mai hat Bayernoil begonnen, die Anlage hochzufahren. Dieser Prozess zieht sich bis in den Herbst hinein. Dann soll die maximale Produktionskapazität an Diesel, Benzin und Bitumen erreicht sein.

Die Ursache des Unglücks steht eigentlich fest. Nur ist sie noch nicht offiziell bestätigt. An einem Reaktor der sogenannten OATS-Anlage, die übrigens nicht mehr betrieben wird, wurde ein Riss entdeckt, durch den 140 Grad heißes Benzin ausgetreten ist. Die hochentzündliche Wolke führte zu den verheerenden Explosionen und zur ebenso gewaltigen Druckwelle. Das Bauteil wurde Anfang des Jahres ausgebaut und nach Berlin gebracht. Dort wird es vom Bundesamt für Materialforschung und -prüfung untersucht. Endgültiges Ergebnis: noch offen. Verantwortliche quält die Frage: Warum entstand dieser Riss? Bayernoil-Mitarbeiter und die Menschen in Irsching und allen umliegenden Orte hatten viel Glück am 1. September 2018. Es gab keine Toten, nur Leichtverletzte. Eine noch größere Katastrophe blieb aus.

Oliver Konze